Service-Wüste Deutschland. Diese landläufige Meinung ist mitunter ein Vorurteil, manchmal allerdings auch vollkommen zutreffend. Es folgen zwei unterschiedliche Beispiele aus den vergangenen Tagen, wobei die Service-Oase als Vorbild am Ende steht. Denn: Das vorherige Jammern soll hier nur ein Mittel zum Zweck sein. Und der lautet: aufzeigen, dass es auch anders geht.
Also: Benötigt wird ein Lattenrost. Bei einem bekannten Möbelhaus (nicht Ikea) werde ich fündig, bestelle das passende Modell und bekomme irgendwann die Benachrichtigung, dass ich die Ware in der Filiale abholen kann. Am Kassenschalter soll ich den Lieferschein vorlegen. Problem: Dort stehen neben mir noch drei Kundinnen, aber kein Verkaufspersonal. 15 Minuten dauert das. Die drei Kundinnen sind mittlerweile wieder ohne ihren Einkauf von dannen gezogen. Irgendwann rufe ich in die Halle: „Hallo, kommt hier bitte noch irgendwann jemand an die Kasse?“ „Ja, wenn ich mein Gespräch beendet habe“, ruft eine Frau zurück, die meine Leidensgenossinnen und mich schon lange im Blick, aber bislang weder angesprochen noch überhaupt beachtet hatte.
„Heraus kommt ein schlecht gelaunter junger Mann und sagt: ‚Ich unterbrech' dann mal meine Mittagspause.‘ Beschließe, dass ich künftig doch mal bei Ikea vorbeischaue.“
Irgendwann ist das Gespräch offenbar beendet. Ich soll mit dem Auto einmal um das Gebäude herumfahren, zur Warenausgabe, wird mir mitgeteilt. Dort werde man mich „sofort“ in Empfang nehmen. „Sofort“ ist in diesem Möbelhaus (nicht Ikea) offenbar ein dehnbarer Begriff. Erst nach weiteren 15 Minuten öffnet sich eine schwere Tür. Heraus kommt ein schlecht gelaunter junger Mann und sagt: „Ich unterbrech' dann mal meine Mittagspause.“ Beschließe, dass ich künftig doch mal bei Ikea vorbeischaue.
Nun zur Service-Oase: Sie heißt „Le Lion“ und ist eine Bar nahe des Hamburger Rathauses. Geführt wird sie seit vielen Jahren von Jörg Meyer aus Dinklage. Hier kreierte er auch den Cocktail „Gin Basil Smash“, der heute zu den weltweit beliebtesten gehört.
Was diese Bar und den Besitzer auszeichnet? Das hier: Rappelvoll ist es dort an einem Samstagabend. Der Chef selbst steht hinter der Theke. Irgendwann kommt er in den Gastraum. Stressgeplagt? Keineswegs. Überall entwickeln sich kurze Gespräche. Man kennt sich. Herzlich grüßt der Dinklager meine Frau, einen lieben Freund aus Hamburg, der uns begleitet, und mich. Mit einem halben Ohr bekommt der Barkeeper mit, dass meine Frau und ich Hochzeitstag haben. Kurz darauf erscheint er mit drei Gläsern und einer Flasche Champagner, schenkt uns ein, gratuliert und zieht gut gelaunt von dannen. Lieber Jörg, wir kommen gerne wieder. Das – und sicherlich noch vieles mehr – unterscheidet dich von einem bekannten Möbelhaus (nicht Ikea).
Zur Person: