Und? Wie sah es in dieser Woche bei Ihnen aus – so untenrum? Nicht, was Sie jetzt vielleicht meinen! Ich meine Ihren Keller. Unser war weiterhin nass, inzwischen seit 2 Wochen. Und ich meine nicht nur ein Pfützchen auf dem Kellerboden. Ich meine wirklich nass. Satte 1000 (!) Liter pumpen wir dort jeden Tag raus. Gott sei dank waren wir auch schon vor den Arche-Noah-ähnlichen Zuständen im OM stolze Besitzer einer Wasserpumpe. In den vergangenen Wochen wurde diese ja fast mit Gold aufgewogen. Das Zeitfenster für diese geniale Geschäftsidee – Pumpen ausleihen – ist mit dem Ende dieser kalten, aber trockenen Woche aber leider schon wieder geschrumpft.
Unseren Keller scheint das trockene Wetter draußen aber nur wenig zu tangieren. Daher konnte ich in den vergangenen Wochen mitunter nur müde lächeln, wenn mir Freunde ihr Leid von ihrem "vollgelaufenen" Keller klagten. Bei genauerer Nachfrage entpuppte sich das "vollgelaufen" als ein Pfützchen, das täglich mit einem Wischer zu stemmen war.
Anders leider in unserem Keller, der diesbezüglich richtig angibt, und anderen Kellern offenbar beweisen will, was "vollgelaufen" heißt. Nach den andauernden Regenfällen hatten wir schon kurz vor Weihnachten arge Bedenken, als wir uns in die Abgründe des Hauses wagten. Doch einen Tag vor Heiligabend die Überraschung – alles trocken! Maria und Josef saßen mit ihrem Neugeborenen im Trockenen, zusammen mit den drei Heiligen Königen, einigen wolligen Schafen und der Holzkrippe. Frohen Mutes und voller Vorfreude auf das Fest, holten wir sie alle aus dem Keller. Zum Fest selbst konnte ich noch schön bei allen Verwandten, die mir ihr Leid von ihrem "vollen" Keller klagten, angeben: "Nein, unser Keller ist absolut trocken!"
"Gummistiefel an, Pumpe anschließen und vor allem: retten, was noch zu retten ist. Also wurde ich unfreiwillig zwischen den ruhigen Feiertagen zum Kameltreiber."
Als schließlich alle Verwandten versorgt, alle Geschenke ausgepackt und das Festmahl einigermaßen verdaut war, wurde es wieder etwas leerer in der Stube. Daher fiel mir erst dann auf: Wo ist eigentlich das Kamel der Heiligen Drei Könige? Also ab in den Keller. Das Erwachen kam, als mir das Kamel entgegenschwamm! Ich wusste bis dato gar nicht, dass Kamele schwimmen können, sogar die aus Stein. Etwa 20 Zentimeter Wasser standen da schon im Keller.
Schock! Doch was nützt es: Gummistiefel an, Pumpe anschließen und vor allem: retten, was noch zu retten ist. Also wurde ich unfreiwillig zwischen den Feiertagen zum Kameltreiber. Daneben schwammen unzählige alte Familienfotos. Sie fanden schnell auf allen verfügbaren Tischen und Stühlen einen Platz zum Trocknen. Die meisten haben ihren Badeausflug zum Glück relativ unbeschadet und nur leicht wellig überstanden.
Am ersten guten Vorsatz des neuen Jahres ist damit schon ein Haken
Anders sieht es bei unzähligen alten, liebevoll verzierten Deckchen, Bettwäsche oder Tischdecken aus, die bis dato seit Jahrzehnten im Keller weilten. Sie hatten den tagelangen Badeurlaub leider nicht unbeschadet überstanden. Schade um diese schönen Erinnerungen. Aber auf der anderen Seite auch mal ein Grund auszumisten. Denn so einiges ist in diesen Tagen in dem Keller aufgetaucht, von dem ich nicht einmal wusste, dass wir es besitzen.
Optimisten – wie ich – sehen daher in der Kellerflutung auch etwas positives: Zu Beginn des neuen Jahres einfach mal richtig ausmisten! An diesen – wenn auch unfreiwilligen – guten Vorsatz für das neue Jahr kann ich heute schon einen Haken machen. So könnte ich mich nun beruhigt zurücklehnen. Wenn da nur die Pumpe nicht wäre, die mich weiter täglich ruft, bis das Grundwasser (endlich) wieder sinkt und nicht mehr durch das alte Gemäuer drückt. Aber bitte nicht zu doll, sonst meckern im Sommer wieder alle.
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