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Eine Fußgängerzone mit Radverkehr? So äußert sich die Politik

Ein ähnliches Modell ist nach der Sanierung auch in der Mühlenstraße geplant. Dort gibt es dann einen farblich abgesetzten Bereich für Radfahrer in der Mitte, die Fußgänger sind außen unterwegs.

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Mit dem Rad ist hier Schluss: Bislang ist die Lange Straße eine reine Fußgängerzone. Foto: Hermes

Mit dem Rad ist hier Schluss: Bislang ist die Lange Straße eine reine Fußgängerzone. Foto: Hermes

Der Startschuss für die Sanierung der Cloppenburger Mühlenstraße ist gefallen, rund 3,7 Millionen Euro werden hier investiert. Geplant sind hier unter anderem ein Mittelstreifen für Radfahrer sowie die Außenbereiche für Fußgänger. OM-Online hat bei den Fraktionen und bei der Verwaltung nach weiteren Wünschen und Zielen für die Innenstadt gefragt.

Die Übertragung dieses Konzeptes auch auf die Lange Straße hat ein Leser bei der Redaktion angeregt. "Die Lange Straße hat sich als reine Fußgängerzone etabliert, aktuell sehen wir hier keinen Bedarf, daran etwas zu ändern", teilt hierzu Dr. Michael Hoffschroer, stellvertretender Vorsitzender der Gruppe CDU-FDP-Zentrum mit. Jan Oskar Höffmann von der SPD stellte klar, dass Fußgänger auch in der neuen Mühlenstraße stets Vorrang haben werden. Es handele sich "um einen farblich und baulich abgesetzten Bereich, der für Radfahrer lediglich frei ist".

Er halte eine solche Regelung für die Lange Straße angesichts der zahlreichen Geschäfte und den damit verbundenen Kundenströmen für nicht praktikabel und sogar für gefährlich. "Die Lange Straße sollte den Charakter als Flaniermeile behalten", so Höffmann. Sie sei gerade deswegen ein Erfolgsmodell, weil sie frei von Rad- und Autoverkehr ist

Wird zurzeit saniert: Die Mühlenstraße in Cloppenburg.Wird zurzeit saniert: Die Mühlenstraße in Cloppenburg.

"Wir sehen dies als gutes Pilotprojekt, das nach einer Einführungs- und Beobachtungsphase auf die Fußgängerzone übertragbar sein könnte", erklären Michael Jäger und Jutta Klaus von der Gruppe Grüne/UWG. Allerdings müsse man auftretenden Konflikten zwischen Fuß- und Radverkehr entgegenwirken. Für eine Öffnung der Lange Straße spreche die verbesserte Erreichbarkeit der Geschäfte sowie die Attraktivierung des innerstädtischen Radverkehrs, um Klima- und Umweltbelastungen zu minimieren. "Möglicherweise erschweren allerdings die durch Gastronomie und Auslagen des Einzelhandels genutzten Flächen eine gemeinsame Nutzung. Entscheidend muss die Sicherheit der Fußgänger sein", so die Gruppe weiter.

Auf Sicherheitsaspekte weist auch Iris Hermes von der AFD hin: "Die Öffnung für Fahrräder brächte sicherlich ein wenig Elan in die Straße, wird jedoch nur schwer umzusetzen sein." Unterdessen möchte die Stadtverwaltung abwarten. "Es kann leider keine allgemeine Aussage zur Übertragbarkeit des Verkehrskonzeptes ohne eine tiefergehende Analyse des Bestandes getroffen werden", heißt es in der Antwort. Zudem sei die Mühlenstraße eine bestehende und stark frequentierte Radroute.

Einen besonderen Stellenwert attestiert Hoffschroer der Mühlenstraße und dem Sanierungsgebiet, die Straße biete eine besondere Mischung aus Gastronomie, Dienstleistungen und Wohnen. "Verwaltung, Politik und Anwohner stehen in engem Kontakt, um gemeinsam das Ziel, eine noch attraktivere Innenstadt, zu erreichen. Das ist beispielgebend für die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger".

Der Spatenstich in der Mühlenstraße ist jüngst erfolgt. Foto: HermesDer Spatenstich in der Mühlenstraße ist jüngst erfolgt. Foto: Hermes

Höffmann möchte die Mühlenstraße als die Gastromeile Cloppenburgs etablieren: "Deswegen brauchen wir auch die richtigen Rahmenbedingungen, indem wir beispielsweise dauerhaft auf die Erhebung der Gebühren für die Außenbestuhlung verzichten sollten". Man solle eher eine weitere Stuhlreihe ermöglichen, statt karge Flächen und überschaubare Gebühreneinnahmen zu haben. Die Gastronomie werde auch in Zeiten des Online-Handels zukunftsfest bleiben und ein Besuchermagnet sein, wovon auch die Lange Straße profitieren könnte.

