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Willehard Schomberg, der Orgelbaumeister aus Kamperfehn

Sein Wissen gibt er aktuell an seine Auszubildende Inken Trump weiter. Gerade erst haben die beiden die Orgel in Friesoythe gestimmt.

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Die Orgelpfeifen werden gestimmt. Willehard Schomberg (vorne) macht dies bei den Zungen mit einem Stimmeisen. Seine Auszubildende Inken Trump (hinten) ist mit dabei. Foto: Wenzel

Die Orgelpfeifen werden gestimmt. Willehard Schomberg (vorne) macht dies bei den Zungen mit einem Stimmeisen. Seine Auszubildende Inken Trump (hinten) ist mit dabei. Foto: Wenzel

Die Vielfalt macht's: Sie motiviere ihn jeden Arbeitstag neu, sagt Willehard Schomberg. Der 46-Jährige ist Orgelbaumeister aus Kamperfehn. Dort steht seine 600 Quadratmeter große Werkstatt. Häufig ist er aber unterwegs, um Musikinstrumente zu stimmen und zu warten. Gerade erst war er in Friesoythe, um die Orgel der Pfarrkirche St. Marien wieder besser klingen zu lassen. Und auch nach Vechta führte ihn unlängst der Dienstweg.

Rund 40 Mal im Jahr sorgt Schomberg bei Instrumenten für den richtigen Ton. Je nach Größe der Orgel benötigt er zwischen einem halben und 3 Tagen. Aufwendiger sei das Reinigen einer Orgel, denn dafür werde sie auseinandergebaut, um die Pfeifen zu säubern und Verschleißteile zu tauschen, sagt der Profi. Anschließend baue er sie vor Ort wieder ein und stimme sie, sagt der 46-Jährige. Dafür brauche er insgesamt etwa 3 Wochen; manchmal auch länger.

Interessant sei für ihn beispielsweise Ostfriesland mit seinen vielen historischen Orgeln. Vor allem die Instrumente von Arp Schnitger haben es Schomberg angetan. „Das war schon ein Könner.“ Ihn beeindrucke die Qualität und Anzahl der Orgeln, die Schnitger im 17. Jahrhundert hergestellt habe.

Unterwegs ist der 46-Jährige nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen, Dänemark und Estland. Dabei arbeitet er in der Regel an mehreren Projekten parallel. Derzeit ist er unter anderem in Flachsmeer, einem Ortsteil von Westoverledingen, im Einsatz. Dort setzt er eine gebrauchte Orgel in ein historisches Gehäuse ein. „Diesmal rein mechanisch, vorher war die Orgel elektropneumatisch.“ Gestartet sei das Projekt Anfang 2022. Die reine Arbeitszeit werde rund 3 Monate betragen. Einen ähnlichen Auftrag habe er in Elisabethfehn umgesetzt.

Etwas Besonderes seien Neubauten und Restaurationen. Sie aber seien selten geworden. Der am Elisabethfehnkanal aufgewachsene Schomberg hatte sich 2004 mit seinem Betrieb in der Schmiede seiner Großeltern am Elisabethfehnkanal selbstständig gemacht. Doch die Räume waren eigentlich zu klein und so bezog der Willehard Schomberg seine heutige Werkstatt – ein 10 Meter hoher Orgelsaal ist dort inklusive. 

Willehard Schomberg – hier an der Orgel in der Universität Vechta – liebt die Vielseitigkeit seines Berufes. Jede Orgel sei anders. Foto: WenzelWillehard Schomberg – hier an der Orgel in der Universität Vechta – liebt die Vielseitigkeit seines Berufes. Jede Orgel sei anders. Foto: Wenzel

Eines der größeren Projekte aus der letzten Zeit war für Willehard Schomberg die Instandsetzung der Orgel des Emsland-Domes in Haren. Die Sanierung der dreimanualigen Orgel aus dem Jahr 1970 hat etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen.

Generell sei der Markt für Orgelbauer nicht ganz einfach. Die Kirchen verlieren Mitglieder, die Gemeinden werden kleiner, das Geld knapper. Das spüre er deutlich. Auch seien Orgeln sehr teuer, denn sie seien "Unikate und keine Massenware".

Gleichzeitig werde der Anbietermarkt kleiner. Für den Nachwuchs sei das nicht schlecht: Wenn mehr Orgelbauer aufhören, als neue anfangen, sei das für die Auftragslage gut und mache Azubis wie Inken Trump Mut, betont Willehard Schomberg: „Bei mir zieht das Geschäft ganz vorsichtig an.“

Inken Trump ist inzwischen im 2. Lehrjahr; 3,5 Jahre dauert die Lehrzeit insgesamt. Ursprünglich habe sie Tischlerin werden wollen. Nach einem Praktikum aber habe sie sich umentschieden und direkt den Lehrvertrag unterzeichnet. Sie schätze die Arbeit mit den Händen. Dabei zu wissen, dass die Handwerkstechnik seit 2014 auf der „Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ der UNESCO stehe, das mache stolz.

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