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Ein Wechsel mit Wehmut und Vorfreude

Pedro Calles hat sich für eine „neue Herausforderung“ entschieden. Der Spanier hinterlässt in Vechta eine große Lücke - und enttäuschte Rastaner (Update: 13.45 Uhr).

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Willkommen in Hamburg: Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby (links) mit Neu-Coach Pedro Calles. Foto: Hamburg Towers

Willkommen in Hamburg: Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby (links) mit Neu-Coach Pedro Calles. Foto: Hamburg Towers

Die Gerüchteküche brodelte seit Anfang der Woche, am späten Donnerstagabend sickerte die traurige Nachricht für alle Fans von Rasta Vechta durch, am Freitagmorgen gab es dann die Gewissheit: Der heimische Basketball-Bundesligist hat das Tauziehen um seinen umworbenen Erfolgscoach verloren. „Traurig, aber wahr: Pedro Calles verlässt Vechta!“, titelte Rasta auf seiner Homepage. Der 36-jährige Spanier wechselt zum BBL-Rivalen Hamburg Towers und erhält an der Elbe einen Zweijahresvertrag. Calles, der den Cheftrainer-Posten bei Rasta im Mai 2018 übernommen und im vergangenen Herbst in Vechta einen Vertrag bis 2022 unterzeichnet hatte, machte von einer Ausstiegsklausel Gebrauch. Vechta erhält vom Tabellenletzten der aktuellen Saison eine Ablösesumme, über die Höhe vereinbarten beide Klubs Stillschweigen.

„Die Entscheidung, Vechta zu verlassen, war nicht einfach“, erklärte Calles. Er habe „fünf großartige Jahre“ in Vechta gehabt, „die besten fünf Jahre meines Lebens“. Natürlich sei eine große Portion Wehmut dabei, so Calles, der 2015 nach drei Jahren bei den Artland Dragons nach Vechta kam und bei Rasta zunächst drei Jahre lang als Co-Trainer von Andreas Wagner und Doug Spradley tätig war. „Wir haben eine der schönsten Geschichten im deutschen Basketball geschrieben. Die Erinnerungen wird mir keiner mehr nehmen“, sagte der zweifache Familienvater über die letzten zwei Jahre. Sein „besonderer Dank“ galt Klubchef Stefan Niemeyer, „der mir zur Seite stand und zugetraut hat, Rasta zu trainieren“.

"Ich bin sehr stolz darauf, was wir gemeinsam geschafft haben"Pedro Calles über seine Zeit bei Rasta Vechta

Calles hatte Rasta in seinem ersten Jahr als Aufsteiger auf Platz vier in der Hauptrunde und danach ebenso sensationell ins Halbfinale geführt. 2019/20 folgten die Europapokal-Premiere (Champions League) sowie ein starker sechster Platz bis zur Corona-Zwangspause. Das Finalturnier in München schloss Rasta auf Platz neun ab. Calles' Fazit: „Wir haben viel mehr viel schneller erreicht, als wir geglaubt hatten. Ich bin sehr stolz darauf, was wir gemeinsam geschafft haben.“ Zwischen den Zeilen deutete Calles zuletzt aber auch mal an, dass nicht alles perfekt war. Darauf angesprochen, sagte der BBL-Trainer des Jahres 2019: „Das ist vorbei. Ich freue mich auf die neue Aufgabe.“

Vor gut einer Woche hatte Calles die Rasta-Führung informiert, dass er drei weitere Optionen auf dem Tisch habe und sich diese gerne einmal genauer ansehen wolle. Neben Hamburg waren offenbar noch Bamberg und ein spanischer Klub im Rennen. Mit Blick auf die „neue Herausforderung in Hamburg“ erklärte der Andalusier: „Die Towers sind ein professionell geführter Verein mit einer Strategie und einer ambitionierten Vision.“ Die Präsentation von Towers-Geschäftsführer und -Sportdirektor Marvin Willoughby sei „beeindruckend“ gewesen: „Mir gefällt, was die Towers wollen und wie sie es umsetzen wollen.“

Niemeyer kann Wechsel nicht nachvollziehen

Stefan Niemeyer machte aus einer „gewissen Enttäuschung“ keinen Hehl. Man habe bis zuletzt gehofft, dass Calles die Ausstiegsklausel nicht zieht, so Rastas Geschäftsführer: „Leider hat er sich für eine andere Option entschieden. Damit müssen wir jetzt leben.“ Auf die Frage, ob er Calles' Wechsel nach Hamburg nachvollziehen könne, sagte Niemeyer kurz und knapp: „Nein.“ Er sei „sehr verwundert“. Nichtsdestotrotz sei man natürlich „sehr dankbar für die geleistete Arbeit und die tollen Momente in den letzten Jahren“.

