Bürgermeister Dr. Krug verrät, was die Gemeinde Holdorf 2024 vorhat
Auf der Einwohnerversammlung blickt der Verwaltungschef auf die kommenden Projekte. Die drehen sich vor allem um den Verkehr und das Bauen. Unterschiedliche Ansichten gibt's beim Thema Ortsdurchfahrt.
Auskunftsfreudig: Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Foto: Böckmann
Wer regelmäßiger die Sitzungen und Versammlungen der Gemeinde Holdorf besucht, der weiß, dass er etwas Sitzfleisch mitbringen muss. Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug gibt immer gerne ausführlich Auskunft, Ratsfrauen- und -herren diskutieren konstruktiv-fair, die Zuhörer dürfen sich (fast) immer beteiligen. Ausführliche Einblicke in das Gemeindeleben gibt's immer am Jahresanfang bei der Einwohnerversammlung.
Das war auch am Mittwochabend in der Bauernschänke Bocklage in Ihorst der Fall. Exakt 167 Minuten blickte der Bürgermeister voraus, zurück und diskutierte mit den 55 Gästen. Heimatfreunde und Landwirte, Politiker und Sportler, Naturschützer und Landfrauen, Plattschnacker und Mitglieder der Dorfgemeinschaften informierten sich über die Themen, die 2024 (und darüber hinaus) in Holdorf wichtig werden.
Die Integration: Als "Gemeinschaftsaufgabe" nennt Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug die Integration von Geflüchteten. Die in der Gemeinde bisweilen kursierende Diskussion über die "Überfrachtung durch Flüchtlinge", kann der Bürgermeister "nicht nachvollziehen". Ja, die Integration sei "'ne Menge Arbeit für die Verwaltung und das Ehrenamt. Aber für Holdorf bekommen wir das hin." Wenn er das Wort "Remigration" höre, dann stellten sich ihm die Nackenhaare auf.
Aktuell leben in Holdorf 61 anerkannte Flüchtlinge und zehn Asylbewerber. Diese stammen zum allergrößten Teil aus Syrien. Außerdem leben exakt 100 hilfsbedürftige Ukrainer in der Südkreis-Kommune.
Ausbau der Industriestraße:Das Mammutprojekt ist mit den Baumfällungen bereits gestartet. Der offizielle Spatenstich erfolgt am 1. Februar (Donnerstag), der vertiefte Baubeginn am 5. Februar (Montag). Es gibt fünf Bauabschnitte, die Bauabschnitte 1 und 3 sowie 2 und 4 erfolgen jeweils parallel. Bis Weihnachten 2024 sollen die Arbeiten möglichst beendet sein.
Bauzeit und Bauabschnitte: So soll der Ausbau der Industriestraße ablaufen. Grafik: Eberhard Ingenieure
Es ist kein Durchfahrtsverkehr mehr möglich. Die Gewerbetreibenden und die Anlieger sind aber weiterhin erreichbar. Die Dopheide wird bis zur Straße Im kleinen Esch verlängert; dort soll auch ein überfahrbarer Kreisverkehr entstehen. Die Kosten, das betonte Krug noch einmal, liegen aktuell bei 8,6 Millionen Euro. Kurz nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs waren noch Kosten von 12,6 Millionen Euro befürchtet worden.
Ortsdurchfahrt: Das größte Infrastrukturprojekt der Gemeinde hat auch Auswirkungen auf die Ortsdurchfahrt. Denn dorthin wird sich zwangsläufig der Verkehr verlagern. Das Lkw-Verbot ist bereits behoben, die Poller sind bereits abgebaut. Und diese Einengungen sollten nach Meinung einiger Gäste der Einwohnerversammlung auch dauerhaft verschwinden.
Ortsdurchfahrt ohne Poller: So sieht es derzeit auf der Große Straße aus. Foto: Böckmann
"Die schlechteste Entscheidung überhaupt" sei es gewesen, die Poller aufzustellen. Verkehrsteilnehmer ohne VEC-Kennzeichen hätten nie verstanden, wie die Durchfahrt zu regeln sei. "Pottenhässlich" seien sie obendrein, war außerdem zu hören.
