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Sozialdemokraten vor Ort unterstützen Scholz als Kanzlerkandidaten

Sam Schaffhausen aus Vechta und Detlef Kolde aus Essen begrüßen die frühzeitige Bekanntgabe. Trotz schlechter Umfragewerte glauben sie: Die SPD kann gewinnen.

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Wenn sie schreiten Seit' an Seit': Der designierte Kanzlerkandidat Olaf Scholz (Mitte) mit den SPD-Parteivorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. Foto: dpa/Nietfeld

Wenn sie schreiten Seit' an Seit': Der designierte Kanzlerkandidat Olaf Scholz (Mitte) mit den SPD-Parteivorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. Foto: dpa/Nietfeld

Bei der Wahl zum Parteivorsitz hatte er noch verloren, jetzt geht er als Hoffnungsträger für die SPD ins Rennen um das Kanzleramt: Bundesfinanzminister Olaf Scholz.

Nachdem die Bundesspitze der Sozialdemokraten den 62-Jährigen am Montag als Kanzlerkandidat nominiert hatte, äußern sich nun auch führende Genossen vor Ort positiv über die Wahl.

Der Vechtaer SPD-Kreisvorsitzende Sam Schaffhausen sagte, die SPD im Landkreis Vechta unterstütze die Kandidatur. Scholz stehe für "Zuverlässigkeit und Vernunft". Diese Eigenschaften würden "nicht nur in einer Krise benötigt".

Will mit der SPD auf Sieg spielen: Der Vechtaer SPD-Kreisvorsitzende Sam Schaffhausen. Archivfoto: ChowanietzWill mit der SPD auf Sieg spielen: Der Vechtaer SPD-Kreisvorsitzende Sam Schaffhausen. Archivfoto: Chowanietz

Die Entscheidung der Bundesvorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, den im Rennen um den Parteivorsitz unterlegenen Scholz zu unterstützen, lobte Schaffhausen. Sie zeige, dass es der Parteispitze "nicht um ein bloßes Machstreben geht", sagte er.

Detlef Kolde, Kreisvorsitzender der Cloppenburger SPD, sagte: "Ich freue mich sehr" über die Nominierung von Scholz. Er lobte den Bundesfinanzminister als "sehr, sehr guten" Kandidaten, räumte aber zugleich ein, dass er gerne den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil im Kanzleramt gesehen hätte.

Mit Blick auf eine mögliche Koalition von SPD, Grünen und Die Linke sagte Kolde, seine Partei hätte diesen Weg "schon 2013 gehen sollen". Nach der Bundestagswahl im September 2013 hatte es tatsächlich eine rechnerische Mehrheit für eine rot-rot-grüne Koalition gegeben. FDP und AfD hatten es seinerzeit nicht in den Bundestag geschafft. Die SPD-Mitglieder votierten aber mit großer Mehrheit für eine Wiederauflage der Großen Koalition mit CDU und CSU.

Dass die SPD nach der Bundestagswahl 2017 trotz anfänglichen Widerwillens zum dritten Mal in eine Koalition unter Führung von Angela Merkel (CDU) eintrat, frustriert Kolde. "So kann es nicht weitergehen", sagt er - und meint damit die Große Koalition.

Ist offen für Rot-Rot-Grün: Der Cloppenburger SPD-Kreischef Detlef Kode. Archivfoto: VorwerkIst offen für Rot-Rot-Grün: Der Cloppenburger SPD-Kreischef Detlef Kode. Archivfoto: Vorwerk

Sollte es zwar für ein rot-rot-grünes Bündnis, aber nicht für einen SPD-Kanzler reichen, wäre der Essener auch bereit, einen grünen Kanzler zu akzeptieren - "oder eine Kanzlerin", betont Kolde. Trotz der momentan schlechten Umfragewerte für die SPD meint er, es sei für "uns als Volkspartei, als älteste Partei Deutschlands wichtig", mit einem eigenen Kandidaten für das Kanzleramt anzutreten. Am Ende würden ohnehin "die letzten Wochen" vor dem Wahltermin zählen.

Auch der Vechtaer Schaffhausen meint, die SPD brauche einen eigenen Kanzlerkandidaten. "Wir spielen auf Sieg", sagt er. Über konkrete Koalitionsmöglichkeiten will er jetzt noch nicht sprechen, das bereite ihm "gemischte Gefühle" und "Bauchschmerzen". Sprich: Darüber will Schaffhausen nichts sagen, ebenso wenig wie zu einer möglichen grünen Regierungsführung.

Schaffhausen hätte sich auch Stephan Weil als Kandidaten vorstellen können

Mit Blick auf den oft als uncharismatisch beschriebenen Scholz sagt Schaffhausen, der frühere Hamburger Bürgermeister und ehemalige Arbeitsminister sei eben "kein Entertainer und kein Showmaster", agiere aber "mit Weitsicht".

Schaffhausen sagt, auch er habe sich Ministerpräsident Stephan Weil als Spitzenkandidaten für den Bund vorstellen können. Um den vor allem auf der Parteilinken unbeliebten Scholz mit der Partei zusammenzubringen, könnte der lange Vorlauf zur Wahl nützlich sein, glaubt Schaffhausen. Er erwarte, dass Scholz "sich und sein Programm in der Partei vorstellt" und so ein Austausch entstehen könne.

Ob Scholz dann bei der Wahl erfolgreich sein könne und für die SPD das Kanzleramt zurückerobern könne, das hänge "auch von der Partei ab", meint der 30-Jährige.

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