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Garreler feiert heute "seinen" Nylon-Tag

Am 15. Mai 1940 stürmten Tausende Frauen Kaufhäuser in den USA. Sie wollten das neueste Produkt ergattern: den Nylonstrumpf. Ein Garreler verbindet mit dem Strumpf besondere Erinnerungen.

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Symbolfoto: dpa/Kumm

Symbolfoto: dpa/Kumm

Einen Hype, den heutzutage nur ein neues iPhone-Modell auslöst, gab es Ende der 30er um die Erfindung einer leichten, aber äußerst widerstandsfähigen stickstoffhaltigen Kunstfaser: Der Chemiekonzern DuPont hatte soeben auf der New Yorker Weltausstellung den Prototypen seines Nylonstrumpfes vorgestellt.

Am 15. Mai 1940 stürmten Tausende Frauen die Kaufhäuser US-amerikanischer Städte. Sie wollten die neueste Errungenschaft der Textilindustrie ergattern: Nylonstrümpfe. Die vielen Frauen mussten vor den Ladeneingängen von der Polizei in Schach gehalten werden, drinnen prügelte man sich zwischen den Regalen um die Ware. Fast eine Million Nylons wurden an diesem Tag verkauft. Der 15. Mai 1940 geht deshalb als "N-Day" in die Geschichte ein.

Nach 400 Vorschlägen stand der Name Nylon fest

Nylon wird 1935 in den USA von der Firma DuPont entwickelt. Der Harvard-Absolvent Wallace Hume Carothers hatte 7 Jahre daran gearbeitet. Doch wie sollte die neue Kunstfaser heißen? Carothers nennt seine Entwicklung "Faser 66". DuPont aber ist das zu unsexy. Ein einberufenes Namenskomitee macht zu jener Zeit mehr als 400 Vorschläge, bis man sich schließlich auf Nylon einigt.

Seine ganz eigene Geschichte verbindet auch ein Garreler (Name ist der Redaktion bekannt) mit dem Nylon. Er berichtet: "Ab April 1959 kam ich fast täglich mit dieser Materie in Verbindung, die mich für viele Jahre meines Lebens begleiten sollte. Bedingt durch den Einstieg in die Lehre des Textilgeschäftes war es notwendig, täglich weiße Nylon-Hemden zu tragen.

Lehrzeit bei C. A. Thole in Cloppenburg

Während meiner Lehrzeit bei C. A. Thole in Cloppenburg hatte ich fast täglich mit Nylon zu tun: Sei es mit Hemden, Strümpfen oder Gardinen. Nylon war der Renner. So gab es in der Lange Straße 4 die so genannte Strumpfecke. Oft musste ich dort Nylon-Strümpfe abholen, die dort von Fachkräften ,geflickt' wurden. Denn durch die Unachtsamkeit vieler Frauen waren auch an den schönsten Beinen Laufmaschen entstanden.

Auch nach meiner Lehrzeit in Cloppenburg ging meine Geschichte weiter: In den Jahren 1962/1963 wurde ich im Textilhaus Ahlert in Dülmen fast wöchentlich von ,Ihrer königlichen Hoheit' Prinzessin von Croÿ nach Nylon-Strümpfen gefragt, obwohl ich nur in der Herrenab-teilung tätig war.

Kurz darauf war ich in den Jahren 1964 bis 1966 wieder nach Cloppenburg zum Textilhaus Werrelmann gewechselt. Dort begann 1965 das Schaulaufen einer bildhübschen, eleganten, jungen Dame. Fast täglich erschien sie in der Mittagszeit in meiner Nähe. Immer kaufte sie in der Strumpfabteilung ein Paar Nylon-Strümpfe für damals 99 Pfennig. Auch für meine Kolleginnen und Kollegen war sie ein Rätsel. Doch bald erfuhren wir, dass sie aus Garrel kam und als Hausdame im Hotel „Walhalla“ angestellt war. Schon bald waren sich alle einig: Sie war das schönste Mädchen im Kreis Cloppenburg. Keiner wusste, warum sie fast täglich kam, um ein Paar Nylon-Strümpfe zu kaufen. Ich aber sollte es etwa fünf Jahre später erfahren.

Die Verbundenheit mit diesem Kleidungsstück blieb ein Leben lang

1966 zog mich mein Schicksal nach Garrel, wo ich schon bald dieses besondere Mädchen kennen lernen durfte. Ich war mittlerweile verheiratet und kurze Zeit später heiratete auch sie. Durch geschäftliche Beziehung, aber auch privat, trafen wir oft zusammen. Nach rund fünf Jahren offenbarte sie mir, weshalb sie in unserer Jugend fast täglich ein Paar Nylon-Strümpfe kaufen musste: In einer Unterhaltung gestand sie mir, dass sie zu der Zeit in mich verliebt gewesen war. Die Sehnsucht hatte sie getrieben, um mich zu sehen. Mit großem Erstaunen erfuhr ich dann, dass sich 180 Paar Nylon-Strümpfe in ihrem Schrank angesammelt hatten.

Natürlich war dies noch nicht das Ende meiner Erfahrung, denn ein Nylon-Strumpf war einst große Hilfe. Bei einer Autofahrt 1972 mit dem Austin Morris war am Motor ein Keilriemen zum Kühler gerissen. Mit einem Strumpf als Ersatz konnte ich aber die Fahrt fortsetzen.

Die Verbundenheit mit dem Nylonstrumpf blieb, ich fing an, meine Geschichte niederzuschreiben. Der 15. Mai ist für mich bis heute geprägt als der Tag des Nylon-Strumpfes."

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