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Wie Stephan Kathe die Vergangenheit bewahrt

„Mensch der Woche“: Der 42-Jährige aus Osterfeine ist Kreisarchivar in Diepholz und fasziniert von der Geschichte.

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Stephan Kathe präsentiert zwei besondere Schätze aus dem Diepholzer Kreisarchiv, die Lehensurkunden aus den Jahren 1474 und 1510 aus der kleinen Ortschaft Dörrieloh. Foto. Dümer

Stephan Kathe präsentiert zwei besondere Schätze aus dem Diepholzer Kreisarchiv, die Lehensurkunden aus den Jahren 1474 und 1510 aus der kleinen Ortschaft Dörrieloh. Foto. Dümer

„Mit dem Blick aus der Zukunft auf die Gegenwart entscheiden, was wichtig ist“, skizziert Stephan Kathe, was genau seine Aufgabe ist. Der 42-Jährige ist seit 2017 Kreisarchivar beim Landkreis Diepholz. Geboren und aufgewachsen in Dinklage ist er seit vielen Jahren mit seiner Familie in Osterfeine zuhause. In der ländlich geprägten Gegend fühlt sich Stephan Kathe sehr wohl und freut sich, dass seine beiden Kinder in einer von viel Natur bestimmten Region aufwachsen dürfen.

Nicht nur verstaubte Akten

Gerade hat er einen großen Stapel mit Veranstaltungsplakaten aus verschiedenen Orten des Landkreises Diepholz bekommen, die gesichtet werden müssen. „Alle können wir leider nicht behalten“, erklärt Kathe. Er müsse entscheiden, welche in den Archivbestand einfließen sollen – und welche nicht. Übrigens laut Kathe ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig seine Aufgabe ist. Es sind längst nicht nur verstaubte Akten, mit denen er sich beschäftigt.

Aus Teilzeit- wird Vollzeitstelle

Als er 2017 zum Landkreis Diepholz kam, hatte der gebürtige Dinklager zunächst nur eine Teilzeitstelle, war außerdem in Teilzeit für das Museum im Zeughaus in Vechta tätig. Das Diepholzer Kreisarchiv befand sich damals in Eydelstedt in ehemaligen Räumen der 2005 geschlossenen Hülsmeyer-Kaserne. Schon im Jahr darauf wurde aus der Teilzeit- eine Vollzeitstelle, mittlerweile gibt es noch einen weiteren
Mitarbeiter.

Archiv-Umzug Anfang 2021

Anfang 2021 zog das Archiv nach Diepholz um, in einen eigens errichteten Neubau direkt neben dem Kreishaus. Der damalige Landrat Cord Bockhop hatte Stephan Kathe als Experten in die Planungen mit einbezogen. Insgesamt finden derzeit rund 3600 laufende Meter Archivgut dort Platz, in einer modernen Rollregalanlage. Dazu kommen rund 3000 Karten, Zeichnungen und Pläne sowie eine mittlerweile circa 11.200 Bände umfassende Spezialbibliothek zur Lokal- und Heimatgeschichte, grundlegende Nachschlagewerke sowie die Verwaltungsbibliothek mit Gesetzestexten, königlichen Verordnungen und weiteren Schriften aus den vergangenen 300 Jahren.

„Die Geschichte hat die beiden Landkreise auf unterschiedliche Weise geprägt.“

Stephan Kathe über die Landkreise Vechta und Diepholz

Das rund 2,1 Millionen Euro teure Gebäude verfügt über eine spezielle Lüftungs- und Klimatisierungstechnik, die für eine konstante Temperatur und Luftfeuchte sorgt. Das sei für den Erhalt der geschichtsträchtigen Dokumente sehr wichtig, so Kathe. Sein Lebenslauf bringt es mit sich, dass er die Menschen beiderseits des Moores kennt. „Die Geschichte hat die beiden Landkreise auf unterschiedliche Weise geprägt“, sagt Kathe, „aber sie kommen sich Stück für Stück näher, zum Beispiel durch die neue Busverbindung!“ Die gibt es von Osterfeine nach Diepholz bislang nicht – und so nutzt Stephan Kathe, wenn das Wetter es zulässt, gerne das Fahrrad für seinen knapp 15 Kilometer langen Arbeitsweg.

Vater Andreas war viele Jahre OV-Redakteur

Das Interesse an der Geschichte wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Vater Andreas – über Jahrzehnte Redakteur und Redaktionsleiter bei der Oldenburgischen Volkszeitung – widmet sich der Geschichte der Region mit großer Leidenschaft.

Engagement für Heimatblätter

Kathe-Junior hat in Münster Mittelalterliche Geschichte, Historische Hilfswissenschaften und Katholische Theologie studiert und seinen Abschluss mit dem akademischen Grad eines Magister Artium gemacht. Für den Landkreis Diepholz kümmert sich Kathe auch um das monatlich erscheinende Heimatblatt. Aber er engagiert sich auch im Team der alle zwei Monate erscheinenden OM Heimatblätter.

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