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Wechselvolle Geschichte: Friesoyther Wasseracht feiert 100-jähriges Bestehen

Im August gründeten sich 19 Wasser- und Bodenverbände im Oldenburger Land. Friesoythe ist einer von ihnen. Geschäftsführung und Mitarbeiter wollen das Jubiläum mit einem "Tag der offenen Tür" begehen.

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Bereiten das Jubiläum vor: Chronist Martin Pille sowie Wasseracht-Mitarbeiter Ludger Tholen, Geschäftsführer Martin Windhaus und Verbandsvorsteher Norbert Schulte (von links). Foto: Wimberg

Bereiten das Jubiläum vor: Chronist Martin Pille sowie Wasseracht-Mitarbeiter Ludger Tholen, Geschäftsführer Martin Windhaus und Verbandsvorsteher Norbert Schulte (von links). Foto: Wimberg

Land unter hieß es zweimal im Jahr auf ihren Feldern. Jahrhundertelang die Bürde der Bauern, die in einer von Hochmooren geprägten Region zu Hause waren. Vorfluter oder Gräben, geschweige denn ein Gewässersystem gab es nicht. Das Wasser hatte leichtes Spiel und bahnte sich seinen eigenen Weg. Reguliert wurde es schließlich, als die Wasser- und Bodenverbände eingriffen, eine zuverlässige Bewirtschaftung möglich machten und damit spürbar mehr Lebensqualität einkehrte.

100 Jahre ist es her, dass 19 Wasserachten im Oldenburger Land gegründet wurden. Dazu zählt seit dem 9. August 1922 auch die Friesoyther Wasseracht, die nach dem von der Oldenburgischen Staatsregierung verabschiedeten Gesetz, die Wasserwirtschaft von der Stadtverwaltung übernahm.

Wie Geschäftsführer Martin Windhaus mitteilte, ist das Jubiläum mit drei Meilensteinen verbunden: zum einen mit der von Heimatforscher Martin Pille aus Bösel erstellten Chronik, die an die bestehende Dokumentation vor 25 Jahren anknüpft. Darüber hinaus soll mit der Bevölkerung am 14. August zwischen 11 und 17 Uhr bei einem "Tag der offenen Tür" am Standort Huntestraße gefeiert werden, bevor sich Vertreter aller Verbände in Wardenburg anlässlich ihres gemeinsamen Geburtstages zu einem Festakt treffen.

Längst vergangene Maßnahme: ein Baggereinsatz mit sogenannten Baggermatratzen. Foto: Archiv WasserachtLängst vergangene Maßnahme: ein Baggereinsatz mit sogenannten Baggermatratzen. Foto: Archiv Wasseracht

Wasseracht, was ist das eigentlich? Wofür zahlt man seinen Pflichtbeitrag? Und welche Aufgaben werden bewältigt? Zufriedenstellende Antworten hatte Martin Pille noch nicht, als er sich auf die Zeitreise begab und am Ende feststellte: „Es ist schon eine spannende Geschichte", die er auf rund 300 Seiten festhält.

Mit ebenso vielen Fotos bezeichnet der Autor sein Werk als Lesebuch, das zur Hälfte über viele technische Details informiert und „jeden Schlot beschreibt“. Der 2. Teil ist der Historie gewidmet. Friesoyther erfahren dabei beispielsweise, dass der heutige „Alte Hafen“ mit Supermarkt und Gewerbe früher ein bedeutender Umschlagplatz war, „wo die Leute den Torf in abenteuerlicher Schwerstarbeit vom Schiff karrten“, erinnert Pille.

Handarbeit: Mitarbeiter stellen an einem Kanal einen Solsturz her. Foto: Archiv WasserachtHandarbeit: Mitarbeiter stellen an einem Kanal einen Solsturz her. Foto: Archiv Wasseracht

Vor allem nimmt er jedoch die 50er und 60er Jahre in den Blick, in denen, so Geschäftsführer Windhaus, „viel zerstört wurde, weil es wenig Argumente für Naturschutz als vielmehr für Lebensmittelsicherheit gab“. Die Standortbedingungen der Landwirtschaft mussten optimiert werden. Die Wasseracht leitete Wasser in dem rund 76.000 Hektar großen Verbandsgebiet ab und trieb die Verbesserung der Böden voran.

Der Klimawandel bleibt das beherrschende Thema

Im Laufe der weiteren Jahrzehnte nahmen dann jedoch Umwelteinflüsse und Nachhaltigkeit einen immer größeren Raum ein – der Klimawandel und seine Folgen bleiben auch in Zukunft das beherrschende Thema. „Und bei aller Diskussion um das rechte Maß zwischen Ökologie und Ökonomie darf man nicht vergessen, dass es auch die Wasserverbände waren, die mit ihrer Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Integration und Siedlungsgeschichte unserer Region geleistet haben“, zeigt sich Pille überzeugt, während Windhaus direkt vor Ort auf „unendlich viele Projekte“ vor allem im nördlichen Bereich des Landkreises verweist und „es kaum eine Ecke gibt, die nicht von der Friesoyther Wasseracht erfasst wurde“.

Die Unterhaltung der Gewässer und Bauwerke nimmt in der Gegenwart den größten Raum der Arbeit ein. Dabei geht es um die Pflege durch Mähen und Materialentnahme sowie auch um „Rückbau“, bei dem die Gewässer an ausgewählten Abschnitten wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden.

Fakten:

  • Den amtierenden Vorstand der Wasseracht besetzen Vorsteher Norbert Schulte (Saterland), Hermann Kalvelage (Emstek), Elmar Preut (Friesoythe) und Franz Wübbelmann (Barßel)
  • Die Chronik der Friesoyther Wasseracht erscheint Ende Juli/ Anfang August.
  • Beim "Tag der offenen Tür" an der Huntestraße, wo sich Bauhof und Verwaltungsgebäude nach zahlreichen Umzügen seit 1997 befinden, präsentieren die Gastgeber Materiallager und Fuhrpark.
  • Vertreter der Landwirtschaftskammer informieren zum Thema Heizen mit Holz sowie die Bekämpfung von Nutria und Bisam.
  • Der Fischereiverein ist mit im Boot und stellt seine Arbeit vor.
  • Die Kreisjägerschaft rollt mit ihrer „Waldschule“ an.
  • Kulinarisches und Getränke servieren der Jugendförderverein „Altes Amt Friesoythe“.

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