Eine Partei auf dem absteigenden Ast: Die Linke verliert zunehmend an Bedeutung in der bundesdeutschen Politik. Die meisten Gründe dafür sind hausgemacht, weil die Partei weder mit ihrem Spitzenpersonal noch mit ihrer Politik längst nicht mehr zu den Wählern, besser zu deren übergroßer Mehrheit, durchdringt. Wer eine Janine Wissler und einen Martin Schirdewan an seiner Spitze stehen hat und dann auch noch eine Carola Rackete zu seiner Spitzenkandidatin bei der Wahl des Europäischen Parlaments macht, der zeigt es auch dem letzten Wähler überdeutlich: Die Partei hat personell komplett heruntergewirtschaftet.
Hinzu kommt: Die Führungsriege hat komplett unterschätzt, was der Abgang Sahra Wagenknechts für Die Linke bedeutet. Sie war neben Gregor Gysi und in Grenzen Dietmar Bartsch die letzte Galionsfigur, die geholfen hat, das schon seit langer Zeit schlingernder Linke-Schiff wenigstens einigermaßen an den Klippen vorbeizusteuern.
„Die Partei hat personell komplett heruntergewirtschaftet.“
Dass Wissler und Schirdewan nun ankündigen, im Herbst nicht unbedingt erneut für ihre Ämter kandidieren zu wollen, kommt viel zu spät. Sie hätten noch am Abend der Europaparlamentswahl angesichts der krachenden Niederlage ihre Hüte nehmen müssen.
Dann hätte die Partei die Chance gehabt, kurzfristig einen runderneuerten Vorstand zu wählen, der deutlich mehr Zeit gehabt hätte, Die Linke auf die Bundestagswahl 2025 vorzubereiten. Zudem hätte die Personaldebatte die Partei nicht bis zu den Landtagswahlen im Herbst belastet. So aber wird das Paket, das Wissler und Schirdewan ihren Genossen aufbürden, noch viel schwerer. Frau Wagenknecht freilich wird es freuen.