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Ich will Spaß, ich geb' Gas

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Wenn Gas knapp wird, könnte man meinen: Sparen ist angesagt. Doch die Bundesregierung hat anderes im Sinn. Ehrlich gesagt: Reiner Wein wäre schöner!

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Schon 40 Jahre ist diese Aussage des NDW-Songs von Markus alt. Trotzdem topaktuell wie eh und je. Und der im Lied genannte Horrorbenzinpreis von „3 Mark 10“ längst deutlich überschritten! Die aktuell explodierenden Energiepreise machen's möglich. Wäre es da nicht langsam an der Zeit, konkrete Einsparungen ins Auge zu fassen und die klar zu benennen?

Offenbar nicht, denn trotz der vom Bundeskanzler beschworenen Zeitenwende ist bisher wenig passiert. Ganz im Gegenteil! Wegen der gestiegenen Preise werden die Steuern auf Kraftstoff für 3 Monate gesenkt. Dass dabei insbesondere große und stark motorisierte Fahrzeuge mit einem hohen Kraftstoffverbrauch am meisten profitieren, scheint trotz Klimaschutz kein Problem zu sein. Auch nicht, wenn trotz der hohen Benzinpreise kaum langsamer gefahren wird, obwohl dadurch Kraftstoffverbrauch und -kosten erheblich sinken würden. Ist es in einer Energiekrise das richtige Zeichen, eine schnelle Fahrweise und Spritfresser steuerlich zu entlasten, damit Gasgeben endlich wieder Spaß macht? Ich denke nicht!

Und dann das 9-Euro-Ticket als Schnupperkurs für 3 Monate, um vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Als preisgünstiges Angebot mit gewissem Eventcharakter super. Aber nachhaltig? Hier steht doch wohl eher der Spaß- als der Sparfaktor im Vordergrund.

"Mir wird angst und bange, wenn ich daran denke, was demnächst noch alles auf uns zukommen könnte!"Elisabeth Schlömer

Und dann gibt es ja auch noch die Energiepauschale. Bei dem aktuellen Gaspreis, der sich seit dem letzten Jahr beinahe verdoppelt hat, sicherlich eine willkommene Entlastung für das Portemonnaie. Leider nur nicht für alle. Während sonst der Gleichheitsgrundsatz hochgehalten wird, sind hier die Rentnerinnen und Rentner einfach übergangen worden. Sie gehen leer aus! Die Pauschale ist nur an alle Beschäftigten einschließlich der Minijobber auszuzahlen. Für mich eine bodenlose Unverschämtheit! Sind die Energiekosten für die häufig finanziell nicht gerade auf Rosen gebetteten Rentenempfänger nicht genauso gestiegen? Oder gehen Politiker schon davon aus, dass die meisten Rentnerinnen und Rentner ohnehin einen Minijob haben, weil die Rente sonst nicht reicht und die Übrigen die Energiepauschale nicht brauchen, weil sie bestens situiert sind? Ich hoffe doch wohl nicht!

Dann wird einem auch noch geraten, pro forma einen Minijob anzunehmen, um in den Genuss der Energiepauschale zu kommen. Trick 17, um die gesellschaftliche Spaltung zu verhindern? Mir wird angst und bange, wenn ich daran denke, was demnächst noch alles auf uns zukommen könnte!

Liebe Politiker, hört doch auf, laufend neue, vermeintliche Wohltaten für uns zu ersinnen. Schenkt den Bürgerinnen und Bürgern endlich reinen Wein ein! Sagt klipp und klar, wo und wie wir sparen müssen und worauf wir uns einzustellen haben. Ihr werdet sehen, dass wir viel besser damit umgehen können, als ihr denkt!


Zur Person:

  • Elisabeth Schlömer wohnt in Cloppenburg.
  • Sie war Leiterin des Ludgerus-Werkes Lohne bis zu ihrem Ruhestand 2019. Momentan ist sie ehrenamtlich tätig bei den "Machern – zu jung um alt zu sein" und beim SKF Cloppenburg.
  • Die Autorin erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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