Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

SPD-Unterbezirk Cloppenburg: So endete die Kampfabstimmung um den Vorsitz

Detlef Kolde wollte weiter Vorsitzender bleiben, zudem hatte Christiane Priester beim Parteitag kandidiert. Der Amtsinhaber äußerte dabei seinen Unmut über die Vorgehensweise.

Artikel teilen:
Führungstrio: Vorsitzende Christiane Priester (Mitte) mit den Stellvertretern Pia van de Lageweg und Jan Oskar Höffmann.  Foto: SPD

Führungstrio: Vorsitzende Christiane Priester (Mitte) mit den Stellvertretern Pia van de Lageweg und Jan Oskar Höffmann.  Foto: SPD

Die Enttäuschung stand Detlef Kolde ins Gesicht geschrieben. Mal schüttelte er ungläubig den Kopf, mal überspielte er seinen Frust mit einem Lächeln. Kurz zuvor wurde der 60-Jährige als bis dahin amtierender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks (UB) Cloppenburg abgewählt. Seine Nachfolgerin wird Christiane Priester, die sich in einer Kampfabstimmung mit 31 zu 20 Stimmen durchsetzte. Die Aktion schien gut vorbereitet gewesen zu sein, treibende Kräfte im Hintergrund waren offenbar die Ortsvereine Cloppenburg und Emstek.

Kolde hatte schon in der Vorstellungsrunde das Vorgehen innerhalb des Unterbezirks kritisiert. „Ich akzeptiere natürlich, dass es Gegenkandidaten gibt. Ich finde den Verfahrensablauf aber nicht in Ordnung“, erklärte der Essener. Er monierte zudem die fehlende Transparenz, man hätte im Vorfeld gemeinsam darüber sprechen können. „Warum erklärt man vorher nicht persönlich, dass man kandidieren möchte“, fragte Kolde. Er jedenfalls wäre nach eigenen Angaben bereit gewesen, „den erfolgreichen Weg weiter zu bestreiten“.

„Die SPD im Landkreis ist so stark geworden. Damit können wir umgehen und ich auch.“Detlef Kolde

Er sei schon überrascht gewesen, sagte Kolde am Tag danach: „Ich hätte gerne weitere 2 Jahre gemacht.“ Aber dies sei ein ganz normaler demokratischer Prozess, den man akzeptieren müsse. „Die SPD im Landkreis ist so stark geworden. Damit können wir umgehen und ich auch.“ Als Kreis-Fraktionsvorsitzender sei er weiterhin im Vorstand dabei und wolle dort auch seinen Beitrag leisten. Gefreut habe er sich über einen lang anhaltenden Applaus am Ende für seine Arbeit in den vergangenen Jahren.

Priester erklärte im Gespräch mit der Redaktion, dass sie eine Ämterteilung für richtig halte. Kolde ist zurzeit auch SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. „So kann man Aufgaben verteilen und ich habe freie Kapazitäten. Es gibt so auch mehr Effektivität und mehrere Sichtweisen auf Dinge“, so Priester zu ihrer Kandidatur, die sie dem Vorstand bereits vor Wochen per Mail mitgeteilt habe. Sie wolle nun die Ortsvereine besser vernetzen. Dies sei in der Vergangenheit ein Stück weit verloren gegangen, unter anderem auch durch Corona. Aber viele hätten isoliert für sich gearbeitet.

Nicht wiedergewählt: Detlef Kolde hatte den Vorsitz des SPD-Unterbezirks 2016 übernommen. Foto: HermesNicht wiedergewählt: Detlef Kolde hatte den Vorsitz des SPD-Unterbezirks 2016 übernommen. Foto: Hermes

Priester ist der Meinung, dass der Unterbezirk noch stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden könnte. Die Hauptaufgabe der kommenden Wochen und Monate werde die Unterstützung der Landtagskandidaten Pia van de Lageweg und Jan Oskar Höffmann, die beide auch als stellvertretende UB-Vorsitzende gewählt wurden. „Das geht nur im Team, da ist jeder gefragt. Das Potenzial der SPD in unserer Region ist enorm“, sagte Priester.

In der Zukunft ist nun auch eine Doppelspitze im SPD-Unterbezirk möglich, ein entsprechender Antrag der Ortsvereine Cloppenburg und Emstek wurde mit 31 Ja-Stimmen bei 15-Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen angenommen. Eine direkte Umsetzung kam aber offenbar nicht infrage, in diesem Punkt stimmten die Antragsteller nochmals für einen Einzelvorsitz. „Wir brauchen erst einmal die Änderung, um überhaupt in der Zukunft darüber sprechen zu können“, begründete Priester den Antrag. Lothar Bothe ergänzte, dass man in Cloppenburg seit Jahren mit einer Frau und einem Mann an der Spitze erfolgreich arbeite.

Abstimmung: Neben dem Vorsitz wurde auch eine Satzungsänderung beschlossen, künftig ist auch eine Doppelspitze möglich. Foto: HermesAbstimmung: Neben dem Vorsitz wurde auch eine Satzungsänderung beschlossen, künftig ist auch eine Doppelspitze möglich. Foto: Hermes

Zwischen den Wahlgängen gab es einige Grußworte. So erklärte Landtagsabgeordnete Renate Geuter, dass die Region von der SPD in Hannover vertreten sei. Der kommende Landtag stehe vor Herausforderungen aufgrund der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges. Diese würden sich schon jetzt auch auf die Kommunen auswirken.

„Ich will mitmachen und bringe gerne eigene Ideen mit ein“, erklärte van de Lageweg in ihrer kurzen Ansprache. Als drängende Themen nannte sie unter anderem die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum sowie den öffentlichen Nahverkehr. „Die Bedarfe aus der Region müssen im Landtag vehement vertreten werden.“

„Wir werden hier etwas schaffen, was im Land Niedersachsen für Aufsehen sorgen wird. Wir wollen die Direktmandate gewinnen.“Jan Oskar Höffmann

Die Zeit bis zur Wahl im Oktober will Höffmann voll ausnutzen: „Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, das können wir uns nicht leisten.“ Der Landkreis Cloppenburg sei nur noch eine vermeintliche SPD-Diaspora. „Wir dürfen uns nicht kleiner machen, als wir sind“, so der Kandidat. Als eines der großen Ziele nannte er die Einrichtung einer Landeswohnungsbaugesellschaft. Höffmann zeigte sich optimistisch mit Blick auf den Oktober: „Wir werden hier etwas schaffen, was im Land Niedersachsen für Aufsehen sorgen wird. Wir wollen die Direktmandate gewinnen.“

Sam Schaffhausen, SPD-Landtagskandidat aus Vechta, sprach ebenfalls ein Grußwort: „Wir müssen Gas geben, jedes Mitglied ist dabei gefragt. Wir wollen die rote Fahne weiter in das Oldenburger Münsterland tragen.“ Er sei guter Dinge, weil die CDU seiner Meinung nach nur Ideen und Standpunkte von vorgestern vertrete.

Im Rahmen des Parteitages hat die SPD außerdem verdiente Mitglieder geehrt. Ein Präsent erhielten Renate Geuter, Stefan Riesenbeck, Karl-Peter Schramm und Moritz Bischoff.

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

SPD-Unterbezirk Cloppenburg: So endete die Kampfabstimmung um den Vorsitz - OM online