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Stoppelmarkt: Auf einen Kaffee mit Marktmeister Jens Siemer

Zusammen mit seinem Team organisiert er das größte Volksfest in der Region, den Stoppelmarkt. Ohne ein echter Westerheide-Fan zu sein, ginge das aber nicht, sagt der 42-Jährige.

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Foto: Schlemm

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Als gebürtiger Calveslager bringt Jens Siemer diese Eigenschaft aber auf jeden Fall mit. Im lockeren Plausch vor der Eisdiele Dolce Vita, bei einem üppigen Früchtebecher und einem Latte Macchiato, stand der Marktmeister Rede und Antwort.

Hand aufs Herz, Herr Siemer: Wie vielen Menschen mussten Sie in den letzten Wochen und Monaten die eine Frage beantworten: „Und, findet der Stoppelmarkt statt?“
Im privaten Umfeld kamen die Fragen seit dem Frühjahr immer häufiger. Bei den Entscheidern in der Stadtverwaltung begannen die Überlegungen schon früher. Um den Jahreswechsel kamen wir zu dem Schluss, dass in diesem Jahr ein Neustart stattfinden muss. Nicht nur in Vechta: Die Tradition der Volksfeste steht auf dem Spiel. Das war in Vechta nicht anders als in München oder Stuttgart.

Haben die Besucher denn überhaupt noch mit Einschränkungen zu rechnen?
Stand heute, nicht. Dass es kurzfristig immer noch zu Auflagen kommen kann, ist beim aktuellen Geschehen trotzdem möglich.

Thema Schausteller: Wie geht’s der Branche nach mehr als zwei Jahren Pandemie?
Das war schon eine harte Zeit für die Schausteller, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional und sozial. Sie hatten von jetzt auf sofort keine Aufgabe mehr und bei ihnen brach auch das soziale Miteinander komplett weg. Es ist wichtig, dass die Branche jetzt wieder in die Spur kommt.


Das Interview ist in der aktuellen Ausgabe der PROMENADE erschienen. Diese liegt an den bekannten Stelle aus.


Als gebürtiger Calveslager gehört der Stoppelmarkt quasi zu Ihrer DNA. Da kann man diesen Job doch nicht nur als Job sehen, oder?
Tja, ein bisschen verrückt muss man dafür schon sein. Ich will mal sagen „positiv verrückt“. Man muss kommunizieren können und auch vor unangenehmen Entscheidungen nicht zurückschrecken. Aber man braucht auch ein dickes Fell, denn die Branche ist nicht nur zartbesaitet und akzeptiert Entscheidungen nicht sofort und ohne Kritik.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie sehr freuen Sie sich auf den Stoppelmarkt?
In diesem Jahr kann diese Skala gar nicht hoch genug sein. Die Vorfreude ist groß, und wenn die ersten Böllerschüsse zu hören sind, lässt auch bei mir die Anspannung etwas nach: Alles läuft an, alles ist auf dem Weg! Und wenn dann die Fahrgeschäfte, die wir zusammen mit dem Ausschuss ausgesucht haben, angenommen werden, ist das ein gutes Gefühl.

Foto: Tom Bayerstock.adobe.deFoto: Tom Bayer/stock.adobe.de

Feiern Sie auch selbst mit?
Nein, da wäre ich nicht gut beraten! Das war mir von vornherein klar, als ich den Job vor zehn Jahren übernahm.

Was glauben Sie: Hat den Menschen hier in den vergangenen zwei Jahren etwas gefehlt?
Im ersten Jahr stand die Pandemie im Vordergrund, im zweiten wurde die Sehnsucht nach Veranstaltungen größer. Wir wollten im letzten Jahr aber kein Fest mit so vielen Abstrichen und Einschränkungen. Es wäre einfach nicht der Stoppelmarkt gewesen, so wie die Menschen ihn kennen. Ich stehe auch heute noch dazu: Es war wichtig und richtig, wie entschieden wurde. Jetzt gibt es andere Voraussetzungen und es wird Zeit, dass wir wieder durchstarten. Gerade in der jetzigen aktuellen Situation mit dem schrecklichen Krieg und den damit verbundenen Unsicherheiten brauchen die Menschen auch einfach mal etwas Abwechslung und Fröhlichkeit. Diese Aufgabe können auch Volksfeste wie der Stoppelmarkt ausfüllen. Ein Volksfest ist für alle da!

Wenn Sie fünf Begriffe zur Verfügung hätten, einem Fremden den Stoppelmarkt zu erklären, welche Begriffe wären das?
Südoldenburg, Tradition, Lebensfreude, Spaß, Geselligkeit. Was den Stoppelmarkt ausmacht, ist für die Menschen das Treffen von Freunden, das Miteinander und das Gesellige. Die Menschen hier können hart arbeiten, aber wollen dann auch mal ausgelassen feiern.

Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil ist der Festredner auf dem Montagsempfang der Stadt. Was erwarten Sie von ihm?
Man muss als Festredner die „Halle rocken“ können, das ist das Entscheidende. Und - wie wir aus der Vergangenheit wissen - kann das nicht jeder oder jede gleich gut. Ich bin zuversichtlich, dass Herrn Klingbeil das gelingen wird.

Beginnt jetzt für Sie die „heiße Phase“ der Organisation?
Man kann fast plakativ sagen „Stoppelmarkt ist immer“, die Vorbereitungen für ein Fest dieser Größenordnung dauern mindestens eineinhalb Jahre. Zum Stoppelmarkt 2023 laufen fast schon die Ausschreibungen. Um auch mal andere Akzente zu setzen, möchten wir gerne mal für Abwechslung sorgen. Und für stark nachgefragte Fahrgeschäfte braucht man dann mehr Vorlauf.

Wir wünschen einen schönen Stoppelmarkt und danken Ihnen für das Gespräch. Das Interview führte Elisabeth Wehring.


Die aktuelle Ausgabe zum Durchblättern:

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