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Wie kann die Oberschule Dinklage ihr Profil schärfen?

Im Ausschuss werden mögliche Kooperationen mit Sportverein oder der Musikschule vorgestellt. Auch, um den schwach besetzen gymnasialen Zweig zu stärken. SPD-Mann Blömer geht die Diskussion zu schnell.

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An der Oberschule ist Platz für mehr als 500 Schüler - doch zu wenige besuchen den gymnasialen Zweig. Foto: Scholz

An der Oberschule ist Platz für mehr als 500 Schüler - doch zu wenige besuchen den gymnasialen Zweig. Foto: Scholz

Es ist mittlerweile schon mehr als 7 Jahre her: Zum 1. August 2013 wurde aus der ehemaligen Realschule und Hauptschule die Oberschule Dinklage mit gymnasialem Zweig. Die Freude darüber war groß bei vielen Politikern, schließlich hatten sie lange für den gymnasialen Charakter der Schule gekämpft. Als 2019 zum ersten Mal in Jahrgang 5 eine Gymnasialklasse mit gleich 18 Schülerinnen und Schülern startete, war die Hoffnung in der Politik und bei der Stadtverwaltung groß, den gymnasialen Zweig zukünftig zu stärken.

Allerdings meldeten schon ein Jahr später wieder deutlich weniger Eltern ihren Nachwuchs für den gymnasialen Zweig an. Die Anmeldezahlen im gymnasialen Zweig entwickeln sich nicht so, wie es bei der Gründung der Oberschule erhofft wurde. Aktuell besuchen von den 512 Schülern der Oberschule nur 64 den gymnasialen Zweig. Dort besteht der aktuelle Jahrgang 5 aus einer Mini-Klasse mit 10 Schülern. Das hatte die Landesschulbehörde angemahnt. Sie fordert 27 Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang an einer solchen Einrichtung. Bei 20 Jugendlichen sei die Behörde noch tolerant, hatte Hauptamtsleiter Alfons Echtermann im vergangenen Jahr erklärt. Doch seien 10 Schüler problematisch.

Die Situation des gymnasialen Zweigs im Speziellen und der Oberschule im Allgemeinen waren die Grundlage für eine 90-minütige Diskussion im Schulausschuss und der Frage: Wie kann der gymnasiale Zweig gestärkt werden? Wie kann die Bildungseinrichtung überhaupt ihr Profil schärfen? Wie soll die Gesamtausrichtung aussehen, um der Oberschule ein Alleinstellungsmerkmal im Landkreis Vechta zu verpassen? 


Schülerzahlen: 

  • Oberschule (Klassen 5 und 6):  121 Schüler
  • Gymnasialzweig (Klassen 5 – 10):  64 Schüler
  • Realschulzweig (Klassen 7 – 10):  185 Schüler
  • Hauptschulzweig (Klassen 7 – 10):  142 Schüler

Gymnasialzweig:

  • Jahrgang 5: 10 Schüler
  • Jahrgang 6: 19 Schüler
  • Jahrgang 7: 8 Schüler
  • Jahrgang 8: 11 Schüler
  • Jahrgang 9: 10 Schüler
  • Jahrgang 10: 6 Schüler

Der Ausschuss-Vorsitzende Florian Hinxlage (Bürgerforum) fasste die Gespräche einer Arbeitsgruppe aus Politik und Verwaltung so zusammen: Die Oberschule benötige dringend "eine adäquate, zeitnah umsetzbare, interessante und vor allem finanzierbare und attraktive Lösung". Durch neue Konzepte soll dabei erreicht werden, dass sich Eltern und Kinder bewusst für die Oberschule entscheiden. Neben guten Haupt- sollten auch Realschüler die Möglichkeit haben, auf den gymnasialen Zweig zu wechseln, ohne die Schule zu verlassen, ergänzte Hauptamtsleiter Echtermann.

Er nannte die Themen Sport und Musik, "zwei Pfunde, mit denen die Stadt Dinklage wuchern kann". Schulleiter Axel Krämer nannte es wichtig, auch in den Naturwissenschaften etwas zu machen. Gleichzeitig mahnte er: Die Schule müsse sich auf ein, zwei Konzepte konzentrieren. Und: Das Kollegium müsse bei all dem mitspielen, dies geschehe nicht von heute auf morgen. Dazu kommt: Was hat eigentlich der neue Schulleiter vor, der noch gesucht wird? SPD-Mann Markus Blömer ging die Debatte schon viel zu weit. "Wir reden über Konzepte, haben noch nicht einmal eine neue Schulleitung."

