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Wie Asylbewerber in Dinklage Deutsch lernen

Bisher mussten Geflüchtete für einen Sprachkurs nach Lohne fahren. Weil das nicht für alle machbar war,  entwickelten Kreis, Stadt, Ludgerus-Werk und Caritas eine Alternative – mit positivem Ergebnis.

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Sehr zufrieden mit ihren Schülern: Deutsch-Dozentin Lisa Winter unterrichtet Geflüchtete in Dinklage. Foto: Böckmann

Sehr zufrieden mit ihren Schülern: Deutsch-Dozentin Lisa Winter unterrichtet Geflüchtete in Dinklage. Foto: Böckmann

Wenn Lisa Winter über ihre Schüler spricht, dann gerät die Lehrerin regelrecht ins Schwärmen. "Wunderbar" würden sie den Unterrichtsstoff annehmen, "mit großer Begeisterung" würden sich die Schüler durch die Materialien arbeiten. "Es ist hier wie im Paradies", sagt Lisa Winter und lächelt. Die Deutsch-Dozentin aus Vörden ist aber keine Lehrerin im klassischen Sinne, sie unterrichtet nicht an einer Schule und auch keine Kinder oder Jugendlichen. Sondern Asylbewerber. Genauer formuliert: Sie gibt in der Begegnungsstätte in Dinklage einen – so ist die exakte Formulierung – "Deutsch-Sprachkurs für Geflüchtete mit ungewisser Aufenthaltsperspektive".

Auf den Weg gebracht hat das Angebot Gaby Middelbeck. Sie ist pädagogische Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft im Oldenburger Münsterland und berät insbesondere Frauen mit Migrationshintergrund. Geflüchteten Frauen Arbeit zu vermitteln – das ist das langfristige Ziel von Gaby Middelbeck. Das klappt indes sehr viel besser, wenn diese Frauen Deutsch sprechen. "Der Schlüssel dafür ist die Sprache", betont Middelbeck. 

Sprachkurse werden unter anderem beim Ludgerus-Werk in Lohne angeboten. Für geflüchtete Frauen aus Dinklage war es wegen der eingeschränkten Mobilität, aber auch aus zeitlichen und familiären Gründen nicht möglich, dieses Weiterbildungsprogramm zu nutzen. "Das müssen wir ändern", dachte sich Gaby Middelbeck – und bildete schließlich einen kleinen Arbeitskreis mit Irene Herzog vom Caritas-Sozialwerk, mit Insa Born vom Ludgerus-Werk und Jens Brönstrup vom Familienbüro der Stadt Dinklage. 

Gemeinsam Deutsch lernen: Lisa Winter und ihre Schüler haben Spaß am gemeinsamen Kurs.   Foto: BöckmannGemeinsam Deutsch lernen: Lisa Winter und ihre Schüler haben Spaß am gemeinsamen Kurs.   Foto: Böckmann

Das Ergebnis: Seit dem vergangenen November und noch bis Ende Februar gibt es unter der Leitung von Lisa Winter eben jenen Sprachkurs für Asylbewerber. In 300 Unterrichtsstunden lernen vor allem Frauen, aber auch Männer jeden Montag bis Donnerstag von 8 bis 13 Uhr in der Begegnungsstätte die deutsche Sprache. Was ihnen helfen soll, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen – und eben eine längere Bleibeperspektive zu bieten. Finanziert wird der Kurs vom Land Niedersachsen. 

Vor dem Ende der letzten Unterrichtsstunden zieht der Arbeitskreis ein absolut positives Fazit ihrer spontanen, aber fruchtbaren Zusammenarbeit. Deutsch-Dozentin Winter freut sich, mit welchem Enthusiasmus und welcher Konzentration ihr Kurs in jeden Unterrichtstag startet – auch, wenn die Teilnehmerzahlen aus unterschiedlichsten Gründen schwanken. Sie kommuniziert mit ihren Schülern ausschließlich auf Deutsch. Wenn es Verständigungsprobleme gibt, helfen sich die Schüler untereinander – zum Beispiel auch in der eigenen WhatsApp-Gruppe.

Auch Analphabeten unter den Teilnehmenden

Dabei sprechen natürlich auch nicht alle Schüler dieselbe Sprache. Die meisten Teilnehmer kommen aus Syrien, aber auch aus anderen asiatischen und afrikanischen Ländern. Sich in einem fremden Land auf eine neue Sprache einzulassen und zu lernen – dies sei herausfordernd, sagt Winter. Vor allem für diejenigen Kursteilnehmer, die Analphabeten sind. "Ich hole die Teilnehmer da ab, wo sie gerade stehen." Es sei völlig egal, mit welchem Niveau sie starteten. Der eine Teilnehmer lerne dann vom anderen, freut sich Lisa Winter und schwärmt: "Viele Teilnehmer würden gerne weitermachen. Die sind so fleißig, das ist einfach toll."

Dass sich der Kurs bezahlbar machen wird, davon ist Irene Herzog überzeugt. Es gebe zum Beispiel einige geflüchtete Frauen, die in ihrem Heimatland als Pflegekräfte gearbeitet haben. Diese werden bekanntlich auch in dieser Region gesucht. Und Herzog macht noch auf einen weiteren positiven Aspekt deutlich: Es gehe nicht nur um das Sprachangebot, sondern auch um das gemeinsame Kennenlernen. Dieses Feedback habe sie von den Teilnehmern erhalten.

Hat das Angebot auf den Weg gebracht: Gaby Middelbeck von der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft im Oldenburger Münsterland.   Foto: BöckmannHat das Angebot auf den Weg gebracht: Gaby Middelbeck von der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft im Oldenburger Münsterland.   Foto: Böckmann

Insa Born, Fachbereichsleitung Sprachen beim Ludgerus-Werk, ist positiv gestimmt, dass es in Zukunft in Dinklage noch einen neuen Deutsch-Kurs geben wird. Die finanzielle Bewilligung des Landes Niedersachsen stehe kurz bevor. Dinklages Familienbüro-Leiter Brönstrup, der sich bei der katholischen Pfarrgemeinde St. Catharina für die Bereitstellung des Raumes bedankt, weiß aus Gesprächen mit Geflüchteten: "Der Bedarf für einen Sprachkurs ist da." Dass sich in Dinklage ein Nachfolge-Kurs gemeinsam mit den Akteuren organisieren lässt, davon ist Gaby Middelbeck überzeugt: "Wir handeln im Oldenburger Münsterland eben unkompliziert, pragmatisch und gut vernetzt." Und davon profitieren die Geflüchteten.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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