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Abstieg statt Sensation: Rasta Vechta muss runter in die 2. Liga

Der heimische Basketball-Bundesligist steht seit Freitagabend als erster sportlicher Absteiger fest. Hier gibt's den Nachbericht zum 81:82 gegen Alba Berlin - mit Reaktionen und einem Video.

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Allein gegen drei: Rastas Edgar Sosa im Spiel gegen Alba Berlin. Foto: Schikora

Allein gegen drei: Rastas Edgar Sosa im Spiel gegen Alba Berlin. Foto: Schikora

Sie hatten den Meister und Pokalsieger am Rande der Niederlage, doch am Ende reichte es nicht. Die Sensation blieb aus, stattdessen gab's den K.o. im Kampf um den Klassenerhalt: Rasta Vechta steht seit Freitagabend als erster sportlicher Absteiger aus der 1. Basketball-Bundesliga fest. Die 81:82 (42:43)-Niederlage gegen Alba Berlin besiegelte das Schicksal des Tabellenletzten, der in den letzten drei Saisonspielen das rettende Ufer nicht mehr erreichen kann. Der dritte BBL-Abstieg nach 2014 und 2017 hatte sich wochenlang angebahnt, nach der 26. Niederlage im 31. Spiel ist auch rechnerisch nichts mehr möglich.

Die starke Leistung gegen den Tabellenzweiten war beachtlich, am Ende aber wertlos. "Ich bin natürlich enttäuscht über das Ergebnis", sagte Rastas Coach Derrick Allen, "aber ich bin auch stolz auf die Art und Weise, wie wir heute gespielt haben". Es war eine der besten Saisonleistungen, vielleicht sogar die beste. Um aber ein EuroLeague-Team wie Alba Berlin zu schlagen, braucht ein Underdog wie Rasta einen perfekten Abend – und dazu fehlten ein paar Kleinigkeiten. "Eine wichtige Lehre für uns heute ist, dass wir bei einer Führung die Konzentration behalten müssen und weitere unseren Basketball spielen müssen – und Defense am Anschlag", sagte Allen und ergänzte: "Heute Abend haben wir das die meiste Zeit über geschafft, manchmal aber eben sowohl in der Defense als auch in der Offense den Fokus verloren."

Robin Christen, mit 23 Punkten und neun Rebounds der überragende Rastaner, gab zu: "Es tut gerade echt weh, dass der Abstieg besiegelt ist. Man glaubt in so einer Situation ja immer an Wunder. Leider hat's heute nicht ganz gereicht." Philipp Herkenhoff ergänzte: "Wir haben gezeigt, dass wir es können. Wir hatten den Glauben, dass wir Alba schlagen können – und so haben wir dann auch gespielt." Neunmal wechselte die Führung hin und her, Rasta lieferte dem Titelanwärter einen tollen Fight und lag maximal mit 5 Punkten zurück (69:74).


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"Ich finde es toll, wie Derrick Allen unsere Mannschaft eingestellt hat und was sie aus diesem Spiel gemacht haben", sagte Rastas Klubchef Stefan Niemeyer: "Ich glaube, die Berliner waren auch sehr überrascht und hatten nicht mit soviel Gegenwehr gerechnet. Insgesamt war das ein tolles Spiel." Wer steigt noch ab? Wer steigt auf? Gibt's vielleicht eine Wildcard? Wie läuft das Lizenzverfahren? Fragen über Fragen. "Es kommen spannende Tage auf uns zu", sagte Niemeyer und ergänzte: "Erst einmal müssen wir uns damit abfinden, dass wir abgestiegen sind."

Albas Coach Aito Garcia Reneses bilanzierte: "Wir haben das Spiel nicht fokussiert genug begonnen, und Rasta hatte die ganze Zeit über eine gute Einstellung. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit aber konzentrierter gezeigt und deshalb konnten wir gewinnen." Sprach es – und wünschte Allen beim Verlassen der Pressekonferenz noch "viel Erfolg für den Rest der Saison".

Niemeyer erwartet, dass das Team in den letzten drei Spielen "genauso viel Charakter zeigt wie heute". Allen formulierte es ähnlich: "Jetzt kommt es in den letzten 3 Spielen darauf an, dass wir den Klub bestmöglich repräsentieren." Am Sonntag um 18.00 Uhr gastiert Rasta beim Tabellenvorletzten Gießen 46ers, der am Freitag mit einem 95:71 (62:37)-Sieg in Chemnitz seine kleine Chance auf den Klassenerhalt wahrte.

Rasta hat nun 4 Punkte Rückstand auf die Hessen. Sollte Vechta in Gießen verlieren, wäre der 18. Platz vor den beiden letzten Spielen gegen den Mitteldeutschen BC (5. Mai, Mittwoch, 19.00 Uhr) und in Würzburg (9. Mai, Sonntag, 15.00 Uhr) gebucht. Bei einem Rasta-Sieg stünde Gießen als zweiter sportlicher Absteiger fest – und das "Rennen" um Platz 17 wäre wieder offen.


Lesen Sie dazu einen Kommentar von Carsten Boning.


Das Spiel gegen Alba und seine Etappen:

Das Personal: Rasta Vechta musste neben Jean Salumu, Dennis Clifford und Tim Hasbargen auch auf Jesse Hunt verzichten; der australische Power Forward hatte nach seinem Comeback in Crailsheim nach einer Gehirnerschütterung mit neuerlichen Problemen zu kämpfen. Dafür war Will Vorhees wieder im Kader, der Amerikaner hatte zuletzt mit einem lädierten Sprunggelenk pausieren müssen. Und Alba Berlin? Der Meister und Pokalsieger war mit voller Kapelle nach Vechta gereist. Als siebter Ausländer pausierte der Italiener Simone Fontecchio, zudem wurde Nationalspieler Maodo Lo geschont. Besonders im Fokus: Christ Koumadje. Der Center aus dem Tschad, beeindruckende 2,21 m groß, ist das nächste spannende Projekt der spanischen Trainer-Ikone Aito Garcia Reneses (74).

