Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

IGNV-Chef Schönfeld: "Wir sind die einzige richtige Oppositionskraft"

Von 2016 bis 2021 bildete die IGNV mit der CDU im Rat Neuenkirchen-Vördens eine Gruppe. Was die IGNV in der aktuellen Wahlperiode plant? OM Online hat beim Vorsitzenden Josef Schönfeld nachgefragt.

Artikel teilen:
Ein sehr erfahrener Kommunalpolitiker: Seit 1991 gehört Josef Schönfeld für die IGNV dem Rat Neuenkirchen-Vördens an. In dieser Wahlperiode sitzt sie wieder in der Opposition. Foto: Lammert

Ein sehr erfahrener Kommunalpolitiker: Seit 1991 gehört Josef Schönfeld für die IGNV dem Rat Neuenkirchen-Vördens an. In dieser Wahlperiode sitzt sie wieder in der Opposition. Foto: Lammert

Josef Schönfeld war von 2016 bis zum 31. Oktober vergangenen Jahres stellvertretender Bürgermeister Neuenkirchen-Vördens. Als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Neuenkirchen-Vörden (IGNV) hatte er großen Anteil daran, dass die Gruppe die Zahl ihrer Sitze im Rat um einen auf 5 erhöht hat. Nach 5 Jahren in einer Ratsgruppe mit der CDU arbeitet die IGNV im neuen Rat wieder als Solistin. Was das bedeutet? OM Online hat bei Josef Schönfeld nachgefragt. 

Herr Schönfeld, wie sehr schmerzt es Sie, dass Sie nicht mehr stellvertretender Bürgermeister sind?
Ich hatte mir schon vor der vergangenen Gemeinderatswahl überlegt, dass ich das Amt nicht weiter ausüben möchte. Ich fühlte mich in der freien Ratstätigkeit durch das Amt zu sehr eingeschränkt. Es hat mir aber viel Freude gemacht, weil ich Kontakt zu vielen Bürgern hatte.

Die IGNV-Fraktion muss sich, wie die anderen Ratsfraktionen natürlich auch, erst noch finden. Immerhin sind zwei Fünftel der Fraktionsmitglieder neu. Wie ist das bisher gelungen?
Das Finden ist sehr gut gelungen. Es ist auch sehr gut, dass wir mit Sven gr. Sextro einen neuen Fraktionsvorsitzenden haben.

Warum?
Es musste ein Generationswechsel in der Fraktion stattfinden. Neue Leute bringen neue Ideen mit. Auf einigen Gebieten, wie zum Beispiel Schule oder Kindertagesstätten, kennt er als Vater jüngerer Kinder die Sorgen und Nöte der Eltern viel besser aus als ich. Der Wechsel an der Fraktionsspitze hat sich aber allein schon deswegen ergeben, weil der bisherige Vorsitzende Heinrich Hoppe den Sprung in den neuen Rat leider nicht geschafft hat.

Die IGNV hat einen 5. Sitz im Rat gewonnen. Wie sehr erhöht sich damit ihr Einfluss auf die Arbeit im Rat?
Im Moment, wo die CDU und die SPD quasi eine Koalition bilden, gilt: Wir sind die einzige richtige Oppositionskraft. Unser Einfluss ist gestiegen, weil wir in drei Ausschüssen mit zwei Mitgliedern vertreten sind, statt wie bislang nur mit einem.

Warum wollte die IGNV nicht mehr mit der CDU kooperieren? So schlecht lief es in den Jahren 2016 bis 2021 doch nicht.
Besonders im letzten Jahr der Ratsperiode hatte sich die CDU auf Druck der Verwaltung an viele Absprachen mit uns nicht gehalten. Wir als IGNV waren etwa strikt gegen den Anbau an den Kindergarten St. Elisabeth in Vörden. Die CDU war ebenfalls dagegen. Stattdessen wollten wir schnellstmöglich den neuen Kindergarten in Vörden. Das wollte die Verwaltung aber nicht, und die CDU ist nach und nach auf ihre Linie umgeschwenkt.

