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War die Klausur zu schwer? Ergebnis an der Uni Vechta sorgt für Diskussionen

Unverhältnismäßiger Schwierigkeitsgrad oder zu wenig Beteiligung der Studierenden? In einer Germanistik-Klausur an der Uni Vechta sind 98 Prozent der Prüflinge durchgefallen.

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In aller Munde: Die schlechte Erfolgsquote einer Klausur an der Universität Vechta sorgt aktuell für Diskussionen. Foto: Chowanietz

In aller Munde: Die schlechte Erfolgsquote einer Klausur an der Universität Vechta sorgt aktuell für Diskussionen. Foto: Chowanietz

Wenn 98 Prozent der Teilnehmer bei einer Prüfung durchfallen, braucht es kein Mathematik-Studium, um zu wissen, dass das überdurchschnittlich viel ist. So ist es Germanistik-Studierenden der Universität Vechta ergangen: Nur 4 von 185 abgegebenen Klausuren galten als bestanden. 20 Personen davon hätten das Leistungsziel laut Pressestelle der Uni nur knapp verfehlt, der Rest deutlich. Solche Ergebnisse seien zwar nicht die Regel, aber im Vergleich mit anderen Unis nicht absolut außergewöhnlich, erklärt Pressesprecher Friedrich Schmidt.

Unverhältnismäßiger Schwierigkeitsgrad oder zu wenig Beteiligung der Studierenden? Bei unserer Redaktion meldete sich der verärgerte Vater einer Studentin. Seine Tochter habe die Erfahrung gemacht, dass der betroffene Dozent überzogene Anforderungen habe. Die Beteiligten baten um Anonymität, die Namen sind der Redaktion bekannt. Seine Tochter sei in einem vorherigen Semester durch die gleiche Klausur gefallen, die Quote sei ebenfalls nicht gut gewesen. 

Die Uni dagegen erklärt, die Erfolgsquote liege bei dem Modul im Erstversuch bei 60 Prozent. Sie reagierte trotzdem schnell auf die Klagen: Die Bewertung wurde in Absprache mit dem Justiziariat vom Prüfungsausschuss annulliert. Der Prüfungsausschuss ist in Fällen von Beschwerden zuständig. Bis zum Wiederholungstermin haben die Studierenden sechs Wochen Vorbereitungszeit.

Studentin spricht von abgehobenem Niveau der Vorlesungsinhalte

Die Klausur sei schon ausführlich nachbesprochen worden, erklärt  Schmidt, auch der Fachrat Germanistik habe daran teilgenommen. Der Dozent habe sein Sprechstundenangebot erweitert. Außerdem seien in Gesprächen mit den Studierenden deren Probleme erörtert worden, eine angepasste Übungsklausur werde für den nächsten Termin zur Verfügung gestellt, so die Pressestelle. Mittelfristig soll ein zusätzliches Lehrangebot geschaffen werden, in dem Studierende Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens lernen.

"Niemand, der bereit ist, engagiert und sachlich adäquat zu arbeiten, muss fürchten, das Studium nicht bewältigen zu können", heißt es vonseiten der Uni. In dem entsprechenden Modul seien in den vergangenen Jahren nur 1 bis 2 Prozent endgültig durchgefallen. Von einem "abgehobenen Niveau" und "desillusionierten Studenten" spricht allerdings der genannte Vater. Seine Tochter habe deswegen nach gescheiterten Versuchen ihr Studium abgebrochen. 

Die Online-Klausur sei nicht gut konzipiert gewesen, führt er das Erlebte seiner Tochter weiter aus. Zum Nachschlagen habe die Zeit gefehlt, es seien zu viele Aufgaben gewesen. Die Prüfung wurde als dezentrale Online-Open-Book-Klausur durchgeführt, erklärt die Pressestelle. Das heißt, die Studierenden durften zu Hause alle Lernmaterialien und das Internet nutzen. 

Universität spricht von geringer Beteiligung seitens der Studierenden

In der Erklärung der Uni heißt es, dass "problemorientierte Fragen" Inhalt der Klausur gewesen seien. Die Beantwortung der Multiple-Choice-Fragen und Lückentext-Aufgaben erfordere nicht nur Lernen, sondern die gedankliche Beschäftigung mit dem Thema. Die Anforderungen seien in den vergangenen Semestern ähnlich gewesen –  sowohl inhaltlich als auch mengenmäßig.  

In diesem Semester habe man aber festgestellt, dass die Beteiligung der Studierenden geringer gewesen sei, erläutert Schmidt. Sprechstunden seien teilweise nur von 1 bis 2 Prozent der Teilnehmenden genutzt worden. Auch in den acht begleitenden Tutorien sei die aktive Mitarbeit zum Teil gering gewesen. 

Unterdessen haben Studierende der Uni Vechta eine Online-Petition gestartet. Sie wollen auch in der aktuellen Prüfungsphase einen zusätzlichen Freiversuch behalten. Den hatte die Universität seit Beginn der Corona-Pandemie unter den besonderen Umständen gewährt. Seit diesem Wintersemester gelten die alten Regeln: Es gibt zwei schriftliche und einen mündlichen Versuch. An ihrer Lage habe sich aber nichts geändert, meinen die Studierenden. Die Aussicht auf Erfolg schätzt Marvin Koch, Pressereferent des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta), dennoch als gering ein.

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