Ist der gymnasiale Zweig der Oberschule gefährdet?

"Nein", betont der kommissarische Schulleiter Axel Krämer. Die Oberschule habe ein sp flexibles System, dass immer die Möglichkeit bestehe, Gymnasialschüler zu beschulen. Krämer räumte aber auch ein: "Natürlich wäre es schön, wenn jeder Gymnasialjahrgang 20 Schüler hätte." Hat er, mit Ausnahme des jetzigen Jahrgangs 6, indes nicht. Die Schülerzahlen in den anderen Jahrgangsstufen pendeln sich bei 8 bis 10 Schülern ein.

Die Befürchtung, der gymnasiale Zweig könnte nach 7 Jahren bereits wieder ein Ende finden, hat Hauptamtsleiter Echtermann im Gegensatz zum vergangenen Herbst nicht mehr. Denn auf der zuständigen Dezernentenstelle in der Landesschulbehörde habe es einen Personalwechsel gegeben. Die Signale seien nun ein wenig entspannter. Dennoch sei klar: Die Schule müsse sich weiterentwickeln – auch, um mögliche Kombiklassen der Jahrgänge 5 und 6 zu vermeiden.

Wie kann der Sport gestärkt werden?

Mit dem Turnverein Dinklage (TVD) als Nachbarn kooperiert die Oberschule eng. Dies  könnte intensiviert werden. In einem Profilfach Sport könnte es neben den 2 üblichen Wochenstunden noch bis zu 4 zusätzliche Stunden Sport geben. Angeboten werden könnten Trendsportarten (Klettern, Parcours, Fitness, Gesundheit), Fußball als Schwerpunktsportart oder begleitende Projekte wie "Bewegte Schule" und "Fit fürs Leben". Möglich sind Ausbildungen im Fußball-Bereich, in der Ersten Hilfe und dem Schulsanitätsdienst.

In Vorbereitung auf den beliebten Leistungskurs Sport am Gymnasium Lohne sind Berufspraktika im Bereich "Sport und Wirtschaft" oder "Sport im Gesundheitswesen" denkbar. Dabei gibt es Kooperationen mit Sportvereinen, Fitness- und Gesundheitsanbietern sowie der Sportregion Oldenburger Münsterland, dem Kreissportbund Vechta und anderen Fachverbänden. Björn Lipfert vom TVD betonte: Wichtig sei die enge Zusammenarbeit mit den Grundschulen. Schon dort sollte es AGs und Talentfördergruppen geben.

Was würde eine Zusammenarbeit mit der Musikschule bedeuten?

Bei einer Zusammenarbeit mit der Musikschule könnten Schüler 2 zusätzliche Unterrichtsstunden wählen. Ein Ziel könnte es sein, aus einer Bläsergruppe später eine Orchestergruppe zu bilden, sagte Schulleiter Krämer.  Musik-Interessierte müssten nach Möglichkeit schon in der 5. Klasse mit einer Bläsergruppe starten. Später anzufangen, mache weniger Sinn, sagte Musikschullehrer Konrad Hartong. Alles müsse nachhaltig konzipiert sein, "sonst bringt das ganze nichts". Deshalb müsse schon an der Grundschule für das Musikangebot geworben werden. 

Ein möglicherweise größeres Problem: Das Angebot ist kostenintensiv. Die Instrumente sind teuer. Die Lehrer müssen im Nachmittagsunterricht  bezahlt werden. Für Oberschüler koste der Unterricht dann 25 Euro pro Monat, erklärte Hartong. Krämer betonte daher: Das Angebot müsse auch für Schüler zur Verfügung stehen, deren Eltern weniger Geld zur Verfügung haben. 

Und was ist mit den Naturwissenschaften?

Nicht alle Schüler interessieren sich für Sport respektive Musik, erzählt Axel Krämer. Der kommissarische Rektor betonte daher: Die Oberschule müsse etwas in den MINT-Fächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – machen.  Unterstützung erhielt er von Susanne Witteriede (SPD) und Tanja Ruhe (CDU), die die Naturwissenschaften auch angesichts der zunehmenden Digitalisierung für elementar halten. 

