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Warum E-Scooter nicht gefährlicher sind als Fahrräder

Kolumne: E-Roller gehen vielen auf den Senkel. Sie gelten gar als „Geißel der Mobilitätswende“. Doch die emotionale Kritik zielt ins Leere.

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Straßenverkehrsteilnehmer meckern gerne übereinander. Am wenigsten zu melden haben E-Scooter-Fahrer (noch weniger als Lastenradfahrer). Denn die elektrischen Roller gehen vielen auf den Senkel, ob nun Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger. Wahlweise, so der Vorwurf, fahren die (meistens) jungen Fahrerinnen und Fahrer ohne Licht, auf nicht versicherten Scootern, bewegen sich auf der falschen Straßenseite oder zu zweit auf einem Roller (auch verboten!), brausen rücksichtslos über den Gehweg oder nehmen anderen die Vorfahrt. Schlimmer noch: Diese „Roller-Rowdys“ bauen haufenweise Unfälle. Mit ein bisschen Pech explodieren die Elektro-Tretroller sogar! E-Scooter seien nun wirklich die „schlimmste Geißel der Mobilitätswende“.

Puh! Können alle mal ein paar Gänge zurückschalten? Wie immer gilt: Neu heißt nicht gleich gefährlich. Um gleich mal mit einem Mythos aufzuräumen: E-Scooter-Akkus brennen oder explodieren so gut wie nie. Der ADAC hat die Akkus unter Extrembedingungen getestet und attestiert ihnen ein „sehr hohes Sicherheitsniveau“.

Klar: Die Unfallzahlen mit E-Scootern steigen, auch im Oldenburger Münsterland. Manche enden leider mit schweren und tödlichen Verletzungen. Das liegt aber in erster Linie daran, dass immer mehr Menschen mit ihnen unterwegs sind. Da lassen sich mehr Unfälle nicht vermeiden.

„Tauschen Sie das Wort hinter „Leih-“ doch mal mit „Fahrrad“ und das Problem ist das gleiche.“

Das Fahrverhalten hängt außerdem nicht vom Gefährt ab, sondern von dem Menschen, der es steuert. Wer sich betrunken auf den E-Scooter stellt oder über Gehwege fährt, setzt sich wahrscheinlich auch betrunken aufs Rad oder fährt über den Bürgersteig. Außerdem: Wer hat sich noch nie auf den Gepäckträger eines Fahrrads gesetzt und ist mitgefahren?

Tatsächlich ein Problem sind die vielen Leih-Scooter, die es aber in Cloppenburg nicht gibt. In den Großstädten liegen sie an vielen Stellen herum und versperren zum Beispiel Wege. Aber tauschen Sie das Wort hinter „Leih–“ doch mal mit „Fahrrad“ und das Problem ist das gleiche.

Festzuhalten bleibt: Es macht kaum einen Unterschied, ob jemand mit dem Rad oder dem Scooter unterwegs ist. Was Letztere allerdings noch sicherer machen würde, wäre eine Mindestgröße für die Räder. Je größer sie sind, desto leichter lassen sich Hindernisse wie Kanten oder Schlaglöcher überwinden. Schon 10- statt 8-Zoll-Räder würden die Zahl der Stürze deutlich senken, sagen Unfallforscher. Und ein Helm schützt nicht nur Radfahrer vor Kopfverletzungen.


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