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Lautsprecher Andrij Melnyk geht

Thema: Abberufung des ukrainischen Botschafters – Melnyk war ein Lautsprecher – aber einer zum Wohle seines Landes.

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Wohl kaum jemals zuvor gab es einen ausländischen Botschafter, der in Deutschland so bekannt war wie Andrij Melnyk. Der aus der Westukraine stammende Jurist war seit Beginn des russischen Angriffes auf sein Land ein gerne oder zumindest häufig gesehener Talkshow-Gast. Melnyk verstand es, die Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie für sein Anliegen zu nutzen.

Er machte Krawall, um durch die Vielzahl an Informationen, Stimmen und Meinungen durchzudringen. Seine Mission: Maximale Unterstützung Deutschlands für sein Land mobilisieren – militärisch, politisch, finanziell. Völlig undiplomatisch ging Melnyk dabei keinem Konflikt aus dem Weg. Bundeskanzler Scholz nannte er bekanntlich eine „beleidigte Leberwurst“. Den Publizisten Harald Welzer, der Melnyk zuvor arrogant zum „Zuhören“ aufgefordert hatte, wies Melnyk zurecht: Er sei nicht sein Student.

Ja, die Geister schieden sich an Melnyk. Besondere Wut zog er in der SPD auf sich. Schließlich waren es doch gerade die Sozialdemokraten gewesen, die privat und politisch allem russischen Imperialismus zum Trotz die Nähe zum Kreml gesucht hatten. Moskau verstehen, Washington verurteilen – auch in der SPD wirken noch Tiefenschichten des Bewusstseins aus dem Kalten Krieg nach.

Sein Ziel jedenfalls erreichte Melnyk: Eine widerwillige Bundesregierung trieb er Monate vor sich her, bis sich wirklich kein Grund mehr fand, der Ukraine die dringend benötigte militärische Ausrüstung zu versagen. Melnyk war ein Lautsprecher – aber einer zum Wohle seines Landes.

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