Die Interessengemeinschaft Holdorf (IGeHo) fordert eine „systematische Überarbeitung“ der Bebauungspläne für die Gemeinde Holdorf. „B-Pläne sind laut Baugesetzbuch das zentrale Instrument der Bauleitplanung und damit das wichtigste Werkzeug, das eine Gemeinde für die Gestaltung ihrer Zukunft hat“, sagt der Fraktionschef Andreas Lucht in einer Pressemitteilung. „Es ist deshalb völlig unverständlich, dass Holdorf dieses Instrument nicht nutzt und stattdessen weiter viel Geld und Arbeit in ein rechtlich unverbindliches Zonenkonzept investiert.“ Anlass für diese Einordnung der IGeHo ist eine Einwohnerinnen- und Einwohnerversammlung am Donnerstag (9. April) ab 20 Uhr im Bürgerhaus. Dort soll darüber gesprochen werden, wie das Zonenkonzept überarbeitet werden kann.
Für Andreas Lucht hat das Zonenkonzept 8 Jahre nach seiner Einführung das Ziel verfehlt. „Wenn das Zonenkonzept so sinnvoll wäre, wie oft behauptet, würden es auch andere Kommunen anwenden. Das Zonenkonzept war gut gemeint, aber es hat nicht funktioniert. Es liefert keine verbindlichen Regeln und schafft damit mehr Unsicherheit als Klarheit.“ Bauentscheidungen würden weiterhin im Einzelfall getroffen und Bürgerinnen und Bürger dadurch mit widersprüchlichen Bewertungen konfrontiert: „Vergleichbare Grundstücke werden unterschiedlich behandelt.“
IGeHo sieht Widersprüche in den Bewertungen
Ein zentraler Kritikpunkt der IGeHo: Viele Bebauungspläne in Holdorf seien nicht mehr zeitgemäß. Sergej Belz, Architekt und beratendes Fraktionsmitglied, erläutert: „Wir haben Bebauungspläne aus den 70er und 80er Jahren, die bis heute gelten. Dort steht nichts über Begrenzung der Wohneinheiten, nichts über Klimaschutz, nichts über aktuelle Wohnformen.“
Statt diese Pläne zu modernisieren, sei das Zonenkonzept als Ersatzkonstruktion genutzt worden. „Das Zonenkonzept überdeckt nur die Probleme. Es verhindert, dass wir die notwendigen Erneuerungen anpacken“, sagt Belz. Die Folge sei eine Art „Planungsstau“, der über Jahre gewachsen sei und erhebliche Kosten und Arbeitsaufwand verursache.
Außerdem sei das Zonenkonzept im Laufe der Jahre immer komplizierter geworden. „Jede Fortschreibung brachte neue Ausnahmen und Sonderregeln. Statt zu vereinfachen, wird verkompliziert“, sagt Andreas Lucht. Während auf Bundesebene Verfahren beschleunigt werden sollen, würden sie in Holdorf schwerfälliger.
Wird der Wohnraum künstlich begrenzt?
Das wirke sich auch gravierend auf den Wohnungsmarkt aus, erklärt Belz: „Indem man Wohneinheiten an die Grundstücksgröße koppelt, begrenzt man künstlich den Wohnraum. Das führt dazu, dass auf großen Flächen wenige Wohnungen entstehen.“
Der Pro-Kopf-Flächenverbrauch liege dadurch nach Einschätzung der Fraktion bei rund 70 Quadratmetern je Einwohner – ein Wert, der angesichts steigender Nachfrage nach Wohnraum kaum vertretbar sei. „Effiziente Nachverdichtung wird behindert. Statt im Ortskern neuen Wohnraum zu ermöglichen, wächst der Druck, Neubaugebiete am Rand auszuweisen – mit mehr Flächenverbrauch und mehr Versiegelung“, sagt Lucht.
Für ihn gelinge eine nachhaltige Ortsentwicklung in Holdorf nur mit verbindlichen, modernen Bebauungsplänen. Deshalb schlägt die IGeHo vor: Erfassung aller Bebauungspläne, Priorisierung und schrittweise Modernisierung. „Wir wollen eine nachvollziehbare, faire und zukunftsfähige Entwicklung für Holdorf – ohne überflüssige Komplexität, aber mit klaren Regeln“, sagt Lucht.