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"Die CDU hat im Wahlkampf keine guten Ansätze gezeigt"

Bei der Juniorwahl an den weiterführenden Schulen liegen in Friesoythe FDP und SPD vorne, die Grünen sind nur am AMG stark. Für das überraschende Ergebnis haben die Schüler einleuchtende Erklärungen.

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Überraschendes Ergebnis: Politik-Lehrer Matthias Weisenstein (2. von rechts) präsentiert mit (von rechts) Sina Schmiemann, Niklas Steenken und Paul Emken das Resultat der Juniorwahl am AMG. Die FDP landet hier mit 22,3 Prozent auf Platz 2.    Foto: Stix

Überraschendes Ergebnis: Politik-Lehrer Matthias Weisenstein (2. von rechts) präsentiert mit (von rechts) Sina Schmiemann, Niklas Steenken und Paul Emken das Resultat der Juniorwahl am AMG. Die FDP landet hier mit 22,3 Prozent auf Platz 2.    Foto: Stix

Wenn es nach den Schülerinnen und Schülern der Berufsbildenden Schulen Friesoythe (BBS) geht, stellt die FDP den nächsten Bundeskanzler. Bei der bundesweiten Juniorwahl erreichten die Liberalen an den BBS 29 Prozent der Stimmen und wurden mit Abstand stärkste Kraft vor der SPD (20 Prozent). Auch am Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) zählt die FDP zu den großen Parteien. Sie liegt hier mit 22,3 Prozent knapp hinter der SPD (23,8 Prozent) und noch vor den Grünen (21 Prozent). 

Das starke Ergebnis der Liberalen hat die Jugendlichen zwar selbst überrascht, sie haben jedoch einleuchtende Erklärungen parat. "Die stecken viel in die Digitalisierung rein", sagt etwa BBS-Schüler Tim Bley. Sina Schmiemann vom AMG vermutet, dass das gute FDP-Ergebnis an den von der FDP besetzten Themen liegt. „Digitalisierung und die Förderung von Innovationen spricht viele Jugendliche an“, sagt sie. „Und auch am Thema Start-ups, das bei der FDP stark ist, sind viele Jugendliche bei uns interessiert.“ 

FDP profitiert von starkem Auftritt in den sozialen Medien

Hinzu kommt, dass die FDP es ganz offensichtlich auch geschafft hat, die Jugendlichen auf dem richtigen Weg anzusprechen. Leslie Sielenu von den BBS hat beobachtet, dass die FDP in den sozialen Medien deutlich aktiver war als die anderen Parteien. „Das hat dann natürlich das Interesse geweckt“, hat sie beobachtet. Möglicherweise, so ihre Vermutung, habe auch die FDP-Forderung nach einer Legalisierung von Cannabis dazu beigetragen, sich näher mit der Partei zu beschäftigen. Auch bei ihrem Klassenkameraden Nik Horn sind die Online-Aktivitäten der FDP gut angekommen. "Die FDP kommt in den sozialen Netzwerken jung rüber", sagt er. Die CDU habe das auch versucht, "aber das ist immer ins Lächerliche gegangen".

Schüler favorisieren eine Ampel-Koalition

Über die Koalitionsfrage müssten die Parteien, wenn es nach den Schülerinnen und Schülern des AMG geht, nicht lange diskutieren. "Eindeutig die Ampel", sagt etwa Paul Emken. "Das wäre das repräsentativste Ergebnis für die Jungwähler", ergänzt Sina Schmiemann. "Die CDU kommt bei jungen Menschen nicht so gut an." Außerdem werde die Jugend bei den Grünen und der SPD am besten gehört, findet Niklas Steenken. "Die CDU hat im Wahlkampf keine guten Ansätze gezeigt, die anderen drei leisten bei wichtigen Themen die beste Arbeit", so seine Überzeugung. "Auch wenn sich die FDP beim Thema 'Fridays for Future' nicht mit Ruhm bekleckert hat." 

Einigkeit herrscht an beiden Schulen auch beim Thema Wahlalter. "Ich finde, ab 16 hat man die nötige geistige Reife, sich eine eigene Meinung zu bilden", sagt etwa Tim Bley. Die 17-jährige Leslie Sielenu weist darauf hin, dass sie bei den Kommunalwahlen wählen durfte, am vergangenen Sonntag aber nicht – ein Punkt, den auch Schmiemann anspricht: "Man hat das Gefühl, dass die Kommunalwahl weniger relevant ist als die Bundestagswahl", sagt sie. Dabei zeige das Ergebnis der Juniorwahl, dass es zwischen dem Wahlverhalten von 16-Jährigen und den kaum älteren Erstwählern keinen Unterschied gebe. Auch AMG-Lehrer Matthias Weisenstein, der die Juniorwahl am AMG betreute, hat eine klare Meinung zum Wahlalter. "Viele 16- und 17-Jährige bilden sich ein reiferes Urteil als Ältere", sagt er. "Ich kann die Forderung nur mit Nachdruck unterstützen."

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