"Was du nicht willst, dass man dir tu‘ …!"
Kolumne: Auf ein Wort – Ich bin fest davon überzeugt, dass es für das Miteinander elementare Regeln geben muss. Die "Goldene Regel" gehört in den Wertekanon eines jedes Menschen.
Karl Gierse | 07.07.2020
Kolumne: Auf ein Wort – Ich bin fest davon überzeugt, dass es für das Miteinander elementare Regeln geben muss. Die "Goldene Regel" gehört in den Wertekanon eines jedes Menschen.
Karl Gierse | 07.07.2020

Man nennt sie die "Goldene Regel" für menschliches Miteinander: "Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst!" Sie findet sich in ähnlichen Formulierungen in vielen der großen Weltreligionen. Jesus gab seinen Anhängerinnen und Anhängern in der Form mit auf den Weg: "Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!" (Mt 7, 12 EÜ) In deutschen Landen lernt eigentlich jedes Kind die "Goldene Regel". Meist sind es die Eltern oder Großeltern, die sie dem Kinde vermitteln, beispielsweise, wenn das arme Kind seinen Willen nicht bekommt und es deshalb die Erwachsenen aus Protest kratzt, boxt und tritt. Dann ist eine gute Gelegenheit, dem Kind die einprägsame Variante dieser wichtigen Lebensweisheit beizubringen: "Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg‘ auch keinem andern zu!" "Es ist eine Verhaltensregel, die in den Wertekanon jedes Menschen gehört, heute und auch in Zukunft." Ich finde, es ist eine ausgesprochen nützliche Regel für gelingendes menschliches Miteinander, für Kinder im Sandkasten, für verbissen kämpfende Fußballer und für streitende Erwachsene. Es ist eine Verhaltensregel, die in den Wertekanon jedes Menschen gehört, heute und auch in Zukunft. In den vergangenen Tagen und Wochen sind mir leider wiederholt Zweifel gekommen, ob das noch der Fall ist. Beispielsweise Mitte Juni angesichts der Berichterstattung von den Ausschreitungen zwischen jungen Leuten und der Polizei in Stuttgart. Noch heute habe ich die Bilder vor Augen, wie ein junger Mensch Anlauf nimmt und einem Polizeibeamten, der völlig ahnungslos ist, mit voller Wucht von hinten in den Rücken springt! Dass ein Mensch einen Mitmenschen, der ihn weder direkt angreift noch bedroht, mit einer solchen Brutalität behandelt, nur weil dieser eine Polizeiuniform trägt, ist für mich bis heute unfassbar. Aber auch in Vechta hat es in den letzten Wochen Vorkommnisse gegeben, die zeigen, dass die Bereitschaft zum Einsatz brutaler Gewalt gegenüber Mitmenschen in erschreckender Weise zugenommen hat. Ich denke an die Auseinandersetzungen in den Stadthäusern am Bahnhof oder die Messerstecherei am letzten Wochenende. Die Gründe für diese Entwicklung sind sicher vielschichtig. Ein Aspekt scheint mir aber – auch in den Fachwissenschaften – unstrittig: Die Vermittlung elementarer Regeln für das gesellschaftliche Miteinander ist ein ganz wesentlicher Inhalt im Erziehungsprozess. Die "Goldene Regel" gehört für mich unbedingt dazu! Alle, die an Erziehung beteiligt sind, sollten versuchen, dieser Regel wieder Geltung zu verschaffen … auch im eigenen Interesse!
Zur Person:
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