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Das Stadion: Ein mystisches Portal zu einer anderen Welt

Kolumne „Liebeserklärung“: Im Alter von vier Jahren verlor ich meine Stadion-Unschuld. Das alte Weserstadion war der Startpunkt einer Faszination, die mich nicht mehr losgelassen hat.

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An sein erstes Mal erinnert sich jeder. Vorausgesetzt, man war nüchtern und bei klarem Verstand. Und das war ich im zarten Alter von vier Jahren, als es passierte: der erste Stadionbesuch. Gemeint ist hier nicht der Erstbetritt irgendeiner Bezirkssportanlage, die noch notdürftig mit einer Betontribüne aus den 50er-Jahren aufgemöbelt wurde. Nein, ein richtiges Stadion von einem richtigen Profiklub.

Der Ort, an dem ich meine Stadion-Unschuld verlor, war das Bremer Weserstadion. Eine geografisch naheliegende Destination, und das Interesse wurde mit damals noch existierenden Sympathien für die Heim-Mannschaft unterfüttert. Der Spielplan an jenem 7. April 2001 sah ein Duell mit Hertha BSC vor – mit Sebastian Deisler als aufstrebendem Jungstar.

Ein sogenannter Marmeladenglasmoment

Es war ein kühler, verregneter Frühlingstag. Bremer Schietwetter, wenn man so will. Der Aufregung tat dies keinen Abbruch. Als die ikonischen Flutlichtmasten zu erahnen waren, schlug das junge Herz schneller. Und dann geschah etwas, was man heute so albern als Marmeladenglasmoment beschreibt. Auf der Suche nach dem richtigen Block wanderten wir um das Stadionrund herum. Ein Blick nach rechts, hinein ins Stadioninnere, erfasste mich mit voller Wucht.

Wie in ein Portal, das sich unverhofft öffnete, starrte ich gebannt auf den grünen Rasen, damals noch umsäumt von einer roten Laufbahn und den dahinter aufragenden Tribünen. Obwohl das Weserstadion stimmungstechnisch in den frühen 2000er-Jahren eher nordisch-unterkühlt daherkam, fand ich die Geräuschkulisse beeindruckend. Und nachdem ich in bestimmt drei dieser Portale geblickt hatte, war ich mit dem Ankommen beim richtigen Block endlich selbst Teil dieser mystischen Zusammenkunft.

„Pizarros Doppelpack ist von der Festplatte gelöscht. Nicht aber die harsche Zurechtweisung eines anderen Fans.“

Zugegeben, an den genauen Spielverlauf erinnere ich mich nicht genau. Pizarros Doppelpack beim Bremer 3:1 ist längst von der Festplatte gelöscht. Nicht aber die harsche Zurechtweisung eines Fans, die ich durch verfrühtes Jubeln provoziert hatte („Das war Abseits, du Idiot“). Im Stadion geht’s halt etwas rauer zu.

Natürlich, die Faszination ließ mit der zunehmenden Häufigkeit der Stadionbesuche etwas nach. Aber der Kick ist immer noch da, wenn die Fankurve ihre Stimme erhebt, wenn der Rhythmus des Spiels in den Zuschauern pulsiert, wenn im Bruchteil von Sekunden aus einer unverbundenen Masse eine Leidensgemeinschaft entsteht, und wenn man andersherum auch im Erfolgsfall mit seiner Freude nicht ganz allein ist.

Und noch bevor man eintaucht in die bizarre Welt eines Fußballstadions, ist da manchmal dieser alberne Marmeladenglasmoment: der kleine Junge, der ins Portal blickt. Der eingetreten ist in eine neue Welt, die ihn seitdem nicht mehr losgelassen hat.

Kurz danach kommt die Feststellung: Der kleine Junge ist ein junger Mann geworden. Der mittlerweile sogar weiß, was Abseits ist.

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