Auch der kleine Arbeitskreis hatte sich laut Hinxlage Gedanken zu dem Thema gemacht. Alleine durch den Burgwald und auch den Bürgerpark gebe es viele Möglichkeiten, den Bereich zu stärken mit entsprechenden Projekten. Als Elemente in den Unterricht könnten Bauwagen, Totholzecken, Wildwiesen, Barfußpfade oder Kletterstationen eingebaut werden. Walderlebnistage, Bauernhofbesuche und Bodenuntersuchungen seien weitere Denkansätze, sagte Hinxlage. Das Ziel müsse es sein, "einen verantwortlichen Umgang mit Natur, Technik und Umwelt zu fördern".

Was moniert nun SPD-Mann Markus Blömer?

Der Berufsschullehrer war schon in der Sitzung spürbar unzufrieden mit einigen Diskussionspunkten. Seinen Unmut artikulierte er später auch noch in einer Pressemitteilung für die SPD-Fraktion. Grundsätzlich, sagte Markus Blömer, habe es die Dringlichkeit der Sitzung gar nicht mehr gegeben. Denn die zu befürchtende Schließung des gymnasialen Zweiges sei, so habe es die neue Dezernentin ja mitgeteilt, nicht mehr aktuell. Schwierig nennt Blömer auch den Umstand, "dass die aktuelle Schulleitung bisher nur kommissarisch arbeiten kann". Dabei werde doch die Arbeit und Ausrichtung einer Schule stark von der Schulleitung geprägt. 

Irritiert über die Diskussion: Sozialdemokrat Markus Blömer, selbst  Berufsschullehrer. Foto: SPDIrritiert über die Diskussion: Sozialdemokrat Markus Blömer, selbst  Berufsschullehrer. Foto: SPD

Markus Blömer wunderte sich, dass bei der Sicherung des gymnasialen Zweigs plötzlich über die gesamte Situation der Oberschule Dinklage diskutiert werde. "Es werden bereits Konzepte vorgestellt, Finanzierungen sollen bereits besprochen werden  – initiiert durch die Verwaltung und CDU,  aber ohne Beteiligung der Oberschule." Plötzlich werde über die komplette Schulorganisation durch Politik und Vereine debattiert. Bis hin zur Grundschule soll es inhaltlich neu konzipiert werden, schüttelte Blömer den Kopf.

Es komme die Vermutung auf, schrieb der Sozialdemokrat, dass hoheitliche Aufgaben der Erziehung und Bildung nicht mehr in der Hand von Lehrern und Schulleitung liegen sollen, sondern Schulträger und Vereine den Inhalt bestimmen sollten, um wettbewerbsfähig zu sein. "Schule ist kein Geschäft und kein Wettbewerb", schimpfte Blömer. Die Inhalte müssten durch die Oberschule vorgegeben werden, dürften aber nicht durch Politik und Verwaltung "aufgestülpt" werden.  Schule sei kein Versuchsobjekt. Im Gegenteil: "In der Oberschule sitzen die Fachleute, keine x-beliebigen, sondern staatlich geprüfte, hochqualifizierte Pädagogen."

Markus Blömer findet: "Nur mit den Lehrerinnen und Lehrern ist eine Attraktivitätssteigerung der gesamten Oberschule möglich." Die Einrichtung habe klare Vorgaben im Lehrplan, was sie machen dürfe, und was nicht. Nur bei den Schulentwicklungsschwerpunkten sollten Politik und Verwaltung "so gut wie möglich" unterstützten.

Wie reagierte der Ausschuss auf Blömers Kritik?

Der Vorsitzende Florian Hinxlage widersprach dem Sozialdemokraten energisch. Es gehe überhaupt nicht darum, der Oberschule etwas überstülpen zu wollen. Sondern darum, Lösungen für die Weiterentwicklung zu finden. Die Diskussion sei doch noch gar nicht so weit, "dass wir sagen können: Wir machen Sport, Natur oder Musik als Schwerpunkt".  Gleichwohl sei die Frage erlaubt: "Was ist eigentlich das Profil der Schule?"

Auch Andreas Windhaus (CDU) sagte: "Wir werden nichts übers Knie brechen, sondern die Gespräche mit der Schule suchen." Um die Lehrer zu fragen, "wie ist die Bereitschaft, etwas umzusetzen?" Blömers Parteikollegin Susanne Witteriede sagte: "Der Treiber muss die Schule sein." Gleichwohl wünsche sie sich eine aktivere Rolle der Einrichtung.

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