Rastas volle Konzentration gilt nun der Suche nach dem neuen Coach. Niemeyer ist guter Dinge, zügig fündig zu werden. Das Angebot sei groß, erste Anfragen stapeln sich bereits. Mit seinen treuen Fans, seiner starken Sponsoren-Landschaft und dem jüngsten Wachstum im Rücken sei Rasta ein „guter BBL-Standort“ und „bereit für die Herausforderungen“, so Niemeyer. Man verstehe sich weiter als Ausbildungsverein. Diese Strategie mitzutragen, sei ein wichtiges Kriterium für den neuen Coach.

Dass Kapitän Josh Young und Defenseexperte Max DiLeo, die zwei Jahre lang Fixpunkte in Calles' System waren und eine enge Bindung zu ihrem Förderer haben, ihren bisherigen Coach nach Hamburg begleiten, schloss Niemeyer nicht aus: „Die Gefahr ist gegeben. Aber noch ist es zu früh. Wir müssen auch abwarten, was unser neuer Coach für Pläne hat.“ Rasta würde Young und DiLeo gerne halten, müsse sich jedoch, so Niemeyer, darauf einstellen, „dass ganz vieles neu sein wird“. Ob Calles einen seiner Co-Trainer (Miguel Zapata, Derrick Allen) mit nach Hamburg nimmt, ist ebenfalls noch offen.

Einsatz an neuer Wirkungsstätte: Pedro Calles als Rasta-Coach im BBL-Spiel bei den Hamburg Towers.  Foto: nordphoto  WitkeEinsatz an neuer Wirkungsstätte: Pedro Calles als Rasta-Coach im BBL-Spiel bei den Hamburg Towers.  Foto: nordphoto / Witke

In Hamburg ist unterdessen die Freude groß, „eines der größten Trainertalente Europas“ verpflichtet zu haben. „Pedro war der absolute Wunschkandidat, die Einigung erfreut uns sehr“, sagte Willoughby. Der Ex-Nationalspieler und ehemalige Teamkollege von Dirk Nowitzki (in Würzburg) meinte zudem: „Wir wissen, wo wir in unserer noch kurzen BBL-Geschichte stehen, aber auch, wo wir hinwollen. Ich glaube, Pedro vereint alle Fähigkeiten, die es benötigt, gemeinsam unsere Ziele zu erreichen.“ Calles habe in Vechta bewiesen, dass er „ein überdurchschnittlicher BBL-Coach ist“.

Die Towers, die 2013 gegründet wurden und 2014 per Wildcard in die 2. Liga ProA kamen, hatten in ihrer BBL-Premierensaison 2019/20 nur drei von 20 Spielen gewonnen. Beim Abbruch der Hauptrunde wegen der Coronavirus-Krise waren die Towers Tabellenletzter, ein Abstieg blieb dem Klub aber erspart. Calles tritt in HH-Wilhelmsburg, wo auch diverse Jugend- und Sozialprojekte der Towers beheimatet sind, die Nachfolge von Aufstiegscoach Mike Taylor an, dessen Vertrag nach zwei Jahren nicht verlängert wurde.


Rastas Trainer seit der Saison 2009/10:

  • Saison 2009/10: Malte Scheper; ab November Pat Elzie
  • Saison 2010/11: Pat Elzie
  • Saison 2011/12: Pat Elzie
  • Saison 2012/13: Pat Elzie
  • Saison 2013/14: Pat Elzie
  • Saison 2014/15: Stephen Arigbabu; ab Januar Pat Elzie
  • Saison 2015/16: Andreas Wagner
  • Saison 2016/17: Andreas Wagner; ab Februar Doug Spradley
  • Saison 2017/18: Doug Spradley
  • Saison 2018/19: Pedro Calles
  • Saison 2019/20: Pedro Calles

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