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Bauern aus dem Kreis Vechta protestieren in Hannover

Etwa 40 Landwirte kamen zur Mahnwache der Bewegung "Land schafft Verbindung". Noch am Dienstag gab es eine Einigung mit der Regierung zu den umstrittenen "roten Gebieten" mit strengeren Düngeregeln.

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Protest in der Landeshauptstadt: Landwirte aus dem Landkreis Vechta in Hannover am Ort der Mahnwache vor dem Agrar- und dem Umweltministerium. Foto: Tzimurtas

Protest in der Landeshauptstadt: Landwirte aus dem Landkreis Vechta in Hannover am Ort der Mahnwache vor dem Agrar- und dem Umweltministerium. Foto: Tzimurtas

Es war um 14.04 Uhr, als am Dienstag die Hupen der Trecker aus dem Landkreis Vechta im Zentrum von Hannover ertönten. Der Konvoi aus 25 Schleppern mit blinkenden Rundumleuchten fuhr - von Polizeiwagen eskortiert - das Leibnizufer entlang. Dann parkten die Fahrzeuge in der Nähe des Landtags am Leine-Ufer.

Etwa 40 Landwirte, die eine beschwerliche Fahrt bewältigt hatten, stiegen aus, gingen zur gegenüberliegenden Calenberger Straße, die zwischen dem Agrar- und dem Umweltministerium des Landes Niedersachsen verläuft.

Protest richtet sich gegen rote Gebiete

Hier sollte die Wachablösung stattfinden. Denn an dieser Stelle harrten bereits seit 10 Tagen Bauern der Bewegung "Land schafft Verbindung" (LsV) aus - mit einer "Mahnwache". 2 Zelte, ein Plan- und ein Toilettenwagen mit Dusche, 3 Trecker, ein großer Grill und ein selbstgebauter Kanonenrohrofen - das ist das Protestcamp der Landwirte aus Niedersachsen im Regierungsviertel der Landeshauptstadt.

Trecker-Kolonne aus Vechta im Regierungsviertel. Foto: TzimurtasTrecker-Kolonne aus Vechta im Regierungsviertel. Foto: Tzimurtas

Auch grüne Holzkreuze, die bekannten Symbole des stillen Protests der Landwirte, sind zu sehen. Auf einem Transparent steht: "Rote Gebiete = Beamtenwillkür". Und: "Verursacherprinzip jetzt".

Damit sind der Grund der Protestaktion und die zentrale Forderung der Landwirte benannt. Die Bauern werfen der Landesregierung vor, die roten Gebiete, in denen zum Schutz des Grundwassers strengere Düngeauflagen gelten, nach sachlich nicht nachvollziehbaren Kriterien eingeteilt zu haben.

Und sie wollen erreichen, dass allein Verursacher von den Einschränkungen bei der Ausbringung von Gülle und anderem Dünger betroffen sind. Was jetzt als Regelung vorliegt, ist ihnen zu pauschal. Die Bauern fürchten Einbußen.

Die Ausweisung der nitratsensiblen Zonen ist bereits einmal vom Land überarbeitet worden. Auf den erst im Dezember veröffentlichten neuen Karten verringern sich die "roten Gebiete" in Niedersachsen von 39 auf 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Im Landkreis Vechta sind allerdings weiterhin etwa 60 Prozent der Gesamtfläche "rote Gebiete".

Und so sind auch aus dem Landkreis Vechta Dutzende Landwirte nach Hannover gekommen, um sich an der Mahnwache zu beteiligen. Unter ihnen ist Joseph kleine Holthaus (37) aus Steinfeld. Er könne nicht nachvollziehen, wie die "roten Gebiete" eingeteilt wurden. Und wenn er als Agraringenieur das nicht verstehe, dann erwarte er, dass "man es mir erklärt".

Hendrik Niebur-Ossenbeck (26) aus Damme ist nach Hannover gekommen, um zu zeigen, dass sich die Landwirte nicht abfinden mit den zur Debatte stehenden Maßnahmen. Seine Flächen würden zu 60 Prozent in "roten Gebieten" liegen. Doch: Bei ihm seien gar keine Nitratmessungen vorgenommen worden. Er wisse nicht, auf welche Brunnen sich die Regierung in seinem Fall beziehe, sagt der Agraringenieur.

Die Landwirte haben die größte Sorge und Wut wegen dieser Auflage: In "roten Gebieten" darf nur 20 Prozent unter dem Nährstoffbedarf der Pflanzen gedüngt werden. Stefan Meyer-Coors (35) aus Handorf-Langenberg erklärte: Im Raum Holdorf gebe es "sehr leichte Böden", da falle die Reduzierung um 20 Prozent noch mehr ins Gewicht. Dem Boden werde noch mehr an Nährstoffen entzogen. Auch er sagt: "Bei uns wurde nicht gemessen". Er wisse nicht, warum er mit seinen Äckern im "roten Gebiet" liege.

Regierung kommt Landwirten entgegen, die sich vorerst zufrieden zeigen

Die 2 Schichten der Mahnwache, die die Vechtaer übernehmen wollten, sollten bis Mittwochfrüh um 6 Uhr dauern. Doch es kam anders: Eine Verhandlungsrunde aus LsV-Vertretern und Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) sowie Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatte einen Kompromiss erzielt. Die Mahnwache sollte noch am Nachmittag beendet werden.

So waren die Landwirte aus dem Landkreis Vechta gerade rechtzeitig eingetroffen, um den gemeinsamen Auftritt von Otte-Kinast, Lies und den LsV-Sprechern Dirk Koslowski sowie Anthony Lee beizuwohnen.
Unterm Strich kam heraus: Die Ausweisung der "roten Gebiete" soll erneut überarbeitet werden - und LsV-Vertreter reden mit, wenn die sogenannte "Regionalisierung" vorgenommen wird, die weitaus präzisere Erfassung der örtlichen Belastung des Grundwassers. Es geht also um eine differenziertere und nachvollziehbare Feingliederung bei der Einteilung der "roten Gebiete".

Nach der Verkündung dieses Stands der Dinge zeigten sich die Landwirte zufrieden - vorerst. Koslowski sieht einen "Teilerfolg". Von anderen hieß es, nun komme es auf das Ergebnis an.

Pressekonferenz zur Einigung: (von links) Umweltminister Olaf Lies (SPD), Dirk Koslowski (LsV), Anthony Lee (LsV), Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Foto: TzimurtasPressekonferenz zur Einigung: (von links) Umweltminister Olaf Lies (SPD), Dirk Koslowski (LsV), Anthony Lee (LsV), Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Foto: Tzimurtas

Auch der Vorsitzende des Vechtaer Kreislandvolkverbandes (KLV), Dr. Johannes Wilking, und der Verbandsgeschäftsführer Dr. Friedrich Willms waren nach Hannover gekommen. Aus Solidarität.

Das Vechtaer Landvolk hatte mit anderen Kreislandvolkverbänden ein Gutachten zu den Nitrat-Messstellen in Auftrag gegeben, die das Land zur Einteilung der "roten Gebiete" nutzt. Das Gutachten der Firma "Hydor Consult GmbH" unter der Leitung des renommierten Geologen Dr. Stephan Hannappel stellte bei 97 Prozent von 648 amtlichen Nitratmessstellen Mängel fest. Es folgte eine vom Landvolk unterstützte Klage einzelner Landwirte gegen das Land. Und auch als der Ort der Mahnwache bereits geräumt wurde, sagte Wilking, die Klage werde trotz des Kompromisses aufrecht erhalten.

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