Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Von besonderen Rosen und grünen Welten beim „Tag der offenen Gartenpforte“

Im Oldenburger Münsterland waren am Sonntag 21 private Gärten zu sehen. Die Besitzer führen Hunderte Besucher durch die großen und kleinen Paradiese – auch in Thüle, Neuscharrel und Damme.

Artikel teilen:
Irgendwas blüht immer: Maria Moormann (Mitte) erläutert beim "Tag der offenen Gartenpforte" ihren Gästen Idee, Aufbau und Philosophie ihres Cottage-Gartens. Foto: Stix

Irgendwas blüht immer: Maria Moormann (Mitte) erläutert beim "Tag der offenen Gartenpforte" ihren Gästen Idee, Aufbau und Philosophie ihres Cottage-Gartens. Foto: Stix

Von Arbeit mag Maria Moormann nicht sprechen, wenn sie durch ihren Garten in der Friesoyther Ortschaft Mittelsten-Thüle im Landkreis Cloppenburg führt. „Das ist für mich Gärtnern“, beschreibt sie ihr Hobby. Man sage ja auch nicht Kocharbeit, sondern Kochen. Was bei ihrem Hobby entsteht, zeigte sie Besuchern am Sonntag beim „Tag der Offenen Gartenpforte“.

Insgesamt 21 Gartenbesitzer aus dem ganzen Oldenburger Münsterland öffneten ihre Gärten. Auch die Torismusverbände warem an Board: Die Erholungsgebiete Dammer Berge und Thülsfelder Talsperre sowie die Ausflugsregion Nordkreis Vechta hießen die Teilnehmer in einer Vielzahl von Gärten, Parks und Landschaften herzlich willkommen. Eine vorherige Anmeldung brauchten die Gartengäste für ihre „Visite“ nicht.

Cottage-Garten in Mittelsten-Thüle blüht immer

Mit der gezielten Gartengestaltung hat Moormann vor rund 15 Jahren angefangen. "Davor war der Garten die Spielwiese für die Kinder, und Rosen vertragen sich nicht so gut mit Fußbällen", erzählt sie. Jetzt ist der Garten ihre "Spielwiese", und die ist inzwischen ein kleines Meisterwerk. Im Mittelpunkt stehen ungezählte Pflanzen, gleichzeitig legt Moormann Wert auf Vielfalt, Sichtachsen, Blickbeziehungen sowie Blüh- und Farbfolgen. Ein echter "Cottage-Garten" eben – "einen deutschen Begriff habe ich dafür bislang einfach nicht gefunden", sagt sie.

Für die Beete sind nach und nach große Teile des Rasens verschwunden. "Der Rasen ist nicht mein Freund", sagt die Pflanzenliebhaberin. "Er macht die meiste Arbeit und ist das Teuerste im Garten." Eine Rolle spielt er allerdings doch. "Ich brauche ihn als Beruhigung für den Blick, als Ruhepol, damit das kein Lamettagarten wird", erläutert sie.

Gartenanlage, Platzierung der Beete und Auswahl der Pflanzen macht Moormann weitestgehend selbst. "Gartengeschichte und -kultur sind mein Hobby", sagt sie. Und sie weiß, was sie tut. Die Blühpflanzen sind so ausgewählt und gesetzt, dass das ganze Jahr über etwas blüht. Bunte Bereiche wechseln sich mit grünen Beeten ab, keine Pflanze steht aus Zufall an ihrem Platz, anhand von Skulpturen kann sie die Idee und die Philosophie ihres Gartens erzählen.

Auch Konrad Adenauer und Helmut Schmidt stehen im Garten

Wie viele Pflanzen insgesamt auf dem insgesamt 2000 Quadratmeter großen Grundstück stehen, weiß sie nicht. Nur bei den Rosen traut sie sich eine Schätzung zu. "Das könnten so etwa 40 verschiedene sein." Und auch da achtet Moormann genau darauf, was sie pflanzt. Das Auswahlkriterium allerdings ist ungewöhnlich. "Ich kaufe Rosen nach Namen", erzählt sie. Ein Großteil ist nach Gärtnern und Züchtern genannt, aber auch Fürstin Sophia ist dabei, Shakespeare sowie die Politiker Konrad Adenauer, Roman Herzog, Helmut Schmidt und Johannes Rau.

Wie viel Zeit sie in den Garten steckt, kann Moormann nicht sagen. Sie will es auch gar nicht wissen. "Das ist ja keine Arbeit, das macht Freude", sagt sie. Und vieles wird nebenbei erledigt, wenn sie durch den Garten geht und sich einfach an den Blumen und Pflanzen erfreut.

