Ehrenamtliches Engagement und selbstloser Einsatz in außergewöhnlichem Maße: Dafür ist Bernhard Serwuschok aus Vechta nun im Goldenstedter Rathaus mit der „Guten Tat des Monats September“ ausgezeichnet worden. Der Kreisstädter hat unter anderem mehr als 300 Hilfstransporte nach Polen organisiert und durchgeführt. Als Anerkennung dafür erhielt Serwuschok aus den Händen von Goldenstedts Bürgermeister Alfred Kuhlmann und der Mehrgenerationenbeauftragten Kerstin Willenbrink im Beisein von Sebastian Kliesch (Diözesanleiter der Diözesangliederung Oldenburg des Malteser Hilfsdienstes) unter anderem eine Urkunde und den Goldenstedt-Becher.
Erinnerung ans Oder-Hochwasser
Eingangs seiner Laudatio erinnerte Kuhlmann an das Oder-Hochwasser 1997. „Das Hochwasser war die größte bekannte Flut der Oder, Überschwemmungen an den Flussläufen der Oder verursachten im Sommer vor 27 Jahren schwere Schäden in Tschechien, Polen sowie Deutschland und forderten über 100 Todesopfer. Der Sachschaden wurde auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.“ Dieses „Jahrhunderthochwasser“ war die Initialzündung für Bernhard Serwuschok, für seine frühere Heimat ein besonderes Hilfsprojekt zu starten, das bis heute andauert.
Seit 1988 lebt Serwuschok in Vechta
Bernhard Serwuschok wuchs im Dorf Klosterbrück in Oppeln (heute Polen) auf, 1988 kam er mit seiner Familie nach Vechta. „Nach der Oderflut 1997 habe ich mit den Hilfstransporten nach Polen begonnen. Wir waren zu der Zeit vor Ort auf einer Familienfeier. Dort habe ich das ganze Ausmaß der Zerstörung und der Not gesehen. Schnellstmöglich habe ich dann mit der Caritas in Oppeln die Hilfe organisiert“, berichtete Serwuschok in einem OV-Artikel vom 29. Januar 2024.
Strecke kennt er wie seine Westentasche
Am 1. Januar 1998 trat er dem Malteser Hilfsdienst bei. Nach dem ersten durch Spenden finanzierten Transport kamen immer noch weitere Spenden zusammen. Daher entschloss sich der damals 42-Jährige zu weiteren Transporten. Bis heute – mittlerweile also seit 27 Jahren. Die Strecke ins 900 Kilometer entfernte polnische Oppeln kennt Bernhard Serwuschok wie seine eigene Westentasche. 11 Stunden dauert eine Tour. „Ihnen, Herr Serwuschok, bereitet dies neben Strapazen auch viel Freude“, sagte Alfred Kuhlmann und zitierte Serwuschok aus einem OV-Artikel: „Ich kann helfen. Das ist mir das Wichtigste. Der Wohlstand ist längst nicht bei allen angekommen – auch heute nicht. Ich danke allen, die diese Transporte durch ihre Spendenbereitschaft möglich gemacht haben.“
Alfred Kuhlmann führte aus: „Heute ist es an der Zeit, Ihnen, Herr Serwuschok, zu danken und zwar für über 300 von Ihnen organisierte und selbst durchgeführte Hilfstransporte. Darüber hinaus haben Sie zahlreiche Hilfstransporte nach Belarus als Dolmetscher und Helfer begleitet.“ Seit 1990 hat Bernhard Serwuschok ferner die ehrenamtliche Leitung des zentralen Hilfsgüterlagers der Malteser im Offizialatsbezirk Oldenburg inne – zunächst in Vechta, ab Juli 2011 in Lutten. „Dort kümmern Sie sich um die Beladung der zahlreichen Hilfstransporte für Polen, Litauen, Belarus, der Ukraine und den Kosovo“, sagte Kuhlmann. Nicht unerwähnt ließ er Serwuschoks unermüdlichen Einsatz bei der Beschaffung von Hilfsgütern für die Hilfstransporte der Malteser.
Mitgründer der Kosovohilfe
2018 hat Serwuschok die Kosovohilfe der Malteser im Offizialatsbezirk Oldenburg zusammen mit Hetem Misini aus Vechta mitgegründet. Zudem setzt der Geehrte sich auch im Blutspendedienst der Malteser-Stadtgliederung Vechta ein. 2011 wurde Serwuschok mit der Verdienstplakette in Silber durch die Deutsche Assoziation des Souveränen Malteser Ritterordensausgezeichnet.
„Ihr unermüdlicher Einsatz ist inspirierend und verdient unsere höchste Anerkennung.“
„Respekt! Sie sind ein leuchtendes Beispiel für Menschlichkeit und ehrenamtliches Engagement. Ihr unermüdlicher Einsatz ist inspirierend und verdient unsere höchste Anerkennung. In einer Zeit, in der viele von uns mit den Herausforderungen des Alltags beschäftigt sind, haben Sie es sich zur Aufgabe gemacht, anderen zu helfen. Dies hat das Leben vieler Menschen positiv beeinflusst und ihnen Hoffnung gegeben. Hoffen wir, dass Ihr Beispiel viele anregt, ebenfalls aktiv zu werden“, sagte Goldenstedts Bürgermeister und ergänzte: „Vielen Dank für Ihre gelebte Solidarität und Nächstenliebe!“
Welle der Dankbarkeit bei Hilfstransporten
Bernhard Serwuschok freute sich sehr über die Ehrung. „Jede Auszeichnung ist schön, sie zeigt, dass die Menschen sehen, was ich mache. Dafür bin ich dankbar“, sagte Bernhard Serwuschok. Die Hilfstransporte möchte Serwuschok weiter fortführen. „Ich habe in Schlesien gelebt, bin dort zur Schule gegangen und möchte etwas zurückgeben“, beschreibt er seine Motivation. Serwuschok berichtete im Gespräch von der großen Freude und der Dankbarkeit der Menschen, die er bei den Transporten erlebt.
17 Mal die Erde umkreist
Insgesamt 700.000 Kilometer hat Serwuschok bei den Hilfstransporten zurückgelegt und damit von der Entfernung her 17 Mal die Erde umkreist. Etwa 1300 Tage und damit 3 Jahre und 60 Tage war er wegen der Hilfstransporte nicht zu Hause. Und das ist Ehrensache: Das Preisgeld von 100 Euro fließt natürlich in den nächsten Hilfstransport.
Ehrenamtliche Hilfestellung im Blickpunkt
Mit der „Guten Tat“ als kreisweiter Aktion vom Goldenstedter Familienbündnis, der Gemeinde Goldenstedt und der OM-Mediengruppe wird ein besonderes Engagement oder eine ehrenamtliche Hilfestellung in den Blickpunkt gerückt. Schon über 170 „Gute Taten“ wurden mit Urkunden und jeweils 100 Euro ausgezeichnet. Jeweils am Ende eines Kalenderjahres wird die „Gute Tat des Jahres“ honoriert – feierlich übergeben wird dann ein Preisgeld von 500 Euro. Wer möchte eine Person oder Gruppe aus dem Landkreis benennen? Bitte schriftlich beim Mehrgenerationenhaus, Stichwort: „Die gute Tat“, Brunkhorststraße 16d in 49424 Goldenstedt mitteilen oder telefonisch unter 04444/204300.