Welche sehen Sie als die dringendste Aufgabe, der sich der neue Rat widmen muss?
Da gibt es viele dringende Aufgaben. Die Jugendarbeit muss deutlich verbessert werden. Wir brauchen mehr Platz in den beiden Jugendtreffs, damit sie mehr Angebote machen können. Die Integration vor allem der ausländischen Jugendlichen, die neu in die Gemeinde gezogen sind, erfolgt zunächst in der Schule und in den Jugendtreffs, erst dann in den Vereinen. 

Was ist noch wichtig?
Wir müssen die Verkehrsproblematik in Neuenkirchen lösen, nachdem es für Vörden ja eine Planung im Zusammenhang mit der neuen Autobahnanschlussstelle Riester Damm und der Verlängerung der Kreisstraße durch den Niedersachsenpark zur Landesstraße von Vörden nach Engter gibt. Die IGNV hatte schon vor Jahren vorgeschlagen, eine Verbindungsstraße von der Bergstraße bis zum Fehrenkamp zu bauen. Leider hat die Verwaltung das kassiert. Uns ist es zudem wichtig, das Bauen in 2. Reihe zu ermöglichen, damit auf großen Grundstücken ein weiteres Wohnhaus errichtet werden kann und wir damit den Flächenverbrauch wegen notwendiger neuer  Baugebiete senken können. 

Dazu hat die IGNV einen Antrag gestellt.
Ja. Wir haben einen für die Wiesentalsiedlung gestellt. Es gibt schon seit Jahren einige Anwohner, die das möchten. Wir haben angeregt, eine Anliegerversammlung durchzuführen, den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, und wenn es gewünscht ist, umgehend in die Planung einzusteigen.

Wenn Sie an die Finanzlage der Gemeinde und drohende Verschuldungsstände von bis zu 13 Millionen Euro in nächster Zeit denken, können Sie da eigentlich in Nellinghof noch ruhig schlafen?
Ich bin immer schon ein Gegner einer hohen Verschuldung gewesen und bin es immer noch. Als wir Anfang der vergangenen Ratsperiode die Gruppe mit der CDU gebildet hatten, lag die Verschuldung der Gemeinde bei rund 5,35 Millionen, am Ende waren es noch 3,77 Millionen Euro. Daraus folgere ich, dass wir gut gewirtschaftet haben.

Böse Zungen können daraus aber auch schließen, dass Rat und Verwaltung zu viele Projekte auf die lange Bank geschoben haben.
Nein, das haben wir nicht. Aber wir haben kein Geld für Luxusprojekte ausgegeben.

Offenbar haben sich die Fraktionen der CDU und SPD/FDP ganz lieb gewonnen. Wie möchten Sie bei der großen Mehrheit, die die beiden im Rat haben, IGNV-Themen und -anliegen durchsetzen?
Das können wir nur, wenn wir die Bürger davon überzeugen, dass unsere Ideen gut sind und sie entsprechenden Druck ausüben auf die beiden anderen Ratsfraktionen.  

Wo sehen Sie die größten Streitpunkte in der Ratsarbeit in dieser Wahlperiode?
Zum einen sehe ich die enorme geplante Verschuldung der Gemeinde, zum anderen macht die Verwaltung zu viel ohne den Rat.

Können Sie sich vorstellen, in Zukunft noch einmal mit der CDU eng zu kooperieren?
Ja, durchaus. Das hängt von den Leuten ab, die zukünftig in der CDU das Sagen haben. Dass die CDU/IGNV-Gruppe über 5 Jahre so gut zusammengearbeitet hat, war zum Beispiel auch ein Verdienst von Bernhard Wessel, CDU, der unser Gruppensprecher war.


Zur Person

  • Der 59 Jahre alte Josef Schönfeld ist seit 1991 Mitglied des Neuenkirchen-Vördener Rates.
  • Vor 30 Jahren gehörte er zu den Gründern der IGNV.
  • Fraktionsvorsitzender war er von 1996 bis 2016.
  • Das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters hatte er von 2016 bis 2021, das des stellvertretenden Sprechers der damaligen CDU/IGNV-Gruppe im Rat von 2018 bis 2021 inne.
  • Der Landwirtschaftsmeister, der in Nellinghof seinen Hof bewirtschaftet, ist verheiratet und Vater von 4 Kindern.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

IGNV-Chef Schönfeld: "Wir sind die einzige richtige Oppositionskraft" - OM online