„Es gibt Geschichten, die man hört und die einen sofort berühren – weil sie von etwas erzählen, das in unserer hektischen, schnelllebigen Zeit selten geworden ist: von Beständigkeit, von Treue und von der stillen Kraft der Gemeinschaft.“ Mit diesen Worten begann Goldenstedts Bürgermeister Alfred Kuhlmann seine Laudatio im Osterfeiner Pfarrheim. Was ihn dorthin verschlug? Der Missionskreis Osterfeine um Leiterin Elisabeth Wielenberg wurde auf Vorschlag von Michael Daemen vom Malteser Hilfsdienst aus Goldenstedt mit der „Guten Tat“ ausgezeichnet.
Engagement mit Herzblut und Handkraft
Was ist der Missionskreis Osterfeine und was zeichnet ihn aus? Im April/Mai 1982 fanden sich 17 engagierte Frauen aus Osterfeine zusammen mit einer Vision: Menschen in Not zu helfen. Die Schwester von Elisabeth Wielenberg arbeitete als Steyler Missionarin in Indien unter Armen und Leprakranken und brauchte dringend warme Kleidung, Decken und Reißwickel. Die Frauen sammelten die benötigten Artikel fleißig zusammen. Das war echtes Engagement mit Herzblut und Handkraft.
„In einer Welt, in der manche Projekte nach ein paar Monaten wieder vergessen sind, arbeitet dieser Kreis seit über 4 Jahrzehnten unermüdlich weiter.“
Goldenstedts Bürgermeister Alfred Kuhlmann
Als dieses Projekt durch zunehmende Auflagen seitens der indischen Behörden beendet wurde, fand der Missionskreis Osterfeine eine neue Aufgabe in Argentinien. Und als auch dieses Kapitel sich schloss, traten die Damen 1998 an die Malteser im Offizialatsbezirk Oldenburg heran – und diese Partnerschaft hat bis heute Bestand. „Das ist bemerkenswert. In einer Welt, in der manche Projekte nach ein paar Monaten wieder vergessen sind, arbeitet dieser Kreis seit über 4 Jahrzehnten unermüdlich weiter. Das ist außergewöhnlich“, lobte Alfred Kuhlmann.
Erste Kaffee und Kuchen, dann stricken und sticken
Zur Gemeinschaft: Einmal in der Woche, immer mittwochs, treffen sich die Frauen. Erst gibt es Kaffee und Kuchen, dann wird gemeinsam gestrickt und gestickt und zum Abschluss noch ein Rosenkranz gebetet. „Wer sich so dem Gebet widmet, trägt damit auch zum Gelingen seiner Werke bei – das könnte eines der Geheimnisse Ihres 44-jährigen Erfolges sein. Diese Regelmäßigkeit ist Ihr Kraftquell – darin wächst Vertrautheit, darin entsteht echte Gemeinschaft“, so Goldenstedts Bürgermeister. Was mit 17 engagierten Frauen begann, wird heute von zehn aktiven Mitgliedern getragen. Zehn Frauen, die jede Woche ihre Zeit, ihre Kraft und ihr Herz geben. An der Spitze: Elisabeth Wielenberg, die mit geschickter Hand den Faden der Kontinuität führt und dafür sorgt, dass alle Fäden fest zusammenhängen.
Wolle wird über Spendengelder finanziert
Alfred Kuhlmann führte aus: „Denn aus diesen Treffen sind wunderbare Werke entstanden: Hunderte von Babydecken, Socken, Mützen und Schals – liebevoll gestrickt, sorgfältig verpackt, mit Herz gefertigt. Die Malteser aus Vechta holen diese Arbeiten zweimal jährlich in dicht gepackten Umzugskartons ab – wir sprechen hier von mehr als 20 Kartons pro Jahr!“ Die Wolle für all diese Arbeiten wird ausschließlich von Spendengeldern besorgt.
Kleine Wärmequellen in kalten Zeiten
Alfred Kuhlmann ging auf Mutter Teresas Zitat „Ich kann die Welt nicht ändern, aber ich kann einen Stein ins Wasser werfen und Wellen erzeugen“ ein. „Genau das tut der Missionskreis Osterfeine. Jede Babydecke, jede Socke, jede Mütze – das sind Steine, die ins Wasser geworfen werden. Und die Wellen? Die reichen weit – bis nach Litauen, nach Belarus, in die Ukraine, bis in den Kosovo. 43 Jahre lang, Woche für Woche, Masche für Masche. Kleine Wärmequellen in kalten Zeiten, gestrickt von warmherzigen Frauen aus Osterfeine.“ Der Bürgermeister von Goldenstedt freute sich sehr, den Missionskreis mit der „Guten Tat“ auszuzeichnen: „Eure Kontinuität wird gesehen, eure Gemeinschaft wird geschätzt und eure weltweite Wirkung berührt Herzen in ganz Europa. Danke dafür, dass ihr zeigt, was Zusammenhalt, Ausdauer und Nächstenliebe bedeuten.“
„Die Freude über diese Anerkennung ist enorm. Sie wird uns motivieren, weiterzumachen."
Elisabeth Wielenberg
Alfred Kuhlmann überreichte Elisabeth Wielenberg die Urkunde. Zudem hatte er ein Preisgeld von 100 Euro im Gepäck sowie für jede Dame eine Tüte mit Goldenstedt-Tasse samt Kugelschreiber und Block.
„Wir sind völlig von den Socken. Mit dieser freudigen Überraschung haben wir nicht gerechnet“, sagte Elisabeth Wielenberg. „Die Freude über diese Anerkennung ist enorm. Sie wird uns motivieren, weiterzumachen. Wir machen die Arbeit gerne und haben viel Freude am Zusammensein“, führte Elisabeth Wielenberg aus und erwähnte, dass das Preisgeld – wie sollte es auch anders sein– in den Kauf von Wolle fließe.
Besonderes Engagement im Blickpunkt
Mit der „Guten Tat“ als kreisweiter Aktion vom Goldenstedter Familienbündnis, der Gemeinde Goldenstedt und OM-Medien wird ein besonderes Engagement oder eine ehrenamtliche Hilfestellung in den Blickpunkt gerückt. Schon knapp 200 „Gute Taten“ wurden mit Urkunden und jeweils 100 Euro ausgezeichnet. Wer möchte eine Person oder Gruppe aus dem Landkreis benennen? Bitte schriftlich beim Mehrgenerationenhaus, Stichwort: „Die gute Tat“, Brunkhorststraße 16d in 49424 Goldenstedt mitteilen oder telefonisch unter 04444/204300.