Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Nach langem Warten: Ukrainische Flüchtlinge können jetzt arbeiten

4 Wochen lang kämpfte die Firma Saterplant gegen die Tücken des Ausländerrechts. Mit einer Allgemeinverfügung des Landkreises ist jetzt die sofortige Arbeitsaufnahme möglich.

Artikel teilen:
Freut sich über die Lösung: Jan Schlangen, der Geschäftsführer der Firma Saterplant, kann den geflüchteten Ukrainerinnen jetzt die zugesagte Arbeit und damit auch die Entlohnung geben. Foto: Stix

Freut sich über die Lösung: Jan Schlangen, der Geschäftsführer der Firma Saterplant, kann den geflüchteten Ukrainerinnen jetzt die zugesagte Arbeit und damit auch die Entlohnung geben. Foto: Stix

Viele Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, wollen in Deutschland so schnell wie möglich eine Arbeit aufnehmen. Dem aber steht grundsätzlich das Ausländerrecht entgegen, das eine Arbeitserlaubnis erst dann vorsieht, wenn eine Aufenthaltsgenehmigung oder zumindest eine vollständige Registrierung bei der Ausländerbehörde vorliegt.

Im Landkreis Cloppenburg ist ab Mittwoch (30. März) für ukrainische Staatsangehörige eine Arbeitsaufnahme bereits dann möglich, wenn sie sich bei einer Kommune im Landkreisgebiet angemeldet haben. Eine entsprechende Allgemeinverfügung hat der Landkreis am Dienstagnachmittag erlassen.

Für Jan Schlangen löst sich damit ein Problem, mit dem er seit Anfang März gekämpft hatte. Der Geschäftsführer der Firma Saterplant in Scharrel benötigt jetzt, in der Pflanzzeit, jede helfende Hand in seiner Baumschule. Arbeitskräfte hätte er genug, denn in den firmeneigenen Unterkünften leben derzeit 37 geflüchtete Menschen, überwiegend Frauen, aus der Ukraine. "Ich hatte einige Frauen, die bereits einmal bei uns gearbeitet haben, angeschrieben und ihnen gesagt, dass sie im Falle einer Flucht aus der Ukraine gerne zu uns kommen und dann auch hier arbeiten können", sagt Schlangen. "Einige haben sich gemeldet, und es kamen auch ein paar zusätzliche Frauen hinzu." Sie alle wollen arbeiten, durften es aber nicht, da sie noch keine Aufenthaltsgenehmigung haben.

„Wir haben von Anfang März an versucht, Termine zu bekommen, doch wir wurden immer auf Anfang April vertröstet.“Jan Schlangen, Geschäftsführer Saterplant

Und so schnell, wie Schlangen sich das erhofft hatte, war bislang auch keine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Zwar hätten sich alle Geflüchteten sofort bei der Gemeinde Saterland angemeldet, sagt er, doch schon die biometrische Erfassung durch den Landkreis, die als erster Schritt für eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erforderlich ist, erwies sich als Engpass. "Wir haben von Anfang März an versucht, Termine zu bekommen", erzählte er noch am Montagabend im Gespräch mit OM online. "Doch wir wurden immer auf Anfang April vertröstet."

Und damit nicht genug: "Uns wurde gesagt, dass danach immer noch ein bis 3 Monate vergehen können, bis die Aufenthalts- und damit Arbeitserlaubnis da ist", berichtete Schlangen von seinen Gesprächen mit der Ausländerbehörde. Für ihn eine schwierige Situation, da er den Betrieb auf die Arbeitskräfte aus der Ukraine ausgerichtet hatte. "Jede Pflanze, die wir jetzt nicht setzen, können wir später nicht verkaufen", sagt er. "Das kann ein echtes wirtschaftliches Problem werden."

Landkreis forderte eine unbürokratische Lösung ein

Auch im Cloppenburger Kreishaus war man mit der Situation unzufrieden. Am Flaschenhals der biometrischen Erfassung konnte man nichts ändern, denn man habe, so Kreissprecher Sascha Rühl, lediglich ein einziges Gerät für die erforderliche elektronische Erfassung der Fingerabdrücke. "Wenn es nach uns geht, dürften gerne mehrere Geräte zum Einsatz kommen", sagt er. "Doch leider ist nur ein bestimmtes Gerät der Bundesdruckerei zulässig, und die Lieferzeit dafür liegt bei 3 Monaten." Aktuell seien alle 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ausländerbehörde mit der Erfassung beschäftigt, die zum Teil auch bis 22 Uhr und an Wochenenden arbeiten. Doch bei aktuell rund 1650 geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern sei allein die Eingabe der Daten ein langwieriger Prozess.

Man habe deshalb, so Rühl, bei den zuständigen Landesbehörden eine unbürokratische Lösung für die Erteilung der Arbeitserlaubnis eingefordert. "Aus Sicht des Landkreises sollten die Geflüchteten umgehend eine Arbeit aufnehmen können", betont er. Auf Basis der geführten Gespräche habe man jetzt eine Allgemeinverfügung erlassen, die "eine vorzeitige Arbeitserlaubnis rechtssicher ermöglichen kann". 

Jan Schlangen freut sich über die vom Landkreis gefundene Lösung – für seinen Betrieb, vor allem aber für die geflüchteten Menschen. "Da möchte ich mich", sagt er, "insbesondere in deren Namen und für ihre Familien beim Landkreis für die schnelle Hilfe bedanken."

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Nach langem Warten: Ukrainische Flüchtlinge können jetzt arbeiten - OM online