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#Giftinhalation

Kolumne: Irgendwas mit # – Regelmäßiger Tabakkonsum führt sehr oft zum vorzeitigen Tod. Deutschland darf sich daher ruhig mehr trauen, Rauchen unattraktiver zu machen.

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Es wirkt bizarr. Wie ich vergangene Woche las, möchte ein schwedisches Start-up Krähen dazu motivieren, Zigarettenkippen von der Straße aufzusammeln. Werfen die Tiere den Müll in ein entsprechendes Behältnis, erhalten sie dafür eine Belohnung. Wo kämen wir auch hin, von Raucherinnen und Rauchern zu erwarten, ihren Dreck nicht in der Natur zu entsorgen. Menschen sind echt... ach, lassen wir das. Möge das Projekt gelingen.

Deutlich nachhaltiger packt da die neuseeländische Regierung das Problem mit den Zigaretten an. Wie Ende 2021 bekannt wurde, möchte das Land rauchfrei werden. Wie das gelingen soll? In diesem Jahr soll ein Gesetz verabschiedet werden, das ein Mindestalter für den Kauf von Zigaretten und ähnlichen Tabakprodukten von 14 Jahren vorsieht – und es soll jedes Jahr um ein Jahr heraufgesetzt werden. Heißt: Derzeit junge Menschen unter 14 Jahren können demnach niemals Zigaretten legal erwerben. Ein vielversprechender Ansatz.

Am konsequentesten geht allerdings Turkmenistan vor. Dort ist der Verkauf von Zigaretten bereits komplett untersagt. Die Raucherquote in dem Land in Zentralasien gehört nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation zu den niedrigsten weltweit. Ob das reicht, um nichtrauchende Touristinnen und Touristen zu überzeugen? So als kleine Orientierung für die nächste Reiseplanung: Bei der Pressefreiheit rangiert das Land auf Platz 178 von 180.

"Jährlich sterben mehr als 100.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Tabakkonsums."Carina Meyer

Und was passiert so hierzulande? Zu wenig, trifft es wohl am besten. Zwar gibt es seit Anfang des Jahres ein Außenwerbeverbot für Tabakwaren – darum wurde übrigens lange in der Politik gerungen – und die Tabaksteuer ist angehoben worden, aber diese Maßnahmen waren auch mehr als nötig. In der Tabakkontrollskala, die Anfang 2020 vorgestellt wurde, belegte Deutschland den letzten Platz in Europa. Die Rangliste basiert auf Maßnahmen, die die europäischen Länder seit 2016 umgesetzt haben, um den Tabakkonsum zu verringern. Die Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands sind wenig überraschend. Die Tabaklobby ist mächtig, am Rauchen verdient der Staat eine Menge Asche. Mehr als 14,6 Milliarden Euro waren es 2020. „Die Tabaksteuer ist nach der Mineralölsteuer die ertragreichste Verbrauchsteuer“, heißt es auf der Homepage des Deutschen Zigarettenverbands. 

Was bleibt, ist die zynische Güterabwägung. Jährlich sterben mehr als 100.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Tabakkonsums. Geschädigte durch das Passivrauchen sind darin nicht einmal mitgezählt. „Das Rauchen ist in den Industrienationen das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko und die führende Ursache vorzeitiger Sterblichkeit“, heißt es beim Robert-Koch-Institut (RKI). Ja, dort finden sich nicht nur Corona-Zahlen.

Erbaulich ist lediglich, dass immer weniger Kinder und Jugendliche zur Zigarette greifen. Nach Angaben des RKI ist die Raucherquote bei den 11- bis 17-Jährigen im Zeitraum von 2003 bis 2017 von 21,4 auf 7,2 Prozent gefallen. Aber machen wir uns nichts vor. Das sind immer noch zu viele rauchende Minderjährige. Eine weitere RKI-Studie zeigt: Ein rauchender 16-Jähriger raucht mit 91-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Alter von 23 Jahren immer noch. Das gilt es zu verhindern. Rauchen ist uncool. Immer.


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