Wenn Monika Thölking an ihrem PC sitzt und mit Daten und Tabellen spielt, spürt man sofort, dass sie in ihrem Metier ist. Mit dem Genealogieprogramm Gen-Pluswin erarbeitet sie seit einigen Jahren Stammfolgen für Familien und geht im Hobby Familienforschung vollkommen auf. „Manchmal sitze ich schon morgens nach dem Frühstück vor dem Bildschirm und komme den ganzen Vormittag nicht davon weg“, schwärmt die 77-jährige Holdorferin von ihrer großen Leidenschaft. Für zahlreiche Familien in den Landkreisen Vechta und Osnabrück hat sie schon Stammfolgen erarbeitet, viele tausend Namen eingegeben, in den Archiven und Kirchenbüchern gestöbert und im Internet geforscht. Damit hat sie sich unter den Familienforschern in der Region einen Namen gemacht, gehört einem Netzwerk von nationalen und internationalen Fachleuten an.
Großes Interesse an Geschichte
Wie sie zu diesem zeitaufwändigen Hobby kam, weiß sie noch ganz genau: „Ich war nicht unbedingt eine gute Schülerin, aber Geschichte war mein absolutes Lieblingsfach. Diese Affinität habe ich nie verloren“, blickt sie zurück. Hinzu kommt ein großes Interesse an den Menschen, berichtet sie, an deren Sozialisation und an den Beweggründen für persönliche Entscheidungen an den Weggabelungen des Lebens.
Biographien der Auswanderer
Biographien der Auswanderer „Gepackt haben mich dabei vor allem die Biographien der vielen Amerika-Auswanderer im 19. Jahrhundert.“ Dieses Interesse hat dazu geführt, dass Monika Thölking schon mehrere Male in Amerika war und auch heute noch enge Verbindungen nach Ohio oder Minnesota pflegt. Viele Nachfahren der damaligen deutschen Auswanderer leben in diesen Bundesstaaten und auch sie interessieren sich für die Geschichte ihrer Vorfahren. So kommen die Kontakte nach Deutschland zustande.
„Das Katholische war das Verbindende“
Aus Meire Grove, einer Kleinstadt in Minnesota, waren schon mehrfach US-Bürger zu Besuch in Holdorf. Sie möchten die Geburtsstätten ihrer Vorfahren sehen, die sich damals vor allem im 19. Jahrhundert auf den Weg über den „großen Teich“ gemacht haben. Unter den Auswanderern befanden sich unter anderem damals auch die Brüder Hermann und Heinrich Meyer, die auf dem fremden Terrain als Gründer der Ortschaft Meire Grove gelten. Aufgrund des gemeinsamen katholischen Glaubens schlossen sich ihnen einige südoldenburger Familien an. Monika Thölking: „Das Katholische war ein starkes Element beim Zusammenleben.“
Das Stöbern in alten Kirchenbüchern, die Familiengeschichten, die sich hinter den dort gefundenen Daten verbergen: Keine wirtschaftliche Zukunft, früh gestorbene Ehepartner, uneheliche Kinder und furchtbare Einzelschicksale – die Gründe, warum Familien zerstört werden, können grausam sein. „Und das war früher schlimmer als heute, weil die Verbindungen dann komplett gekappt wurden“, macht Monika Thölking klar. „1 bis 2 Briefe pro Jahr – das war das Einzige, was den Angehörigen von ihren Liebsten blieb.“
Eine ihrer Vorfahren war Bierbrauer in Cincinnati
In die Geschichte ihrer Vorfahren ist die Holdorferin schon vor vielen Jahren tief eingetaucht, als sie die Geschichte der Familie Hüdepohl aufarbeitete. Im Rahmen ihrer Forschung trat zu Tage, dass im 19. Jahrhundert Ludwig Hüdepohl von Rieste nach Ohio auswanderte und dort in Cincinnati einige Jahre später ein Spirituosengeschäft eröffnete. Daraus entstand eine Bierbrauerei, die es unter der Firmierung „Hudepohl Brewery“ heute noch gibt.
Monika Thölking gilt als Expertin auf ihrem Fachgebiet: Vor einigen Heimatvereinen im Kreis Vechta und im Artland hat sie im Rahmen von Vorträgen bereits von ihren Erfahrungen und ihren Forschungsergebnissen berichtet. Im Heimatverein Holdorf ist sie für Interessierte Ansprechpartnerin für den Bereich Familienforschung.
Die Holdorferin schaute schon immer gerne über den Tellerrand ihrer Umgebung und ist seit jeher vielseitig interessiert. Viel rumgekommen ist sie auf jeden Fall. Nach der Ausbildung zur Kinderpflegerin wagte sie schon früh ihre erste Reise über den großen Teich und lebte schon 1966/67 in Amerika. Als sie einige Zeit auf Borkum arbeitete, lernte sie ihren späteren Mann kennen, der auf der Insel stationiert war. Mit ihm zog sie nach ihrer Hochzeit nach Wanne-Eickel ins Ruhrgebiet. Von dort ging es nach Ibbenbüren, nach der Geburt ihrer Tochter begann sie in Osnabrück das Studium der Erziehungswissenschaften, das sie erfolgreich abschloss.
Danach verlegte sie ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt nach Osnabrück. Seit einigen Jahren lebt die heutige Rentnerin wieder in ihrer Heimatgemeinde Holdorf, stöbert nach Namen und Fakten in ihrem Computer und geht in ihrer freien Zeit gerne mal wandern oder einfach spazieren. So wohl sie sich in Holdorf auch fühlt, so gerne ist sie auch „auf Achse“: An der ersten Stelle ihrer Hobbies steht immer noch das Reisefieber und das Fernweh. Nachdem sie schon vor rund 15 Jahren einige Zeit als „Senior-Praktikantin“ des diakonischen Werkes in Südafrika verbrachte, geht es im Herbst erneut für einige Wochen zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn dort hin. Darauf freut sie sich schon heute.