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AfD-Wähler flüchten in die Arme Putins

Gästebuch: Die AfD ist im Aufschwung – nicht nur in Molbergen, auch in Cloppenburg. Das ist nicht mehr das Südoldenburg von vor einer Generation. Wir sind mitten in einer Zeitenwende.

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Die diakonische Kindertagesstätte "Arche" in Cloppenburgs Fontanestraße kann wirklich nichts dafür. Die Entscheidung kommt von oben. Die kleinen Menschen hier sind gleich und frei und voller Frieden. Alle paar Jahre wird die Kita ein Ort der Ausübung demokratischer Rechte. Sprich: Aus dem Kindergarten wird ein Wahllokal. Was allerdings und wen die Herrschaften in der "Arche" ankreuzen, bleibt deren Sache.

Doch abgerechnet wird zum Schluss. So wie hier am vergangenen Wahlsonntagabend. Da kam es heraus: Die "Arche" hat den Vogel abgeschossen. Oder genauer gesagt: Die Wahlbesucherinnen und – besucher haben sich mit einem kräftigen "Doppelwumms" an die Spitze des Landkreises geschossen. Endlich einmal Erster. Jeder Zweite nämlich, also fast 50 Prozent der Urnengängerinnen und –gänger, ist hier in die Arme Putins geflüchtet. Sie halten eine russlandlastige Partei für eine Alternative für Deutschland. Jeder Zweite. Respekt der Fontanestraße und dem Sternbusch umzu. Mehr Busch als Stern. Das hätte nicht jeder von denen erwartet.

Okay: Die AfD hat im ganzen Land zugelegt. Von morgens bis abends Krisen und Krieg und alles kaputt. Das Geld wird immer knapper, der Winter immer kälter, die Familien immer frustrierter und viele Ehen stehen vor dem Aus. Wo ist die heile Welt geblieben? Da sehnt sich mancher nach dem harten Mann, nach dem Diktator, gütig und gerecht. Einer, der das Sagen hat und es dann auch noch gut meint. Mein Gott: Soll der Putin doch einen Teil der Ukraine kriegen, wenn dann man endlich Ruhe ist. Mein Gott: Was sollen die Sanktionen, die uns doch mehr schaden, als dem Putin, auch wenn es wegen eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs ist. Hauptsache der Diktator liefert wieder Gas und wir haben es warm.

"In einem freien Land mit freier Presse und freier Meinungsäußerung muss man sich nicht in die Arme eines Kriegstreibers flüchten und seinen Vasallen vor Ort auch noch ein demokratisches Mäntelchen umhängen."Otto Höffmann

Was soll schon so schlimm daran sein, wenn in der "Arche" knapp 50 Prozent die AfD wählen? Molbergen Nord-Ost (sic!) lag bei 42 Prozent. Molbergen Nord-West bei 33 Prozent. Garrel-Kaifort mühte sich mit allen Kräften, schaffte es jedoch nur auf 26,5 Prozent. Molbergen war doch keine Überraschung. Viele unserer altsozialistischen, neudemokratisierten Mitbürgerinnen und Mitbürger sehnen sich doch immer noch nach dem starken Mann. Und das russische Fernsehen zwischen Molbergen Ost und Molbergen West sagt ihnen ja täglich, was alles Mist ist am Westen und toll am Osten. Und Bürgermeister Vitali sitzt frustriert zwischen allen Stühlen in der Asche.

Die bedauernswerten Menschen in Russland selbst mögen das ja alles glauben, was ihnen die Propaganda täglich ins Gehirn zimmert. Aber im Oldenburger Münsterland? In einem freien Land mit freier Presse und freier Meinungsäußerung muss man sich nicht in die Arme eines Kriegstreibers flüchten und seinen Vasallen vor Ort auch noch ein demokratisches Mäntelchen umhängen. Ein Angriffskrieg ist eben kein Fliegenschiss.

Das ist nicht mehr das Südoldenburg von vor einer Generation. Wir sind mitten in einer Zeitenwende in unserem kleinen oldenburgisch-münsterländischen Biotop. Irgendwann bleibt den Kindern des Kindergartens "Arche" nur noch eine ebensolche als Rettung. Wir setzen auch uns schon mal auf die Warteliste.

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