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Linker trägt das Unternehmer-Gen

Tom Dobrowolski kandidiert für den Deutschen Bundestag. Der Löninger mit mecklenburgischen Wurzeln möchte die Gesellschaft sozial gerechter und ökologischer machen.

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In Löningen zu Hause: Tom Dobrowolski (Die Linke).   Foto: G. Meyer

In Löningen zu Hause: Tom Dobrowolski (Die Linke).   Foto: G. Meyer

"Radikal": Für Tom Dobrowolski ist das kein schlimmes Wort. Manchmal brauche es eben radikale Lösungen, sagt der 33-Jährige und denkt dabei als Erstes an den Klimawandel. Am 26. September steht der Name des Löningers bei der Bundestagswahl auf dem Stimmzettel. Für die Linke kämpft er um ein Direktmandat in Berlin.

Dass seine Chancen überschaubar sind, ist dem gelernten Industriekaufmann klar. Die Linke führt in der Region traditionell ein Schattendasein, doch der gebürtige Güstrower sieht seine Partei im Aufwind. Mit linken Themen lasse sich inzwischen auch in der Mitte punkten. "Ich erhalte viele Anfragen aus Vereinen und Verbänden." Die Kandidatur nimmt der Kreisvorsitzende deshalb sehr ernst. Seine Partei werbe um alle, die weniger als 100.000 Euro im Jahr verdienten. "Wir sind eigentlich die neuen Sozialdemokraten", findet Dobrowolski.

Mit 19 Jahren verschlug es den Mecklenburger ins Oldenburger Münsterland. Nach der Ausbildung blieb er, weil ihm die Region gefiel. Er zog nach Bunnen, heiratete und ist inzwischen stolzer Vater. Seine Kinder Lenni und Lian seien ein wichtiger Grund, warum er sich politisch engagiere, bekennt Dobrowolski. "Ihretwegen muss sich die Welt ändern."

Linker ist gegen "Raubtierkapitalismus"

Dass er politisch schon immer "eher links" war, habe nichts mit seiner ostdeutschen Biografie zu tun. Den Eltern gelang der Systemwechsel nach der Wende besser als vielen anderen. Seine Mutter leitet heute einen größeren Tischlereibetrieb. "Wir sind Unternehmertypen", sagt Dobrowolski, der an den Wochenenden mit einer Cocktailbar von Fest zu Fest zieht. Vor Corona wurden die Veranstaltungen immer größer. "Jetzt fange ich langsam wieder an." Der Linke trennt deshalb  zwischen verantwortungsbewusstem Unternehmertum und hemmungslosem Raubtierkapitalismus. Letzteren müsse man zurückdrängen. Den Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen kann er zwar nachvollziehen. "Von heute auf morgen ist es jedoch kaum realistisch. Man könnte es aber in einzelnen Branchen einführen, die keine Zukunft mehr haben, wie die Kohleindustrie."

Die Wähler, sagt Dobrowolski, bewegten derzeit 2 Themen: "Das sind die Rente und die Geflüchteten." Er hat zu beidem eine klare Meinung. "Ich bin für die Rente ab 65. Alle, auch Selbstständige und Beamte, müssen einzahlen." Migranten nimmt er gegen Vorurteile in Schutz. Niemand flüchte zum Spaß. Nur ausgewählte Fachkräfte ins Land zu lassen, sei "perfide". Gebraucht würden künftig auch weniger qualifizierte Arbeitskräfte. Andererseits müsse der Staat die Kontrolle über die Einreise behalten, "auch um den Menschen helfen zu können". 

"Der Klimawandel ist bei vielen noch nicht angekommen."Tom Dobrowolski

Als Politiker dürfe er sich nicht scheuen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, sagt Dobrowolski. Mit seiner Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen etwa mache er sich nicht nur beliebt. Notwendig sei es trotzdem, betont er. Der Klimawandel sei bei vielen noch immer nicht angekommen. "Wenn aber fast sämtliche Wissenschaftler vor den Folgen der Erderwärmung warnen, muss die Politik reagieren." Umweltschutz, Kinderarbeit, fairer Handel: Als Weltbürger trage jeder einen Teil der Verantwortung. Für einen nationalen Wahlkämpfer stellt sich Dobrowolski ungewohnt breit auf. Er möchte eben "aufklärerisch" wirken, erklärt er.

Löninger ist für Rot-Rot-Grün im Bund

Und das auch abseits von Parteipolitik. Im Löninger Stadtrat stimmt Dobrowolski nicht selten mit der CDU ab. Auf Bundesebene ist er jedoch für Rot-Rot-Grün. "Wir haben 95 Prozent Übereinstimmung." Dass die Linke im Fall einer Regierungsbeteiligung außenpolitisch unzuverlässig sein würde, glaubt er nicht. "Dort, wo es hakt, geht es vor allem um persönliche Eitelkeiten." Und die sollten der gemeinsamen Ziele wegen schnell über Bord geworfen werden.

Ohne Kompromisse dürfte es nach der Bundestagswahl nicht gehen. Das nerve zwar manchmal, gibt Tom Dobrowolski zu. "Weil man nie die allerbeste Lösung bekommt." Dennoch gehörten sie zur Demokratie dazu. Und die bleibt für den Linken "die beste Form des Zusammenlebens, die wir bisher gefunden haben".

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