Der Bürgermeister findet jedoch: "Die Poller haben hervorragend funktioniert. Wir machen das für die Anwohner." Wenn der Ausbau der Industriestraße beendet sei, werde die Politik beraten müssen, wie sie den Verkehr auf der Ortsdurchfahrt regeln möchte.
Weitere Verkehrsprojekte: Die Gemeinde möchte 2024 weiter in die Verkehrssicherheit investieren. Grundsätzlich bedeutet dies: Sie möchte ein Verkehrskonzept für Holdorf-Ort aufstellen. Das Ziel: Für Radfahrer und Fußgänger soll es bessere Bedingungen geben. Außerdem sollen die Verkehrsströme besser gelenkt werden.
Fest steht, dass auf der Neuenkirchener Straße in Fladderlohausen in Höhe der Bushaltestelle eine Bedarfsampel kommen wird (Kosten: rund 50.000 Euro). Sicher ist auch, dass der Fahrradweg zwischen Holdorf-Bahnhof bis zur Bergstraße in Handorf-Langenberg – also auch entlang der BMX-Bahn – ausgeleuchtet wird. Die Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Handorf-Langenberg, Amelie Lausch, empfahl, einen Spiegel an der Kreuzung an der unübersichtlichen Bergstraße/Herbert-Klose-Straße aufzustellen.
Es tut sich weiterhin nichts: Der Radweg auf Holdorfer Gemeindegebiet endet hier. Foto: Böckmann
Noch nicht weiter ist die Gemeinde mit den Planungen für den Fahrradweg zwischen Fladderlohausen und Nellinghof. Krug ärgerte sich, dass die Untersuchungen für Flora und Fauna vieles verzögerten. Der Bürgermeister hatte eigentlich gehofft, dass spätestens Ende 2023 der Lückenschluss endlich vollzogen sei. Die ersten Diskussionen über den Radweg waren schon vor Krugs Amtsantritt 2004 gestartet worden.
Energie: Es hat sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Fraktionen und dem neuen Hauptamtsleiter Dennis Vaske gebildet. Sie prüfen die Gründung von „Holdorf Energie“. Das heißt: Eine Bündelung aller Akteure im Bereich der Erneuerbaren Energien (Grundstückseigentümer, Gewerbetreibende, Bevölkerung), um laut Bürgermeister Krug „eine möglichst direkt Vernetzung von den Produzenten hin zu den Abnehmern zu erreichen, bei einer Beteiligung der Bevölkerung an der Wertschöpfung“.
Schulen: Stillstand herrscht seit Längerem auch an den Bauprojekten an zwei Schulen. Dass die Barbara-Schule einen Anbau für neue Klassenzimmer plus Mensa benötigt, ist unstrittig. Die Planungen liegen aber weiter in der Schublade, weil die Gemeinde noch nicht weiß, wie hoch die Förderung für den verpflichtenden Ganztagsunterricht ab 2026 aussieht.
Für die Oberschule versprach Krug, dass in diesem Jahr nun endlich die Erweiterung des Lehrerzimmers in Angriff genommen wird. Zusätzlich wird an der Georg-Kerschensteiner-Schule ein Bildungscamp (Projekt Pfiffkus) eingerichtet.
Bürgerpark und Bürgerhaus: Auch bei diesen zwei Projekten tut sich aktuell nichts. "Wir sind 5 bis 6 Wochen in Verzug", räumt Bürgermeister Krug ein. Beim Bürgerhaus liegt es am Wetter; möglichst bis Weihnachten 2024 sollen Haupthaus und Remise stehen. Beim Bürgerpark stocken die Arbeiten, weil die Gemeinde auf noch höhere Zuschüsse (dann bis zu 75 Prozent) hofft. Ende Januar, Anfang Februar soll es dort eine Rückmeldung geben.
Stand Rede und Antwort: Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Foto: Böckmann
IGeHa: Die "Mutter aller Gewerbeschauen" war 2020 coronabedingt ausgefallen. Jetzt steht ein neuer Termin fest: Am letzten April-Wochenende 2026 soll die Messe für Industrie, Gewerbe und Handel entlang der Industriestraße stattfinden.
Info I: Wie der Neujahrsempfang 2024 der Gemeinde Holdorf lief, lesen Sie hier.
Info II: Der Rück- und Ausblick von Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug soll auf der Gemeindehomepage veröffentlicht werden.