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Wolfgang Wiese tritt nicht wieder an

Cloppenburgs Bürgermeister macht nach 19 Dienstjahren den Weg frei für eine Neuwahl im nächsten Herbst. Nun beginnt für die Parteien die Suche nach möglichen Nachfolgern.

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Ende aller Spekulationen: Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese stellt sich nicht erneut zur Wahl.   Foto: Kreke

Ende aller Spekulationen: Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese stellt sich nicht erneut zur Wahl.   Foto: Kreke

Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese hat allen Spekulationen ein Ende gesetzt: Der 62-jährige Spitzenbeamte der Stadt Cloppenburg strebt keine vierte Kandidatur an und verzichtet auf eine erneute Bewerbung in der CDU zur Wahl im Herbst nächsten Jahres. Das hat der seit 19 Jahren amtierende Bürgermeister am Montag seinen führenden Mitarbeitern und dem am Nachmittag tagenden Verwaltungsausschuss mitgeteilt.

Wiese zerstreute damit endgültig alle Gerüchte, er strebe eine vierte Amtszeit an. Solche Mutmaßungen waren ins Kraut geschossen, weil der Amtsinhaber der CDU auch parteiintern lange keine Aussage zu seinen Plänen traf. Nach der Kommunalverfassung darf ein Kandidat bis zum 65. Lebensjahr zur Bürgermeisterwahl antreten und volle acht Jahre amtieren.

Der aus Garrel stammende Architekt und Stadtplaner, der in Hannover studierte und in Stuttgart promovierte, hatte sich zunächst als Planungsdezernent in der Stadtverwaltung für ein politisches Amt empfohlen. Nominiert von der CDU, wurde er 2001 mit 68,36 Prozent der Stimmen zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister Cloppenburgs nach dem Krieg gewählt.

Nun steht die Nachfolge-Frage an

In den Parteien ist jetzt das Startsignal gefallen, sich um Personalvorschläge zu bemühen. Nach Informationen der Redaktion stehen nach der Absage von Stadträtin Petra Gerlach, die in Delmenhorst als Oberbürgermeisterin kandidiert, mindestens auch zwei Frauen auf den „Wunschzetteln“ der Cloppenburger Parteien. Personalgespräche sind jedoch offenbar bisher noch nicht geführt worden, weil die CDU Wieses Entscheidung abgewartet hat und die Opposition bislang nicht wusste, gegen wen sie antreten wird. „Was hätte ich den Leuten denn sagen sollen?“, erklärte ein führender Oppositionspolitiker.

Den Unabhängigen könnte die Rolle des „Königsmachers“ zufallen, vor allem, wenn die UWG keine(n) eigene(n) Bewerber(in) aufbieten sollte. Denn sowohl für die CDU wie für SPD und Grüne sieht nach den bisherigen Mehrheiten nicht so aus, als ob sie im Alleingang einen Personalvorschlag durchsetzen könnten: Ein Zweckbündnis liegt nahe, obwohl am Ende allein die Wähler direkt entscheiden – vermutlich am selben Tag, wenn der Bundestag 2021 neu gewählt wird. Im Gespräch ist der September.


Das Rennen kann beginnenKommentar von Hubert Kreke (Reporter):

Mit seiner Entscheidung, sich nicht erneut um eine Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters zu bewerben, hat Dr. Wolfgang Wiese den Weg für einen Neuanfang in Cloppenburg freigemacht, der dieser Stadt gut tun kann, obwohl Cloppenburg nicht schlecht dasteht. Der CDU erspart Wiese zugleich eine parteiinterne Auseinandersetzung. Denn unabhängig davon, wie die Parteimitglieder Wieses Amtszeit und Leistung bewerten, wäre es den Wählern schwer zu vermitteln, warum sie noch einmal einen Kandidaten unterstützen sollen, der übers Rentenalter hinaus die Schlüsselposition im Rathaus besetzt. Ja, es wird Zeit für einen neuen und jüngeren Bürgermeister, nicht weil Alter und Erfahrungen nicht zählten, sondern weil die Stadt nach einer so langen Dominanz einer Führungsfigur frische Impulse benötigt. Allein mit der Abarbeitung sich aufdrängender Pflichtaufgaben wird Cloppenburg den Anschluss nicht halten können. Ein überzeugender Neuerer aus den Reihen der CDU als stärkster Fraktion und Partei in Cloppenburg ist allerdings bisher nicht in Sicht. Eine personelle Ersatzlösung, die keine Aufbruchstimmung verbreitet, wird nicht ausreichen. Denn die Wahl-Beispiele aus der Nachbarschaft zeigen: Nach langen (be)herrschenden Mehrheiten bevorzugen die Wähler einen pragmatischen Fachmann oder eine Fachfrau, die offen und wach neue Ideen und aufgeschobene Defizite angeht, Bürgeranliegen klar beantwortet und Zukunftsaufgaben als Teamplayer löst: Menschen begeistert und ins Boot holt – das wird die Herausforderung. Cloppenburg kann das. Angesichts des großen und vielfältigen ehrenamtlichen Engagements in der Stadt liegt noch immer ein großes Potenzial brach. Ein neuer Bürgermeister, eine neue Bürgermeisterin könnte diesen Schatz für eine überzeugende und mitreißende Agenda nutzen.


Fakten:

  • Wolfgang Wiese, geboren am 6. Oktober 1957, wuchs in Garrel auf, wo sein Vater als Gemeindedirektor amtierte.
  • Nach dem Abitur in Cloppenburg 1977 studierte er Architektur und Stadtplanung in Hannover und arbeitete in einem Bremer Planungsbüro.
  • 1991 promovierte Wiese an der Universität Stuttgart.
  • Im selben Jahr wurde er Baudezernent in Cloppenburg.1993 wurde er stellvertretender Stadtdirektor.
  • Mit 68,36 Prozent der Stimmen wurde er 2001 zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Nachkriegszeit in Cloppenburg gewählt.
  • In zwei Wiederwahlen behauptete er sich, zuletzt am 25. Mai 2014 mit 52,60 Prozent der Stimmen.

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