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Rathausneubau in Bakum kostet voraussichtlich 6,27 Millionen Euro

Ein Vertreter des beauftragten Architektenbüros stellte den Mitgliedern des Planungsausschusses die Kostenberechnung vor. Die Kommunalpolitiker sprachen sich einstimmig für die Durchführung aus.

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So wird das neue Rathaus aussehen.   Grafik: kbg Architekten

So wird das neue Rathaus aussehen.   Grafik: kbg Architekten

6.269.900 Euro ist die Summe, die derzeit für den geplanten Rathausneubau im Raum steht. Der Architekt Claudius Grothoff vom beauftragten Architektenbüro kbg aus Oldenburg stellte den Mitgliedern des Planungs- und Wirtschaftsausschusses der Gemeinde Bakum am Donnerstagabend die abgeschlossene Entwurfsplanung vor. Nun sei der Zeitpunkt für die Gemeinde, „grünes Licht“ für die weiteren Schritte zu geben, sagte Grothoff. Das taten die Ausschussmitglieder schließlich auch, indem sie einstimmig die Beschlussempfehlung an den Rat gaben, das Projekt weiter voranzutreiben und die Durchführung zu beschließen.

Die Kosten:

Zuvor legte Grothoff, wie auch Bürgermeister Tobias Averbeck, ausführlich den aktuellen Stand der Dinge dar. Das Architekturbüro kommt zu einer Kostenberechnung in Höhe von 7.467.250 Euro. Diese bezeichnete Grothoff als „sehr genau“. „Genauer kann man zu diesem Planungszeitpunkt nicht rechnen.“ Darin enthalten sind die Kosten für die Konstruktion, die technischen Anlagen, die Außenanlagen, die Ausstattung sowie die Nebenkosten, wie unter anderem die Architekten- und Ingenieursleistungen.

Auch „unvorhergesehene Kosten“ seien integriert. Diese schlagen „unterm Strich“ mit 220.000 Euro zu Buche und beinhalten beispielsweise die Umverlegung der Fernwärmeleitung oder auch die besondere Ausstattung der Polizeistation, die künftig ebenfalls Platz im Rathaus findet. Kostensteigerungen, „die wir in den vergangenen Monaten erleben“, seien ebenfalls abgebildet. Auch die Kosten für den Abriss des alten Rathauses seien in der Kostenberechnung berücksichtigt, bestätigt Grothoff auf Nachfrage von Siegfried Böckmann (SPD).

Zur Erinnerung: Der Rat hatte seinerzeit beschlossen, dass die Kosten in Höhe von 6,5 Millionen Euro nicht überschritten werden sollen. Damit dieses Ziel eingehalten werden kann, führte der Bürgermeister aus, dass die Gemeinde von Fördermitteln profitiert. Der Neubau des Rathauses wird im Rahmen der KfW-Förderung mit 22,5 Prozent der förderfähigen Kosten in Höhe von 3,74 Millionen Euro – Averbeck spricht hier von den Kosten für die „Gebäudehülle“ – bezuschusst, da die KfW-Effizienzgebäude-Standards 40 eingehalten werden. Die Fördermittel betragen somit 850.850 Euro. Dieser Förderbescheid liegt laut Averbeck bereits vor.

Darüber hinaus gebe es mit „großer Wahrscheinlichkeit“ eine Möglichkeit auf Förderung aus der Dorfentwicklung, wie der Bürgermeister erläuterte. Wenn der Dorfentwicklungsplan bis zum 15. September 2022 vorliege, kann für 2023 ein Förderbescheid erwartet werden. Hier geht es um eine Summe von 315.000 Euro. Außerdem gebe es an weiteren Stellen, wie beispielsweise der Fernwärme, ein geringfügiges Einsparpotenzial. Insgesamt ergibt sich daraus eine Kostenberechnung in Höhe von 6.269.900 Euro.

Averbeck erläuterte außerdem die Möglichkeit, den Finanzierungsaufwand über Mittel des Haushalts 2021 und zusätzlichen Mitteln, die über den Nachtrag gestellt werden können, zu reduzieren. Dann ergebe sich eine Summe von 5,17 Millionen Euro.

