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Er war der Superstar des Dressur-Vierecks

Der einstige Wunderhengst Totilas ist im Alter von 20 Jahren an den Folgen einer Kolik gestorben. Seine Karriere blieb unvollendet.

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Ihn umgab eine besondere Aura: Wunderhengst Totilas, hier im November 2010 mit Matthias Rath bei seiner Präsentation in Mühlen. Foto: dpa / Jaspersen

Ihn umgab eine besondere Aura: Wunderhengst Totilas, hier im November 2010 mit Matthias Rath bei seiner Präsentation in Mühlen. Foto: dpa / Jaspersen

Totilas ist tot. Jener Wunderhengst, der die Dressur zu Beginn seiner Karriere aus den Angeln hob und später verkümmerte, wurde 20 Jahre alt. Am Montagabend erlag das Ausnahmepferd den Folgen einer Kolik. „Es ist gestern Abend passiert, aber wir haben uns heute Zeit genommen, es zu verarbeiten“, sagte sein Reiter Matthias Rath am Dienstag dem Magazin Eurodressage, „er wurde operiert und ist sogar wieder aufgestanden, hat es dann aber nicht geschafft. Er war super fit.“

„Das ist ein großer Verlust“, sagte Paul Schockemöhle aus Mühlen, der vor zehn Jahren den Hengst für geschätzte zehn Millionen Euro von den Niederlanden nach Deutschland geholt hatte. Alexander Rath schrieb auf Instagram: „Wir werden dich unglaublich vermissen und nie vergessen!!“

Wie ein Wirbelsturm brach Totilas einst über die Szene herein. Wenn der majestätische Rappe das Viereck betrat, hielt das Publikum den Atem an. Und als Totilas dann seinen Zauber in den Sand zeichnete, vor allem mit seinen unnachahmlichen Piaffen, bescherte er der Dressurwelt Gänsehautmomente.

Unter dem Sattel von Edward Gal brach der Gribaldi-Sohn bei der EM 2009 alle Rekorde, er wurde zu DEM Thema im Reitsport. Totilas war das erste Pferd, das für eine Grand-Prix-Kür über 90 Prozentpunkte erhielt. Im Dezember schraubte er die Bestmarke auf 92,30 Prozent. Nur der Himmel schien seine Grenze zu sein. Das Duo führte die Niederlande bei der WM 2010 in Kentucky zu Teamgold und triumphierte auch im Einzel.

Es waren aber die letzten glorreichen Momente im Leben von Totilas. Der schnöde Mammon beendete den einzigartigen Höhenflug. Im Oktober 2010 wechselte Totilas den Besitzer. Für geschätzte zehn Millionen Euro holte Paul Schockemöhle den Rappen nach Deutschland.

„Es hat noch nie so einen Hype gegeben wie um ihn“Paul Schockemöhle

„Es hat noch nie so einen Hype gegeben wie um ihn“, sagte Schockemöhle vor kurzem mit Blick zurück auf dem den spektakulären Transfer. „Das Pferd hat alle gefesselt“, sagte Dennis Peiler, Sportchef bei der deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Mit dem Deal sollte die deutsche Vorherrschaft in der Dressur auf Jahre gesichert werden. Dieser Plan misslang. Als Reiter wurde Matthias Alexander Rath bestimmt, der Stiefsohn von Mitbesitzerin Ann-Kathrin Linsenhoff. Schnell gab es Zweifel laut, ob er der Richtige für diese Aufgabe ist. Und sie wurden bestätigt. Silber bei der EM 2011 in Rotterdam und einmal Mannschafts-Bronze 2015 in Aachen lautete die bescheidene sportliche Bilanz des einstigen Wunderpferdes. Es war der letzte große sportliche Auftritt.

Im Anschluss an den Nationenpreis hatte ein Knochenödem am Hinterbein zunächst das EM-Aus und fünf Tage später das Ende der Karriere bedeutet. Dabei war die deutsche Teamleitung in die Kritik geraten, nachdem es Hinweise gab, Totilas sei mit einer Verletzung ins Viereck geschickt worden.

Nach dem Ende seiner Karriere spülte Totilas als Deckhengst Geld in die Kassen seiner Besitzer. Mit den Jahren flachte das Interesse ab. Dennoch zog Paul Schockemöhle ein zufriedenes Fazit: „Generell weiß ich, dass er sich gut vererbt hat. Und ich glaube, dass er völlig besondere Blutlinien hat“, sagte er. Aber eigentlich war Totilas für etwas anderes bestimmt, für Zaubereien im Viereck.

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