Dies sehen auch Grüne und UWG so. "Durch die höhere Aufenthaltsqualität ohne Autos wird viel Raum für Erlebnisgastronomie geschaffen, die nun bessere Rahmenbedingungen erhält – auch um neue, innovative Ideen umzusetzen", sage Jäger und Klaus. Beide regen die Einrichtung eines Fonds an, aus dem die kostenfreie Zwischennutzung freistehender Immobilien ermöglicht werde. Besucher des Krankenhauses seien hier gute Frequenzbringer, dafür müsse der Verbindungsweg zum Krankenhaus sichtbarer und attraktiver werden. Auch könnte die katholische Bücherei in der Mühlenstraße einen neuen Standort finden: "Für die Umsetzung dieser Idee sollte die Verwaltung Gespräche mit den Verantwortlichen führen".

AFD schlägt Kultur und Events zur Belebung vor

Die AFD möchte den lokalen Unternehmen beistehen. Zudem benötige man Kultur und Events zur Belebung, um das Miteinander  zu erhalten. "Vielleicht auch, um all der Verunsicherung und dem Verdruss, der vielen noch in den Knochen steckt, zu begegnen", sagt Iris Hermes. Ein Stadtbesuch sei doch immer eine gute Gelegenheit für spontane Treffen und einen kleinen Plausch gewesen.

Konkrete Maßnahmen kann die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben erst zu einem späteren Zeitpunkt nennen. Im Rahmen des Förderprogramms „Perspektive Innenstadt“ werde in den kommenden Monaten ein Konzept erarbeitet, das verschiedene Maßnahmen beinhalte. "Zusätzlich wird der Ausbau des öffentlichen WLANs auch in der Mühlenstraße vorangetrieben", teilt Sandra von Garrel vom Stadtmarketing mit.

Beim Thema Leerstände verweisen CDU-FDP-Zentrum auf einen eigenen Antrag für ein Leerstandsmanagement. "Wir haben hier die Verantwortung der Stadt schon vor einiger Zeit betont. Zentrale Aufgabe der Stadt bleibt aber auch mit Blick auf die Fußgängerzone vor allem, die Gestaltung eines attraktiven Umfeldes", so Hoffschroer.

„Fast alles ist besser als Leerstand“Jan Oskar Höffmann (SPD)

Höffmann schlägt derweil vor, dauerhafte leer stehende Flächen entweder an zeitlich befristete Pop-up-Stores zu vermieten oder die Flächen für Non-Profit-Ideen kostenfrei zu überlassen. "Fast alles ist besser als Leerstand", sagt er. Es könnten beispielsweise Flächen für junge Künstler oder dem Kunstkreis Cloppenburg unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, jedenfalls solange kein zahlungskräftiger Mieter zu finden sei. Lokalpolitik könne jedoch keinen funktionierenden Businessplan eines Gewerbemieters ersetzen. "Aber wenn ein junges Unternehmen zu Beginn einen Anschub benötigt, sollte ein Mietzuschuss kein Tabu sein". Hier sehe er aber auch die Vermieter der Fußgängerzone in der Verantwortung, im Zweifel auf einen Teil zumindest zeitweise zu verzichten. Man dürfe sich auch Hilfe von außen holen: "Lieber gut kopiert, als schlecht selbst gemacht".

Um das Zentrum als Ort des Lebens, Einkaufens und Begegnens zu entwickeln, müsse es sich nach Angaben von Grünen und UWG als großes Kaufhaus etablieren. Hierzu würden ein vielfältiges Warenangebot, ein attraktiver Wochenmarkt, aber auch Kleingewerbe und die Vermarktung regionaler Produkte zählen. "Wirtschaftsförderung und Eigentümer müssen hier innovative Konzepte entwickeln". Das vorhandene Gründerbüro sollte zudem innerstädtisch sichtbarer sein und neue und repräsentativere Räume anmieten. "Um Start-ups zu unterstützen, die Außergewöhnliches ausprobieren möchten, sollte ein halbes Jahr auf Miete verzichtet werden", sagen Jäger und Klaus abschließend.

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