Der erste Marathon: Auch in der Ewigen Stadt gibt es ein schönes Ende
Kolumne „Liebeserklärung“: Auf dem Circus Maximus herrscht Festival-Feeling – nur mit Energie-Gels statt Dosenbier.
Steffen Lünsmann | 25.04.2026
Kolumne „Liebeserklärung“: Auf dem Circus Maximus herrscht Festival-Feeling – nur mit Energie-Gels statt Dosenbier.
Steffen Lünsmann | 25.04.2026

Foto: Lünsmann
Woran erkennst du jemanden, der einen Marathon gelaufen ist? Er wird es dir erzählen. So ein bisschen läuft das Ego schließlich auch immer mit. Ich habe einfach vorher schon allen von meiner Marathon-Premiere erzählt, damit es kein Zurück mehr gibt. Es lässt sich aber auch wirklich schlecht verheimlichen. Man will ja auch nicht für verrückt gehalten werden, wenn man bei Wind und Regen mit Kopfhörern in den Ohren laufenderweise das Firmengelände verlässt, um die 20 Kilometer bis nach Hause in kurzer Hose und Asics zurückzulegen. Vorbereitung ist alles. Am ersten sonnigen Tag im Jahr kam dann die geniale Idee: Heute will ich das Wetter nutzen. Zuerst mache ich direkt nach Feierabend den längsten Trainingslauf – und danach mal gucken. (Kurze Zwischeninfo: Das Ganze klingt jetzt eher weniger nach einer Liebeserklärung. Kommt noch.) Dreieinhalb Wochen später geht es dann tatsächlich zum Flughafen. Wenn schon Marathon, dann in einer richtigen Stadt – und nicht in Hannover oder Kassel. Lieber eine Metropole, der Ewigkeit nachgesagt wird. Alte Bauten, Denkmäler, historisches Kopfsteinpflaster. Klingt herrlich, wenn man dabei nicht an seine Gelenke denkt. Die „Expo“ auf dem Circus Maximus macht schon Eindruck. Ein kleines Zeltdorf, viel Musik und gute Laune. Ein bisschen Festival-Feeling, nur mit Energie-Gels statt Dosenbier und mit Laufschuhen statt Rotzevoll-Brille. Dort erhält man seine Startnummer, die man sich dann am Wettkampftag mit nervösen Fingern am Shirt befestigen wird. Abends vorher noch Bruschetta und Ravioli inhaliert (das Essen hat eine eigene Liebeserklärung verdient) und morgens dann um halb sechs hoch. Reichhaltig frühstücken, die wichtigsten Stellen mit Vaseline einreiben, sechs Gel-Packungen in den engen Hosentaschen verstauen, Sonnenbrille auf, los. Das Kribbeln vor dem Wettkampf gegen sich selbst ist schon besonders. Vor Ort beginnt das Warten auf den Start, zusammen mit 35.999 anderen Menschen – direkt am Kolosseum. Als man sich der Startlinie nähert, strahlende Menschen sieht und die laute Musik aus den Boxen scheppert, läuft es sich für einen kurzen Moment wie von selbst. Das muss dieses Marathon-Gefühl sein. Von selbst läuft ab Kilometer zwei zwar nichts mehr, aber es ist trotzdem eine Aneinanderreihung von Glücksmomenten. Musikkapellen und DJs an der Strecke, Zuschauer mit Schildern, absurde Barfuß- oder Crocs-Läufer. So eine Massenbewegung hat schon etwas Elektrisierendes. Da kann man auch drüber wegsehen, dass ab Kilometer 25 alles wehtut. Ab Kilometer 35 wird es zäher. Aber mein Credo bewährt sich: Marathon ist zu 99 Prozent Kopfsache. Man muss in Etappen denken. Die letzte Etappe heißt: Genießen. Der Zieleinlauf hat etwas Erfüllendes. Es ist das simple Gefühl, etwas geschafft zu haben. Von A nach B laufen, mehr braucht es manchmal nicht. Jetzt kann man diese ganzen Läufer doch verstehen. Aber geht der Körper davon nicht kaputt? Mal den 93-Jährigen fragen, der kurz nach mir ins Ziel kam.Frage an die Laufszene: Warum macht man das?
Es gab kein Danach. Aber wie soll man das auch vorher wissen? Dass es eine Welt gibt, in der man für 30 Kilometer drei Stunden braucht? Spaß hat es nicht gemacht, so kamen erste Zweifel auf. An der Marathon-Teilnahme, aber auch an der Zurechnungsfähigkeit der gesamten Laufszene. Warum macht man das? Und wovor lauft ihr weg?
Am Tag nach dem großen Trainingslauf reifen in mir ein paar Erkenntnisse: Aufwärmen ist nicht verkehrt. Man sollte nicht unbedingt alleine laufen. Und ein Schluck Wasser zwischendurch könnte alles ein wenig erträglicher machen.Erst Bruschetta, dann Vaseline
Von A nach B laufen, mehr braucht es manchmal nicht
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