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"Wir sind die Anwälte der Schülerinnen und Schüler"

Schulsozialarbeiter haben immer ein offenes Ohr für die Belange der Kinder und Jugendlichen. Aber das ist nicht ihre einzige Aufgabe.

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Setzen sich für die Schüler und Schülerinnen ein: Markus Heimbuch und Irina Tymko. Foto: E.Wenzel

Setzen sich für die Schüler und Schülerinnen ein: Markus Heimbuch und Irina Tymko. Foto: E.Wenzel

Die Schulzeit – Jeder hat sie durchlaufen. Eins ist klar: Sie ist nicht immer eine einfache Zeit. Ob es nun Probleme im Unterricht, Konflikte mit Mitschülern oder ein kompliziertes Familienleben sind, an vielen Stellen könnte Hilfe nötig sein. Genau dafür gibt es die Schulsozialarbeiter.

Am Gymnasium Damme sind gleich zwei von ihnen angestellt. Im September lösten Irina Tymko und Markus Heimbuch ihre Vorgängerin ab. Beide arbeiten in Teilzeit. Wie ihr Alltag tatsächlich aussieht, sei immer unterschiedlich, berichtet Heimbuch. "Planbar ist nur, dass nichts planbar ist", scherzt er.

Doch zu tun, gebe es genug. Zuständig seien Tymko und Heimbuch für die Beratung von Schülern, Lehrern und Eltern sowie für mehrere Projekte und Angebote. Das beinhaltet zum Beispiel, den Schülern spielerisch zu vermitteln, wie man einen Konflikt löst oder gibt ihnen Techniken an die Hand, wie sie ihr Selbstbewusstsein stärken. Dieses soziale Konzept des Gymnasiums Damme basiert auf dem Programm "LionsQuest". Zentraler Pfeiler dabei ist das Motto "erwachsen handeln". Für die Durchsetzung des Programms sorgen Tymko und Heimbuch.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Dagmar Frank, die Schulsozialarbeiterin der Hauptschule Damme. Auch sie organisiert unter anderem Arbeitsgemeinschaften, Programme und Projekttage, wie etwa den Gesundheitstag. Dieser reicht von Hör- und Sehtests bis zu Informationen zu häuslicher Gewalt. Ihr Konzept basiere auf dem Grundgesetz. Sie lehrt die Schüler: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." 

Das Grundgesetz als Orientierung: Dagmar Frank achtet darauf, dass die Kinder einander mit Respekt behandeln. Foto: E.WenzelDas Grundgesetz als Orientierung: Dagmar Frank achtet darauf, dass die Kinder einander mit Respekt behandeln. Foto: E.Wenzel

Wie ihre Arbeit in der Praxis aussieht, zeigt sich im Fach "Verfügung" in einer fünften Klasse. Dieses sei der Sozialarbeiterin gewidmet. Noch bevor es in die Klasse geht, müssen sich die Schüler in einer geordneten Reihe aufstellen und Dagmar Frank begrüßen. Dann geht es an den nächsten Schritt: Ist das Klassenzimmer nicht ordentlich, beginnt die Stunde nicht. Gemeinsam werden dann die Probleme und Konflikte der Woche besprochen. Die Kinder applaudieren, wenn jemand sein Verhalten verbessert hat.

Trotzdem werden Fehltritte nicht ignoriert. Kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Schülern, redet die Klasse über den Vorfall. Dabei wird den Schülern stets vermittelt, welche Grundrechte sie haben und welche Grundrechte es zu schützen gilt. Die Gruppe sucht gemeinsam nach Lösungen und entwickelt Verbesserungsvorschläge für das Verhalten. Eines steht für die Schulsozialarbeiterin aber fest: Gewalt wird nicht toleriert. "Wer schlägt, der geht. Da ist unsere Schule ganz streng."

Schüler können bei regelmäßigen Terminen Ziele festlegen und besprechen

Doch nicht nur in den Klassen können die Schüler über ihre Probleme reden. Tymko und Heimbuch haben feste Sprechzeiten – für Schüler und für Eltern. Während dieser Zeiten können die Schüler jederzeit mit ihnen reden. Einige kämen regelmäßig vorbei. Dann können die Schüler mit den Experten Wochenziele festlegen. Zudem können die Kinder einfach aus ihrem Leben erzählen.

Und die Schüler wissen: "Bei uns ist das eine kleine Insel", beschreibt Heimbuch. Dort könne man offen reden. Die Schulsozialarbeiter haben die entsprechende Ausbildung und sind neutral. Im Zweifelsfall seien sie sogar auf der Seite der Schüler. "Wir sind die Anwälte der Schülerinnen und Schüler", meint Heimbuch. Das könnten Lehrer nicht bieten. Zu ihnen hätten die Schüler zwar die engste Beziehung, gleichzeitig bestünde aber immer die Sorge, dass sich private Gespräche auf die Noten auswirken, erklärt der Schulsozialarbeiter.

Außerdem fehle es den Lehrern schlichtweg an Zeit, sich immer der Fülle der Probleme im Schulalltag zu widmen. "Wir haben die Zeit, uns der Situation zu widmen und der Lehrer kann den Unterricht weitermachen", so Heimbuch. Ob die Schüler die Hilfe annehmen, sei ihre Entscheidung. Das Angebot ist freiwillig. Darüber hinaus betont Heimbuch: "Wir sind keine Therapie." Werden schwerwiegende Probleme erkannt, vermitteln die Sozialarbeiter zu den richtigen Stellen.

Die Pandemie verändert die Kommunikation mit den Schülern

Das Angebot in der Corona-Zeit aufrechtzuerhalten, sei schwierig, geben die Sozialarbeiter zu. Die Pandemie selber sei bei den Schülern aber kein großes Thema gewesen. Stattdessen hätte sich allerdings die Kommunikation geändert. Während des Lockdowns war Dagmar Frank beispielsweise per Videokonferenz erreichbar – "Das 'offene Ohr' von Frau Frank" nannte sich die Lösung. Dass diese Lösung nicht perfekt war, zeigte sich aber darin, dass der persönliche Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern fehlte. So ließen sich manche Probleme schwieriger lösen.

Auch jetzt prägt Corona die Arbeit der Schulsozialarbeiter. Tymka und Heimbuch mussten ihr Angebot anpassen, um den Corona-Regeln gerecht zu werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass Projekte, die sonst in Gruppen durchgeführt wurden, nun erstmal nicht mehr möglich sind. "Es fehlt was", bemängelt Tymka.

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