Überragender Auftritt: Rasta erobert die Hauptstadt
Die Basketballer von Rasta Vechta haben den Auftakt der Viertelfinalserie bei Alba Berlin für ein echtes Statement genutzt. Vechta feierte einen überragenden 103:89-Sieg.
Rasta packt zu: TJ Bamba (links) und Lloyd Pandi (rechts) in der Defense gegen Albas Taktgeber Martin Hermannsson. Foto: Jürgen Engler/nordphoto
Um 20.20 Uhr war der Paukenschlag in der Hauptstadt perfekt - und die über 100 Rasta-Fans in der Uber-Arena in Berlin skandierten „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ und „Oh, wie ist das schön“. Was für ein Auftritt! Was für eine Überraschung! Die Basketballer von Rasta Vechta haben in der Viertelfinalserie bei Alba Berlin einen Auftakt nach Maß erwischt. Der Tabellensiebte der Hauptrunde feierte am Sonntagabend einen 103:89 (50:37)-Sieg beim elfmaligen Meister und zeigte dabei keinerlei Schwächen.
Bei der 1:0-Führung in der Best-of-5-Serie war Tevin Brown mit 30 Punkten der überragende Akteur bei Rasta. Außerdem punkteten Lloyd Pandi (18), Tommy Kuhse (16) und TJ Bamba (15) zweistellig. Für Rasta war's im neunten Versuch der erste Sieg in Berlin - und für Rastas Ex-Coach Pedro Calles setzte sich der Playoff-Fluch fort. Für den Spanier war's die 16. Niederlage in Serie in einem Playoff-Spiel. Die Serie wird bereits am Dienstag (19. Mai, 18.30 Uhr) in Berlin fortgesetzt.
Die letzten Infos vor dem Spiel
Das Personal: Rasta Vechta nahm seine insgesamt vierte Playoff-Serie in der BBL mit voller Kapelle in Angriff. Bei Alba Berlin musste derweil Malte Delow (25/schon 228 BBL-Spiele) mit einer leichten Gehirnerschütterung passen. Die zuletzt angeschlagenen Jonas Mattisseck, Sam Griesel und Michael Rataj standen unterdessen alle im Kader.
Die anderen Viertelfinalpaarungen: Die ersten beiden Partien der Best-of-5-Serien im Viertelfinale fanden bereits am Samstag statt. Pokalsieger Bamberg Baskets (3. in der Hauptrunde) feierte einen 80:74-Sieg gegen Ratiopharm Ulm (6.). Im Duell Vierter gegen Fünfter setzten derweil die Würzburg Baskets das erste Ausrufezeichen. Die Franken behielten bei den Telekom Baskets Bonn dank einer fantastischen Defense mit 69:54 die Oberhand. Am Sonntagnachmittag startete dann Vorjahresmeister FC Bayern München in die heiße Phase seiner „Mission Titelverteidigung“. Gegen Aufsteiger Gladiators Trier, der sich am Donnerstag im dritten Play-Ins-Spiel gegen Rostock das letzte Playoff-Ticket gesichert hatte, siegte der Titelfavorit mit 101:80.
„Vechtas Offense bläst zum Sturm auf die Berliner Mauer“: Mit dieser Schlagzeile wartete die BBL auf ihrem Instagram-Account auf. Die Zahlen dazu: Vechta stellte vor der Partie mit einer Wurfquote von 48,3 Prozent und 90,1 Punkten pro Spiel die beste Offense der Liga und erzielte in den Partien gegen Trier (123), Ludwigsburg (121) und Braunschweig (120) die drei höchsten Punktzahlen der Saison. Alba Berlin wartete derweil mit einer famosen Defense auf. Berlins Gegner kamen im Schnitt nur auf 77,9 Punkte und eine Trefferquote von 42,7 Prozent.
Zwei Meistertitel für Alba Berlin: Eine halbe Stunde vor Spielbeginn in der Uber-Arena gab der Hallensprecher bekannt, dass Albas U19-Junioren und die U18-Juniorinnen beim „Jugend Top 4“ in der Berliner Sömmeringhalle jeweils den DM-Titel geholt haben. Die U19 der Rasta Academy war am Samstag im Halbfinale der NBBL-Endrunde ausgeschieden.
Johann Grünloh im Interview: Bei der letzten Playoff-Serie gegen die Niners Chemnitz im Mai 2024 gehörte Johann Grünloh zum Rasta-Kader. Im großen OM-Medien-Interview spricht der 20-Jährige über sein erstes Jahr in der US-College-Liga NCAA - und er drückt natürlich seinem Ex-Klub die Daumen für die Serie gegen Alba.
Jubel im Gäste-Block: Rastas Fans feiern den Auftritt ihrer Mannschaft. Foto: Jürgen Engler/nordphoto
Der Spielverlauf
Das 1. Viertel: Rasta Vechta erwischte einen guten Start in seine zwölfte Playoff-Partie in der 1. Bundesliga. Die Gäste ließen sich von der aggressiven Berliner Defense und der Kulisse in der Uber Arena nicht beeindrucken und warteten in der Anfangsphase mit guten Wurfquoten auf. 6:2, 10:7, 20:12, 23:15 - Etappen einer konstanten Führung für Rasta. Und nach einem finalen Korbleger von Tommy Kuhse endete das erste Viertel mit 25:21 für Rasta.
