Vor 110 Jahren wurde die Vehnemoor-Gesellschaft gegründet
Die Vehnemoor-Gesellschaft prägte seit 1916 den Torfabbau in Bösel, förderte Wirtschaft und Siedlung – heute steht das Moor für Renaturierung und Naturschutz.
Martin Pille | 07.04.2026
Die Vehnemoor-Gesellschaft prägte seit 1916 den Torfabbau in Bösel, förderte Wirtschaft und Siedlung – heute steht das Moor für Renaturierung und Naturschutz.
Martin Pille | 07.04.2026

Torfwerk Vehnemoor Foto: Archiv Martin Pille
Es war eigentlich keine Firmengründerzeit, als Europa ins dritte und vierte Weltkriegsjahr ging, heute vor 110 Jahren. Und dennoch: Als überall die Ernährungslage schlecht ist, Brot und Kartoffeln so knapp sind, dass Lebensmittelkarten eingeführt werden müssen, gründen Friedrich Graf von Landsberg und Georg Klasmann in Bösel-Edewechterdamm 1916/17 die Vehnemoor GmbH. Nördlich von Bösel lag das Moor, als das Schweigen dort noch tief und unerschütterlich war; ein Schweigen doch, das Katastrophen vorausgeht. Man spürte es: Moore sind unheimlich wie Friedhöfe, und es riecht nach Fäulnis und Tod, aber sie sind das Leben für das Moor. In der Bevölkerung herrschte ein großer Mangel an Kohle. Wo das Moor zu Torf gestochen und als Holzersatz im Ofen landete, da war die Not die Ursache. Pionierarbeit kam auf die Gründer und ihren späteren Geschäftsführer, Franz Mecking, zu. Das Problem des Absatzes löste er mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Edewecht-Edewechterdamm. Bald wurde mit dem Bau einer Torfstreufabrik begonnen. 1921 verließ der erste Ballen die Presse, um nach Amerika oder den Kanarischen Inseln exportiert zu werden. Schwarztorf wurde in den Pütten zunächst noch im Handstich gefördert. Erst als 1922 die Hochspannungsleitung von Wildenloh herangeführt wurde und zwei Wielandt-Bagger geliefert worden waren, begann der maschinelle Abbau. Später ist Hans-Heinz alleiniger Betriebsleiter, vor allem aber dessen Motor, ausgestattet mit dem Gespür für das unternehmerisch Richtige. Eine neue Phase, die der Kultivierung der abgetorften Flächen, beginnt. Danach wird ein größeres Areal für die Errichtung von 21 Nebenerwerbssiedlungen und Häusern freigegeben. Die Firma sorgte für eine neue Heimat vieler; Menschen strömten nach den Weltkriegen aus den verlorenen Gebieten gen Westen, viele davon fanden Arbeit im Moor und Anschluss an die heimische Bevölkerung. „Platt“ mischte sich mit schlesischem oder pommerschem Akzent. Heute gehört die Vehnemoor-Gesellschaft zur Deilmann-Klasmann GmbH. 1975 wird die Brenntorfproduktion eingestellt und Blumenerde und Substrate werden produziert. Wie alle Torfwerke war auch die Torfgesellschaft einem immer größer werdenden Druck der Naturschützer ausgesetzt und geriet zunehmend in die Diskussion um das rechte Maß zwischen Wirtschaft und Landschaft. Vor mehr als 20 Jahren wurden 1676 Hektar Moor unter Naturschutz gestellt. Zurückholen kann man indes nichts mehr, aber es entsteht etwas, was wertvoll sein kann: ein offener, nährstoffarmer und moortypischer Lebensraum, der Platz bietet für viele schutzbedürftige Arten und Lebensgemeinschaften. Nach Auskunft von Kreissprecher Frank Beumker vom Landkreis Cloppenburg gibt es in der Gemeinde Bösel keine aktive Abbaugenehmigung mehr. Nur noch zwei Genehmigungen existieren für die Gemeinde – bei beiden Flächen ist zwar der Abbau beendet, aber die Renaturierung und der Rückbau mit der Wiedervernässung der Flächen sind noch nicht abgeschlossen. Bis maximal 2046 laufen auch alle anderen Genehmigungen im Landkreis aus. Im Moor beobachten heute die Menschen den faszinierenden Kranicheinflug im Herbst. An den aktiven Torfabbau auf den großen Flächen erinnern dann nur noch das Böseler Gemeindewappen und eventuell für das geübte Auge erkennbare Höhenunterschiede im Landschaftsprofil.
Nach schweren Gründer- und Kriegsjahren stirbt Franz Mecking 1950. Die Geschäftsführung übernimmt sein Sohn Hans-Heinz Mecking, zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Bernd-Georg.Bis 2,46 laufen auch andere Genehmigungen aus
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