Schlusslicht gegen Meister: Rastas Josh Young (2. von links) im Angriff gegen die Berliner Ben Lammers (links) und Marcus Eriksson. Ganz rechts Björn Rohwer. Foto: SchikoraSchlusslicht gegen Meister: Rastas Josh Young (2. von links) im Angriff gegen die Berliner Ben Lammers (links) und Marcus Eriksson. Ganz rechts Björn Rohwer. Foto: Schikora

Das 1. Viertel: Wie schon in Crailsheim bot Rasta-Coach Derrick Allen eine Starting Five mit vier deutschen Spielern auf (Jannes Hundt, Robin Christen, Philipp Herkenhoff, Björn Rohwer - dazu Josh Young). Und der krasse Außenseiter spielte ein starkes erstes Viertel. Zur 8:3-Führung steuerte Christen zwei Dreier bei. Das gab Selbstvertrauen für das gesamte Team. Rasta verteidigte gut, profitierte allerdings auch von zwei, drei Alba-Nachlässigkeiten sowie einer schwachen Dreier-Quote des Titelverteidigers (1/6, später 3/10). 13:6, 16:11, 21:14 - Vechta verteidigte seine Führung mit einem mutigen Auftritt. Aber eins war auch klar: Alba wird sich steigern.

Das 2. Viertel: In den ersten drei Minuten des zweiten Abschnitts lief bei Rasta wenig zusammen. Die Gastgeber sammelten Fouls (4) statt Punkte, beim 23:22 nahm Allen die erste Auszeit. In der Folgezeit rappelte sich Rasta aber wieder auf und behielt seine knappe Führung (28:24, 33:27, 36:32, 42:37). Großen Anteil daran hatte Robin Christen, der zur Pause bereits 20 Punkte auf dem Konto hatte (u.a. 5/7 Dreier). Der kürzlich 30 Jahre alt gewordene und in den letzten Wochen offensiv glücklose Flügelspieler verbesserte damit seine bisherige BBL-Bestleistung (16 Punkte im Spiel in Frankfurt im März 2021). Das Ende des zweiten Viertels war allerdings bitter: Albas Peyton Siva traf mit der Schlusssirene aus 16 Metern (Mittelkreis, eigene Hälfte) zum 43:42 für Berlin - es war Albas zweite Führung im Spiel (zuvor 3:2).

Das 3. Viertel: Wann gibt Alba richtig Gas? Das war die große Frage. Rasta hielt auf jeden Fall mit Bravour dagegen und lag dank der Punkte von Edgar Sosa, Will Vorhees und Josh Young knapp vorne (47:45, 51:48, 56:51, 59:54). Der Glaube an die Sensation wurde größer, vor allem Sosa lief in dieser Phase heiß und traf zwei wichtige Dreier. Ärgerlich für Rasta: Herkenhoff hatte drei freie Dreier in Serie - und traf keinen. Dennoch ging Vechta mit einer 62:59-Führung ins letzte Viertel.

Das 4. Viertel: Nach einem erfolgreichen Mitteldistanzwurf von Center  Sha'Markus Kennedy führte Rasta mit 64:59 - und dann zog Alba die Defense an. Folge: Rasta geriet ins Straucheln und kassierte eine 0:9-Serie zum 64:68. Aber der Underdog ließ nicht locker und ging noch mal in Führung (69:68). Berlin antwortete eiskalt mit einer 6:0-Serie und bestrafte dabei zwei katastrophale Fehlpässe von Sosa und Vorhees. Vechta gab sich allerdings nicht geschlagen. Dreier von  Herkenhoff zum 72:74, Freiwurfpunkte von Christen zum 74:76. Noch zwei Minuten. Alles war noch drin. 14 Sekunden vor Schluss - es stand 79:76 für Berlin - vergab Herkenhoff dann einen Dreier. Kurz danach traf Young zum 78:80, was Albas Marcus Eriksson mit zwei Freiwürfen konterte. 78:82, noch 0,9 Sekunden, Auszeit Rasta. Der letzte Dreier von Vorhees zum 81:82 war schön, aber wirkungslos. 

Drei DBB-Talente unter sich: Rastas Philipp Herkenhoff gegen die Berliner Jonas Mattisseck und Tim Schneider. Foto: SchikoraDrei DBB-Talente unter sich: Rastas Philipp Herkenhoff gegen die Berliner Jonas Mattisseck und Tim Schneider. Foto: Schikora

Rasta Vechta - Alba Berlin 81:82 (42:43)

  • Viertel: 21:14, 21:29, 20:16, 19:23.
  • Punkte Rasta Vechta: Sha'Markus Kennedey (8), Stefan Peno (0), Josh Young (13), Edgar Sosa (19), Philipp Herkenhoff (7), Jannes Hundt (0), Jordan Barnett (4), Björn Rohwer (0), Robin Christen (23), Will Vorhees (7).
  • Punkte Alba Berlin: Peyton Siva (11), Niels Giffey (14), Malte Delow (3), Marcus Eriksson (8), Jonas Mattisseck (3), Tim Schneider (18), Louis Olinde (0), Christ Koumadje (2), Johannes Thiemann (2), Jayson Granger (10), Luke Sikma (1), Ben Lammers (10). 

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