Das 2. Viertel: Der zweite Abschnitt begann mit einem Dreier von Luc van Slooten zum 28:21 - es war zu diesem Zeitpunkt bereits der fünfte Rasta-Treffer von jenseits der 6,75-m-Linie bei nur acht Versuchen. Und nach dem sechsten Dreier, diesmal von Lloyd Pandi zum 33:26, nahm Albas Coach Pedro Calles seine erste Auszeit des Abends. Es konnte dem Spanier nicht gefallen, wie sein Ex-Klub einen guten Wurf nach dem anderen kreierte. Nach vier weiteren Punkten von Malik Parsons führte Rasta sogar mit 37:26. Und als der Vorsprung nur noch sechs Punkte betrug (39:33), legten Tommy Kuhse und Joschka Ferner zwei weitere Dreier nach. 45:33 für Vechta, nächste Auszeit von Calles. Rasta blieb auch danach am Drücker, Kuhse legte per Dreier seine Punkte 11 bis 13 nach - und zur Pause führte der Außenseiter mit 50:37. Der verdiente Lohn: großer Applaus der mehr als 100 Rasta-Fans
Starker Auftritt: Tommy Kuhse (links) gegen J'Wan Roberts. Foto: Jürgen Engler/nordphoto
Die Statistik zur Pause: Rastas Tommy Kuhse war mit 13 Punkten der Topscorer der ersten Halbzeit, gefolgt von Albas Moses Wood (12) und Rastas Tevin Brown (10). Rasta glänzte mit einer starken Dreier-Quote (9/17 - 52,9 Prozent) und führte auch knapp bei den Rebounds (19:18) und den Assists (9:8). Sehr stark: Rasta hatte zur Pause bereits neun Steals auf dem Konto - ein Beleg für die aufmerksame, bissige Defense der Gäste, die eine bockstarke erste Halbzeit spielten.
Alba Berlin - Rasta Vechta 89:103
Punkte Alba Berlin: Alex O'Connell (8), Sam Griesel (2), Jack Kayil (16), Jonas Mattisseck (5), Moses Wood (20), J'wan Roberts (0), Martin Hermannsson (17), Norris Agbakoko (10), Michael Rataj (4), Bennet Hundt (ohne Einsatz), Justin Bean (7).
Punkte Rasta Vechta: Malik Parsons (4), TJ Bamba (15), Luc van Slooten (5), Joschka Ferner (3), Tevin Brown (30), Alonzo Verge (6), Tommy Kuhse (16), Philipp Herkenhoff (0), Linus Trettin (ohne Einsatz), Lars Thiemann (2), Tibor Pleiß (4), Lloyd Pandi (18).
Halbzeit: 37:50
Viertel: 21:25, 16:25, 24:29, 28:24
Zuschauer: 8683.
Das 3. Viertel: Zieht Alba in der Defense an? Kann Rasta das hohe Niveau halten? Bleibt Vechta cool, wenn's hektisch wird? Fragen für die zweite Halbzeit. Und das dritte Viertel begann gut aus Rastas Sicht. Der Gast baute die Führung auf 18 Punkte aus (55:37, 57:39, 59:41, 66:48) und erzwang so Mitte des dritten Viertels die dritte Calles-Auszeit. Und dann drehte Tevin Brown auf: Rastas BBL-Rekordscorer (46 Punkte gegen Hamburg) machte 13 Punkte in Folge, darunter ein Wahnsinns-Dreier aus über acht Metern. Rasta führte am Ende der Brown-Show mit 79:58. Alba hatte aber noch eine Antwort parat, nach dem dritten Viertel führte Rasta mit 79:61. Die große Überraschung war greifbar nahe.
Auszeit in Berlin: Christian Held am Sonntagabend während der Partie bei Alba Berlin. Foto: Jürgen Engler/nordphoto
Das 4. Viertel: Rastas Guard Alonzo Verge, bis dato eher Passgeber (6 Assists) als Scorer (4 Punkte), eröffnete den Schlussabschnitt mit seinem typischen Move: mit Vollgas zum Korbleger (81:61). Für das nächste Highlight sorgte dann wieder Brown, dessen Dreier aus rund neun Metern die 8683 Zuschauer zum Staunen brachte. Seine Punkte 26 bis 28 bescherten Rasta eine 89:70-Führung. Dann allerdings kam Alba irgendwie aus dem Nichts zu einer 7:0-Serie, die auch die Kulisse zurück ins Spiel holte. Nur noch 89:77 für Rasta, Auszeit Christian Held, noch knapp vier Minuten. Rasta blieb aber cool - und es passte zum Spiel, dass Tevin Brown die 100-Punkte-Marke knackte.
Der Ausblick: Die Serie zwischen Berlin und Vechta wird bereits am Dienstag (19. Mai, 18.30 Uhr) fortgesetzt. Schauplatz ist erneut die Uber-Arena. Spiel drei folgt dann am Freitag vor Pfingsten (22. Mai, 18.30 Uhr) im Rasta-Dome in Vechta. Sollte es danach 2:1 für Berlin oder Vechta stehen, folgt am Pfingstsonntag (24. Mai, 18.30 Uhr) die vierte Partie in Vechta.