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Dr. Henrike Voet ist die erste Frau an der Spitze der Stadt Lohne

Die Christdemokratin hat Historisches erreicht. Die 38-Jährige ließ ihren Kontrahenten Stephan Blömer und Frank Wassenberg (beide parteilos und unabhängig) bei der Bürgermeisterwahl keine Chance.

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Die erste Bürgermeisterin in der Geschichte der Stadt Lohne: Dr. Henrike Voet (CDU): Foto: Timphaus

Die erste Bürgermeisterin in der Geschichte der Stadt Lohne: Dr. Henrike Voet (CDU): Foto: Timphaus

Dr. Henrike Voet hat Geschichte geschrieben. Nach dem überzeugenden Sieg der Christdemokratin bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag lenkt erstmals eine Frau die Geschicke der Stadt Lohne. Die 38 Jahre alte Juristin vereinte 59,22 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich. Sie ließ damit ihren parteilosen und unabhängigen Kontrahenten Stephan Blömer (30,92 Prozent) und Frank Wassenberg (9,86 Prozent) keine Chance. Enttäuschend: Die Wahlbeteiligung lag nur bei 47,84 Prozent.

Während der Auszählung zeichnete sich früh ab, dass eine klare Mehrheit ihre Stimme der bisherigen Regierungsdirektorin im Bundesministerium des Innern und für Heimat gegeben hatte. Im CDU-Lager, deren Anhänger sich in der Gaststätte Heinz eingefunden hatten, erschallten schon um 18.51 Uhr – noch vor Bekanntgabe der Ergebnisse der Briefwahl – erste Jubelgesänge. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dr. Benedikt Olberding hatte ein "Oh la la, wir haben eine Bürgermeisterin" angestimmt – und die Menge fiel beglückt ins Lied ein. Der Sieg war Balsam für die vor allem auf Bundesebene zuletzt stark beanspruchte, christdemokratische Seele.

Später sprach Olberding davon, dass Lohne die Zukunft gewählt und mit dieser Richtungsentscheidung für knapp 10 Jahre ein "ehrliches und gutes Signal" gegeben habe – im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine auch für die Demokratie. Seine Partei habe den richtigen Riecher gehabt und könne stolz auf das Ergebnis sein.

Als Voet, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Sebastian Emke unter großem Jubel das Schirmzelt der Gaststätte betreten hatte, das Mikrofon ergriff und schlicht feststellte: "Wir haben die Wahl gewonnen", brandete frenetischer Applaus auf. Das neue Stadtoberhaupt verkündete in Anlehnung an ihren Wahlkampfslogan: "Die Lohner haben den frischen Wind gewählt."

Sie blickte auf die vergangenen Wahlkampfwochen zurück, verteilte Dankesworte und sagte: "Ich habe von Anfang an eine große Zustimmung gespürt." Sie hoffe darauf, so Voet, die großen Fußstapfen, die der bisherige Amtsinhaber und neue Landrat Tobias Gerdesmeyer (CDU) hinterlassen habe, ausfüllen zu können. Gerührt und den Tränen nahe bedankte sich die designierte Bürgermeisterin bei ihrer Familie für die "uneingeschränkte Unterstützung". 

Fairer Wahlverlierer: Stephan Blömer auf dem Weg zur Gaststätte Heinz. Dort gratulierte der 61-jährige Rechtsanwalt seiner Kontrahentin Dr. Henrike Voet zu ihrem Sieg. Foto: TimphausFairer Wahlverlierer: Stephan Blömer auf dem Weg zur Gaststätte Heinz. Dort gratulierte der 61-jährige Rechtsanwalt seiner Kontrahentin Dr. Henrike Voet zu ihrem Sieg. Foto: Timphaus

Im Moment ihres Triumphs richtete Voet den Blick auf den Krieg in der Ukraine. Sie erinnerte an die deutsche Historie und rief zur Solidarität mit den Schutzsuchenden auf.

Kurz ging die 38-Jährige auch auf den Wahlkampf ein. Sie konstatierte, ohne zuvor ins Detail gegangen zu sein: "Ich wusste, dass meine Kandidatur polarisieren würde." Voet machte deutlich, dass dies alles nun vergessen sei und sie gemeinsam mit den Bürgern "Lohne noch lebenswerter machen" wolle.

Im Gespräch mit OM-Online gab Voet zu, dass sie nicht mit einem so deutlichen Ausgang der Wahl gerechnet hatte. "Ich bin völlig überwältigt. Ich freue mich, dass das Angebot, das ich sowohl personell als auch thematisch gemacht habe, so gut bei den Lohnerinnen und Lohnern angekommen ist."

Ein Achtungserfolg: Frank Wassenberg in der Sportklause in Kroge-Ehrendorf. Später machte sich der 52-jährige Landwirt auf den Weg in die Lohner Innenstadt, um Dr. Henrike Voet zu ihrem Sieg zu gratulieren. Foto: HahnEin Achtungserfolg: Frank Wassenberg in der Sportklause in Kroge-Ehrendorf. Später machte sich der 52-jährige Landwirt auf den Weg in die Lohner Innenstadt, um Dr. Henrike Voet zu ihrem Sieg zu gratulieren. Foto: Hahn

Bedrückte Stimmung herrschte indes im Gasthaus Römann, bei den Anhängern von Stephan Blömer, der im Wahlkampf von der SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke und der Bürgerinitiative "Pro Wald" unterstützt wurde. Sie hatten sich deutlich mehr von diesem Abend erhofft. Der 61-Jährige selbst sagte, er sei "etwas enttäuscht. Ich hätte mir zumindest gewünscht, dass wir eine Stichwahl erreichen."

Als Grund für seine Niederlage führte Blömer die schwache Wahlbeteiligung an. "Unter 50 Prozent haben ihre Stimme abgegeben – darüber bin ich sehr enttäuscht. Das verstehe ich nicht, weil es um eine richtungsweisende Entscheidung ging." Dann zeigte er sich selbstkritisch: "Ich habe es nicht geschafft, die Leute dazu zu bewegen, zur Wahl zu gehen."

Nette Geste: Gemeinsam mit dem Landvolk Lohne schenkte Frank Wassenberg der Wahlsiegerin Dr. Henrike Voet einen schwarzen Trettrecker mit Anhänger – als Erinnerung für ihre Kinder. Damit du immer an mich und die Landwirte denkst. Foto: TimphausNette Geste: Gemeinsam mit dem Landvolk Lohne schenkte Frank Wassenberg der Wahlsiegerin Dr. Henrike Voet einen schwarzen Trettrecker mit Anhänger – als Erinnerung für ihre Kinder. "Damit du immer an mich und die Landwirte denkst." Foto: Timphaus

Wassenberg und Blömer präsentieren sich als faire Verlierer

In der Sportklause in Kroge-Ehrendorf war die Stimmung unter den etwa 70 Anwesenden deutlich ausgelassener. Frank Wassenberg sagte: "Den inoffiziellen Titel als Bürgermeister von Kroge habe ich behalten." Er spielte darauf an, dass er in seinem Heimatdorf nur mit einer Stimme (239 zu 240) gegen Voet verloren hatte – "und unsere Schwestern vom Kloster alle Briefwahl gemacht haben, sonst wäre ich glatt vorne". In Richtung der Wahlsiegerin merkte er an: "Wer mit knapp 60 Prozent gewinnt, hat es auch verdient.“

Sowohl Wassenberg als auch Blömer erwiesen sich als faire Verlierer. Sie gratulierten Voet im Laufe des Abends zu ihrem überzeugenden Wahlsieg. 

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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