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Katholische und protestantische Gemeinden rücken zusammen

Katholische und evangelische Kirchengemeinden schrumpfen, das Interesse an Gottesdienstbesuchen nimmt ab. In vielen Orten suchen die Konfessionen den Schulterschluss – nicht nur aus der Not heraus.

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Symbolfoto: dpa

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Angesichts kleiner werdender Kirchengemeinden rücken in verschiedenen Orten evangelische und katholische Gemeinden enger zusammen. Im Lingener Ortsteil Baccum wollen die katholische Gemeinde und die evangelisch-reformierte Gemeinde gemeinsam ein Pfarrhaus nutzen. Im Nordhorner Stadtteil Klausheide nutzen seit mehr als zehn Jahren drei christliche Konfessionen - lutherisch, reformiert und katholisch - gemeinsam ein Kirchengebäude für Gottesdienste. «Es ist für die Ökumene nicht nur ein starkes Zeichen, sondern es ist auch der richtige Weg, um nach außen deutlich zu machen, dass wir zusammen gehören», sagte der katholische Pfarrer Ulrich Högemann.

Die Zusammenarbeit in Nordhorn entstand vor mehr als zehn Jahren aus der Notlage, dass die katholische Kirche abgerissen werden musste. «Damals haben die evangelischen Gemeinden gesagt, wir nehmen die Katholiken mit bei uns auf», erinnert sich Werner Bergfried, Pastor der reformierten Gemeinde. Zuvor teilten sich bereits die beiden evangelischen Konfessionen die Nutzung der Michaeliskirche in Nordhorn-Klausheide.

"Ich glaube tatsächlich, dass wir ein stärkeres Zeugnis als Christen hinaus in die Welt geben können, wenn wir gemeinsame Sache machen."Ulrich Högemann, katholischer Pfarrer

Sie seien überzeugt, dass auch für andere Gemeinden in der ökumenischen Kooperation die Zukunft liege, sagen Högemann und Bergfried. Das liege nicht nur daran, dass die zahlenmäßig schrumpfenden Kirchen aus wirtschaftlichen Gründen zusammenrücken müssten. «Ich glaube tatsächlich, dass wir ein stärkeres Zeugnis als Christen hinaus in die Welt geben können, wenn wir gemeinsame Sache machen», sagt Högemann. «Es ist meine Hoffnung, dass wir aus einer gemeinsamen Krise auch gemeinsam wieder rauskommen», sagt Bergfried.

Auch im wenige Kilometer entfernten Lingener Ortsteil Baccum wollen Katholiken und Reformierte künftig gemeinsam ein Pfarrgemeindehaus nutzen. Schon jetzt liegen sich reformierte und katholische Kirche samt den Gemeindehäusern auf dem «Platz der ökumenischen Mitte» gegenüber, sagt der katholische Pfarrer Hartmut Sinnigen. In den vergangenen Jahren sei bei beiden Gemeinden die Einsicht gewachsen, dass es sinnvoller sei, ein gemeinsames Gemeindehaus zu betreiben. Das katholische Gemeindehaus solle nun verkauft werden.

«Das ist ein konsequenter Schritt, und es wird nicht der letzte Schritt sein», sagte Sinnigen. Es sei absehbar, dass die Kirchen auf vielen Ebenen noch enger zusammenrücken werden. Es gebe eine ökumenische Gruppe für Menschen mit Behinderungen, eine ökumenische Mutter-Kind-Gruppe. Vieles, was mit Musik zu tun habe, sei ökumenisch.

"Man muss genau gucken, wie man die Gemeinde mitnimmt, es hat für einige schon etwas Bitteres."Pastorin Martina Korporal

Aus Sicht der evangelisch-reformierten Gemeinde sei es wichtig, dass sich beide Gemeinden dabei auf Augenhöhe begegneten, sagte Pastorin Martina Korporal. «Man muss genau gucken, wie man die Gemeinde mitnimmt, es hat für einige schon etwas Bitteres.» Denn die reformierte Gemeinde sei der kleinere Partner und verkaufe ihr Gemeindehaus an die katholische Kirche. Aber die Einsicht auf allen Seiten, dass nicht alle Gebäude gehalten werden könnten, sei da.

Im Bistum Hildesheim gebe es seit vielen Jahren in vielen Gemeinden schon enge ökumenische Zusammenarbeit, auch bei der Nutzung von Gebäuden, sagt Bistums-Sprecher Volker Bauerfeld. «Nicht erst seit gestern.» Von der Jahrtausendwende bis jetzt seien mindestens 66 Kirchen profaniert worden, sagt Bauerfeld. Das Bistum müsse seinen Gebäudebestand reduzieren, und so werde schon seit Jahren gesucht, ob es auch Synergien mit den evangelischen Gemeinden gebe. «Gute Beziehungen zu den evangelischen Gemeinden sind das A und O in den Gemeinden.»

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