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Zwei Höfe im Kreis Vechta öffnen ihre Tore

Wie funktioniert Direktvermarktung in der Landwirtschaft? Das haben Familie Böckmann in Damme und Christian Rolfes in Bakum-Harme den Besuchern beim "Tag des offenen Hofes" gezeigt.

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Anne Böckmann und Christian Wehe bieten in Damme ihr Fleisch direkt ab Hof an. Foto: Röttgers

Anne Böckmann und Christian Wehe bieten in Damme ihr Fleisch direkt ab Hof an. Foto: Röttgers

Der "Tag des offenen Hofes“ hat am Sonntag zahlreiche Interessierte zu zwei Direktvermarktern im Landkreis Vechta geführt. In Damme begrüßte die Familie Böckmann die Besucher, während in Bakum-Harme Christian Rolfes seinen Hof präsentierte.

Am Anfang war der Hof Böckmann ein kleiner, landwirtschaftlicher Familienbetrieb mit rund 25 Hektar Nutzfläche, der zu den alteingesessenen Höfen im Dammer Osten gehörte und inzwischen seit mehreren Generationen betrieben wird. Anne Böckmann führt mit ihrem Lebensgefährten Christian Wehe ihren landwirtschaftlichen Betrieb mit Schweinemast und Ackerbau. Neu ist, dass sie ihr Schweinefleisch direkt vermarkten.

"Wir mussten ganz neu denken."Anne Böckmann, Landwirtin & Direktvermarkterin

"Als kleiner Betrieb mit bis zu 50 Rindern und rund 560 Schweinemastplätzen haben wir in der Abhängigkeit von großen Schlachtbetrieben keine Zukunft mehr und haben uns für einen unabhängigen Weg inmitten der Pandemie entschieden“, sagte Böckmann. "Wir mussten ganz neu denken“, so die Landwirtin. Unter dem Label „Heimatesser“ startete Familie Böckmann die Direktvermarktung, mit der sie auf die Region und Nachhaltigkeit setzt unter dem Motto: "Lieber bei Anne als bei Aldi kaufen!“

Wie funktioniert diese Direktvermarktung? "Wir bieten Fleisch aus der Region an und legen Wert auf Frische und Qualität“, sagte Böckmann, der das Tierwohl ebenfalls wichtig sei. "Denn unsere Schweine sind in Deutschland geboren, aufgewachsen, gemästet und werden auch hier geschlachtet und zerlegt“, erläuterte sie. "Wir sind darüber hinaus auch noch extrem regional. Unsere Ferkel kommen aus Norddeutschland, unsere Duroc-Ferkel sogar aus dem Nachbardorf.“ Das Futter komme größtenteils aus der Region und der Schlachter wohne im Ort. Dieses bedeute im Hinblick auf den Umwelt- und Klimaschutz kurze Transportwege für die Tiere, ebenso für alle Betriebsstoffe.

Die Ställe sind laut Initiative Tierwohl (ITW) zertifiziert, was neben der Einhaltung der Qualitätssicherheits-Kriterien 10 Prozent mehr Platz in den Ställen, ausreichend Tageslicht und ständige Gabe von Raufutter bedeute. "Wir haben freiwillig die Buchten für die Tiere vergrößert, so dass diese mehr Bewegungsfreiheit haben“, betonte Böckmann. "Ein Großteil unserer Tiere kann aus offener Wasserfläche trinken, andere haben unkupiert mit Ringelschwänzen ihren Weg zu uns gefunden“, gab die Landwirtin Einblicke in ihre Hofpraxis.

Auf dem Hof Rolfes wird Rindfleisch direkt vermarktet

Die Familie Rolfes in Bakum-Harme hat sich auf die Direktvermarktung von Rindfleisch spezialisiert. Auf dem Hof werden laut Christian Rolfes 250 Bullen der Rasse Limousin aufgezogen. Das Fleisch der in Frankreich weit verbreiteten Rasse besteche durch seinen besonderen Geschmack. Die Besucher konnten die Tiere in einigen offenen Ställen beobachten. Die Rinder ließen sich von den Besuchern nicht stören und verhielten sich ruhig. Das sei eine Charakterart der Tiere, sagte Rolfes.

Sie würden zum Teil mit Futter von eigenen Flächen und mit zugekauftem Futter versorgt. Laut Rolfes leben sie etwa 18 bis 20 Monate, bis sie schlachtreif sind und mit bis zu 500 Kilogramm Gewicht beim Schlachter abgeliefert werden. 20 Bullen werden demnach extra für die regionalen Wochenmärkte aufgezogen und von der Bakumer Landschlachterei geschlachtet, die übrigen werden auf dem freien Markt verkauft.

Christian Rolfes zieht Bullen der französischen Rasse Limousin auf und hat sich auf deren Direktvermarktung spezialisiert. Foto: RosenbaumChristian Rolfes zieht Bullen der französischen Rasse Limousin auf und hat sich auf deren Direktvermarktung spezialisiert. Foto: Rosenbaum

Das Fleisch verkauft Rolfes selbst auf den Wochenmärkten in Diepholz, Vechta, Lohne, Dinklage und Quakenbrück. Auf dem Hoffest wurde eigens ein Wochenmarkt veranstaltet. Dort konnten Pflanzen, Biosäfte, Kräuter und diverse andere Spezialitäten sowie das Bakumer Rindfleisch erworben werden. Außerdem boten Kunsthandwerker ihre Produkte an. Die Modellbaufreunde Lohne stellten aus und der Bakumer Bogenschützenverein lud ein, das Bogenschießen auszuprobieren.

Der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Vechta, Dr. Friedrich Willms, lobte die "tolle Organisation“ des Hoffestes. Die Familie Rolfes habe dabei keine Mühen und Kosten gescheut, sagte er. Er sei sehr stolz, dass in Bakum und in Damme zwei Betriebe des Landvolks Vechta ihren Hof für den "Tag des offenen Hofes“ der Öffentlichkeit präsentierten. Dies sei eine gute Möglichkeit, Landwirtschaft den Menschen näherzubringen.

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