"Es bleibt im abgesteckten Rahmen."Tobias Averbeck, Bakumer Bürgermeister 

Daraus ergeben sich für die Finanzierung 2 Möglichkeiten, referierte der Bürgermeister weiter. Entweder man gehe mit den 6,27 Millionen Euro in die volle Fremdkapitalfinanzierung - oder mit den 5,17 Millionen Euro. Beide Beträge habe die Verwaltung bereits bei der NBank angefragt. Die Bank hat demzufolge einen Zinssatz in Höhe von 0,55 Prozent mit einer Laufzeit von 28 Jahren benannt. Dann sei das Rathaus bezahlt.

Averbeck bezog sich zum Vergleich auf seine Ausführungen von vor 2 Jahren, als er der Öffentlichkeit vorstellte, wie der Rathausneubau zu finanzieren sei. Zum einen ist im vergangenen Jahr die Gewerbesteuerumlage reduziert worden. Das bedeutete 400.000 Euro weniger an Aufwand, so Averbeck. Geld, das also in den Neubau gesteckt werden kann. Das war bereits 2019 abzusehen. Die Kalkulationen von damals decken sich in etwa mit den eingetretenen Gewerbesteuereinnahmen. Für 2021 ergeben sich, mit Stand 20. September, bereits Einnahmen in Höhe von 4.768.374 Euro – „mehr als eine Million Euro mehr als im vergangenen Jahr“, sagte Averbeck. Zum anderen kann der damals errechnete Aufwand der Abschreibung eingehalten werden.

Zu der „Ursprungsbedingung“ von vor 2 Jahren gebe es somit „nahezu Null“ Abweichung, resümierte er abschließend. Zwar seien die vom Architekturbüro errechneten Bruttokosten höher, lassen sich mit den Fördermitteln aber ausgleichen. „Es bleibt im abgesteckten Rahmen“, sagte Averbeck. Jetzt wisse man allerdings – im Gegensatz zu damals – genau, was man bekomme.

Die weiteren Details:

Neben den Kostenberechnungen stellte der Architekt Claudius Grothoff weitere Details zu dem Neubau vor. Bei den Außenanlagen seien Kleinigkeiten geändert worden. Künftig gibt es an der westlichen Seite – dort befinden sich derzeit Parkplätze – eine „grüne Fuge“, also Bepflanzung, zum Nachbarn, sagte Grothoff. Das bedeutet konkret, dass die Möglichkeit der Umfahrt des Gebäudes, wie bislang, nicht beibehalten wird.

Grothoff ging zudem näher auf den Grundriss ein. Im Erdgeschoss sei ein großzügiges Foyer mit Deckenöffnung vorgesehen. Ein Glasdach soll für eine Belichtung von oben sorgen und einen hellen, freundlichen Charakter erzeugen. Das Treppenhaus werde zentral platziert und der daraus resultierende Umlauf sorge für eine gute Orientierung. „Verlaufen kann man sich nicht“, sagte Grothoff. Der Fachbereich I sowie der Ratssaal finden im Erdgeschoss Platz. Im Osten werde eine Fläche an die Polizei vermietet. Der Bereich sei abschließbar und die Wache erhalte einen eigenen Eingang.

Im Erdgeschoss finden sich außerdem 3 Toiletten: für Frauen, Männer sowie eine barrierefreie. Siegfried Böckmann schlug daraufhin vor, dass es doch möglich sei, die Damen- und Herren-Toiletten direkt barrierefrei einzurichten. Er befürworte keine „aussondernde“, sondern „inklusive Lösung“. Außerdem spare es seines Erachtens auch Fläche. Es sei vorgesehen, so Grothoff, dass lediglich die barrierefreie Toilette auch außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses über einen Nebenzugang zu erreichen ist – zum Beispiel von Besucherinnen und Besuchern des Friedhofs.

