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Wasser wird zum zentralen Streitpunkt

In der Diskussion um die am C-Port geplanten Anlagen steht derzeit die Sagter Ems im Mittelpunkt. Gegner der Anlagen befürchten eine Verschlechterung der Wasserqualität und stärkere Hochwasser.

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Verschlechterung befürchtet: Viele Saterländer Bürger haben Angst, dass die Wasserqualität der Sagter Ems, hier bei Sedelsberg, durch die Wassereinleitungen der am C-Port geplanten Anlagen leidet.   Foto: M. Passmann

Verschlechterung befürchtet: Viele Saterländer Bürger haben Angst, dass die Wasserqualität der Sagter Ems, hier bei Sedelsberg, durch die Wassereinleitungen der am C-Port geplanten Anlagen leidet.   Foto: M. Passmann

Die Diskussion um die zwei Mist und Gülle verarbeitenden Anlagen, die am C-Port geplant sind, wird in gleichbleibender Intensität weitergeführt. Zentrales Thema der Gegner dieser Projekte ist dabei die Wassereinleitung in die Sagter Ems.

Insbesondere auf der Facebook-Seite „Sauberer C-Port“ schlagen die Wellen hoch. Die Qualität des einzuleitenden Wassers wird ebenso diskutiert wie die Frage, ob das zusätzliche Wasser den Pegel der Sagter Ems deutlich anhebt und bei Hochwasser die Überschwemmungsgefahr erhöht.

Unternehmen halten Befürchtungen für unbegründet

Sowohl Revis Bioenergy aus Münster als auch Kaskum aus Friesoythe sind davon überzeugt, dass die Befürchtungen grundlos sind. „Unser Prozesswasser wird in einem mehrstufigen Prozess gereinigt“, sagt etwa Revis-Geschäftsführer Simon Detscher zur Frage der Wasserqualität.

„Das einzuleitende Wasser entsteht letztlich wie Regenwasser über einen Verdunstungsprozess.“ Das sei, so Detscher, das sicherste Verfahren, um etwa Antibiotika aus dem Wasser zu filtern. „Mögliche Schadstoffe verbleiben im Konzentrat, gelangen also nicht in die Sagter Ems“, versichert er. Sollten die gesetzlichen Anforderungen an die Wasserqualität künftig weiter steigen, so könne und werde Revis auch das erfüllen.

Für die Kaskum GmbH schließt der geschäftsführende Gesellschafter Gert Stuke eine Verunreinigung der Sagter Ems ebenfalls aus. „Wir stellen über unser Verfahren sicher, dass keine Schadstoffe eingeleitet werden“, sagt er.

Das bestätigt auch Dr. Miriam Weissroth, die bei der Wehrle Umwelt GmbH in Emmendingen für Forschung und Entwicklung zuständig ist. „Ultrafiltration und Umkehrosmose sind lange geprüfte Prozesse, die seit den 60er Jahren eingesetzt werden“, sagt sie. „Da wird nichts durchkommen.“ Wehrle produziert die Technik für die Reinigung des einzuleitenden Wassers.

Bürgerinitiative trotz der Beteuerungen nicht überzeugt

Helmut Hillen, Sprecher der Bürgerinitiative Sauberer C-Port, ist trotz der Beteuerungen der Investoren nicht überzeugt. Er frage sich, sagt Hillen im Gespräch mit OM online, warum das Wasser nicht in die deutlich näher am C-Port vorbeifließende Marka eingeleitet werde. „Vielleicht ist die ja sauberer als die Sagter Ems“, so seine Vermutung, stelle also zu hohe Anforderungen an die Wasserqualität.

Wo genau das Wasser eingeleitet wird, ist allerdings eine Entscheidung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Darauf hat Revis nach eigener Aussage keinen Einfluss. Sowohl Detscher als auch Stuke verweisen zudem darauf, dass das einzuleitende Wasser in den Anlagen selbst permanent und von den Behörden am Einleitpunkt regelmäßig und unangekündigt überprüft werde.

Auch bei den Gutachten seien Unregelmäßigkeiten ausgeschlossen. „Die Gutachter sind unabhängig“, betont Detscher. Zudem würden die Gutachten in den zuständigen Behörden überprüft. „Die Leute dort verstehen ihr Handwerk auch.“

„Auf 150 Badewannen, die heute an der Einleitstelle vorbeifließen, kommt eine Badewanne dazu.“

Simon Detscher, Revis-Geschäftsführer

Bei der Menge des einzuleitenden Wassers plädiert er dafür, die Relationen nicht aus den Augen zu verlieren. „Auf 150 Badewannen, die heute an der Einleitstelle vorbeifließen, kommt eine Badewanne dazu“ erläutert er. „Die Wassergeschwindigkeit erhöht sich von 0,99 auf einen Kilometer pro Stunde, durch die gesamte Einleitung steigt der Pegel der Sagter Ems bei normaler Wasserhöhe um maximal neun Millimeter.“ Wenn es eine Hochwasserlage gebe, betrage der Anstieg nur einen Millimeter.

Um bei einem Hochwasser eine zusätzliche hydraulische Belastung zu vermeiden, habe Revis von Beginn an Pufferspeicher vorgesehen, durch die das Unternehmen mehr als zehn Tage lang auf die Einleitung von Wasser verzichten könne. „Bislang hat das Hochwasser in der Sagter Ems nie länger als vier Tage gedauert“, verweist Detscher auf öffentliche Statistiken. Und erst wenn das bei Hochwasser zurückgehaltene Wasser eingeleitet werde, erreiche die Anlage die Einleitmenge, die allen Berechnungen zugrunde liege. „Im Normalbetrieb liegen wir 20 Prozent darunter“, sagt Detscher. „Da sind wir stets auf der sicheren Seite.“

Zukünftig will Detscher weiter auf direkte Kommunikation setzen. „Im Gespräch wird vieles klarer“, sagt er. Revis werde deshalb einen runden Tisch einrichten, an dem die Träger öffentlicher Belange, also auch Ratsmitglieder, teilnehmen können. „Die Rückmeldungen dazu“, sagt er, „sind sehr positiv.“

Weiter umstritten: Die Ansiedlung von Gülle und Mist verarbeitenden Anlagen am C-Port und der Umgang mit dem Thema sorgt für Diskussionen. Foto: MT-ArchivStixWeiter umstritten: Die Ansiedlung von Gülle und Mist verarbeitenden Anlagen am C-Port und der Umgang mit dem Thema sorgt für Diskussionen. Foto: MT-Archiv/Stix

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