Aktuelle Ansicht auf das Bakumer Rathaus.   Foto: C. MeyerAktuelle Ansicht auf das Bakumer Rathaus.   Foto: C. Meyer

Das Obergeschoss ist über die zentrale Foyer-Treppe, ein weiteres, internes Treppenhaus sowie eine externe Treppe beim Trauzimmer zu erreichen. Letzteres habe den schönen Nebeneffekt bei Hochzeiten, dass das Brautpaar über die Treppe zu der Feiergemeinde auf dem Rathausplatz hinuntergehen könne. Allerdings sei das „keine Spaßtreppe“, sondern für den Brandschutz erforderlich, stellte Grothoff klar. Außerdem werde es einen Aufzug geben. Generell sei die Struktur im Obergeschoss wie im Erdgeschoss. Die Fachbereiche II und III finden hier ihre Räumlichkeiten.

Der Rat hatte sich seinerzeit für ein Dachgeschoss ausgesprochen und somit auf Kellerräume verzichtet. Unter dem Dach finden sich „Reserveflächen“, wie Grothoff sagte, also Optionen auf weitere Büroräume. Außerdem sei dort Platz für das Archiv sowie die Technikzentrale. Die Polizei erhalte zudem ein kleines Lager.

Die Debatte:

Den Bau des Dachgeschosses und die Integration des Ratssaals halte er weiterhin für falsch, stellte Siegfried Böckmann in der anschließenden Diskussion klar. Falls die Preise doch noch „aus dem Ruder laufen“ sollten, sehe er da ein Einsparpotenzial. Die Kostenberechnung, so wie sie vorgetragen wurde, finde er aber in Ordnung. Die SPD-Fraktion trage das so mit, wenn auch „zähneknirschend“. Den Bürgern werde vorgegeben, keine Flachdächer zu bauen, entgegnete Christoph Eiken, CDU-Fraktionsvorsitzender. Für ihn sei das Dachgeschoss daher „architektonisch ein Muss“.

Der Wechsel von KfW 55 – mit der Vorgabe ging es seinerzeit in den Architektenwettbewerb, wie Eiken den Anwesenden in Erinnerung rief – auf KfW 40 koste selbstverständlich Geld, sagte Thomas Ostendorf (CDU). Allerdings könne zum jetzigen Zeitpunkt der Planung nicht gesagt werden: „Baue ich mit Wohnzimmer oder ohne?“ Ostendorf bekräftigte, dass er wohl den Bau des Dachgeschosses als auch des Ratssaals gutheiße.

"Entweder ich stimme zu oder ich stimme nicht zu."Christoph Eiken, CDU-Fraktionsvorsitzender

Das wollte Böckmann so nicht stehen lassen. Wenn es deutlich teurer werde, als ursprünglich angenommen, gebe es sehr wohl die Option, zu sagen „Das ist uns zu teuer“, um dann umzuplanen. Schließlich sei die „Kelle noch nicht in die Hand genommen“ worden. Außerdem werde es eh nicht so kommen, denn „die Mehrheiten im Rat sind eindeutig“, sagte Böckmann angesichts der großen CDU-Fraktion. Eiken ärgerte sich über die Einwände des Ratskollegen. Böckmann erwecke seiner Ansicht nach den Eindruck, als wolle die SPD-Fraktion den Neubau eigentlich gar nicht. „Entweder ich stimme zu oder ich stimme nicht zu“, sagte Eiken energisch.

Natürlich könne er gegen den Neubau stimmen, entgegnete Böckmann, aber das wollte er gar nicht. Für ihn sei das Rathaus eine „zentrale Sache“. Er stimme auch nicht gegen Kindergärten, Schulen oder die Feuerwehr, zog er Beispiele zum Vergleich heran. Die aktuelle Planung für den Neubau „ist rund, da gehe ich mit“. Die Entscheidung, ob er dafür oder dagegen ist, wolle er nicht am Dach festmachen. Bei Detailfragen nehme er sich aber heraus, anzusprechen, wenn er es anders sieht. Insgesamt finde er den Entwurf gut, sagte Böckmann. Er stehe trotz alledem hinter dem Projekt.

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