„Wenn man durchgeht, findet man immer was zu tun.“Johannes Reiners

Genau so machen das auch Maria und Johannes Reiners in Neuscharrel. Ihr Grundstück war unter dem Titel „Garten der Vielfalt“ ebenfalls beim Tag der offenen Gartenpforte dabei. „Da knipst man halt schnell mal was ab, wenn es verblüht ist“, sagt Johannes Reiners. „Wenn man durchgeht, findet man immer was zu tun.“

Lieblingsplatz: Die Teichterrasse im Garten der Vielfalt von Maria und Johannes Reiners ist durch große Rosenstöcke abgeschirmt. Foto: StixLieblingsplatz: Die Teichterrasse im "Garten der Vielfalt von Maria und Johannes Reiners ist durch große Rosenstöcke abgeschirmt. Foto: Stix

Entstanden ist die gärtnerischen Vielfalt "so nach und nach", erläutert Maria Reiners. 1996/97 brachten sie den Bereich an der Straße in Form, 2005 kam der 700 Quadratmeter große Teich am westlichen Rand des Grundstücks dazu. 2019, nachdem dort eine Scheune des ehemaligen Bauernhofs abgebrannt war, nahmen sie sich das Areal hinter dem Haus vor. Hier entstanden dann die Blumen- und Staudenbeete, die das Grundstück zum Garten der Vielfalt machten. Der Plan stammt von einem Gärtner, die Arbeit hat das Paar selbst geschultert.

Insgesamt 6000 Quadratmeter pflegen die Reiners zu zweit. Ein Teil davon ist allerdings, auch der Tierwelt wegen, als Waldstück belassen. Und bei den Beeten hilft ihnen die Natur. "Die sind zwischen den Pflanzen und Stauden mit Bodendeckern belegt", erläutert Johannes Reiners. "Das hält die Feuchtigkeit, ist gut für die Bodenlebewesen und verhindert Unkraut."

8 Sitzgelegenheiten sind im Garten verteilt, alle werden sie genutzt – je nach Anlass, Tageszeit, nach Lust und Laune. Ihr Lieblingsplatz allerdings ist die große Terrasse am Teich. Die ist auf verschlungenen Pfaden entlang großer Rosensträucher zu erreichen – und war auch beim Tag der offenen Gartenpforte für viele Gäste der liebste Platz, um die Vielfalt auf sich wirken zu lassen.

In Damme dreht sich alles um die Rose

8 Sitzgelegenheiten sind im Garten verteilt, alle werden sie genutzt – je nach Anlass, Tageszeit, nach Lust und Laune. Ihr Lieblingsplatz allerdings ist die große Terrasse am Teich. Die ist auf verschlungenen Pfaden entlang großer Rosensträucher zu erreichen – und war auch beim Tag der offenen Gartenpforte für viele Gäste der liebste Platz, um die Vielfalt auf sich wirken zu lassen.

Im Erholungsgebiet Dammer Berge war Angela gr. Austing aus Damme dabei und hatte in ihren prächtigen Rosengarten „Zum alten Berge“ eingeladen. Wer ein bisschen Zeit mitbrachte, bekam von der Rosenzüchterin eine ganz private Führung durch den ganzen Garten, lernte viel Wissenswertes und Neues kennen und erhielt obendrein viele praktische Tipps und Anregungen.

Unter dem Rosenbogen: Rosenzüchterin Anela gr. Austing. Foto: RöttgersUnter dem Rosenbogen: Rosenzüchterin Anela gr. Austing. Foto: Röttgers

Dabei erfuhren die Besucher, dass gr. Austing alle ihre Rosensorten selbst gezogen hat. Schon früh morgens auf den Beinen waren Maria Holzum aus Steinfeld und Monika Germann aus Dinklage, die den Dammer Garten unbedingt sehen wollten. Ihnen gab Angela gr. Austing herzliche Einblicke in die familiäre Gartenkunst. Etwa: "Die Sorte New Dorn, die gerade in voller Blüte steht, ist mittlerweile über 50 Jahre alt und stammt noch von meiner eigenen Mutter“, erzählte sie.

Diskret duftend stand gleich daneben die gelbblühende Kulturrose „Floribunda“, deren Entwicklung in erster Linie mit dem dänischen Rosenzüchter Svend Poulsen verbunden ist. Dieser hatte sich vorgenommen, neue Rosen zu schaffen, welche die kalten skandinavischen Winter aushalten und in kurzen Sommern ein Maximum an Blüten bringen sollten. Bei Angela gr. Austing stand diese Rose ebenso in voller Blütenpracht wie die „Leonardo da Vinci“-Rose, die den gleichnamigen Künstler ehrt.

Schlemmen im Garten für den guten Zweck

Die Hobbyrosenzüchterin besitzt nicht nur den typisch „grünen Daumen“, wenn sie einfach Blumenzweige einsetzt, aus denen neue Pflanzen gedeihen. Sie hat auch das richtige Auge für passende Details. So fand der Besucher viele „Kleinode“ innerhalb ihres Gartens. Es gab viel zu betrachten und zu bestaunen: Viele selbst gestaltete Figuren, Flohmarktfunde und einfach zweckentfremdete Gegenstände erhielten im Garten von Angela und Werner gr. Austing eine neue Verwendung. So war wohl auch das Schieferschildchen zu verstehen, das in einem Beet stand: „In den kleinsten Dingen der Natur zeigt sie die allergrößten Wunder!“

Angela gr. Austing und ihre Familie luden außerdem zu Kaffee und selbstgebackenen Kuchen auf den vielen bereit gestellten Sitzgruppen und Verweilmöglichkeiten ein. Ihren Erlös wollen die gr. Austings an die Ukraine spenden.

Auch der Baumschulgarten Enneking an der Vördener Straße in Damme nahm am „Tag des Gartens“ teil und lud zu einem Schautag ein. Romy Denguth zeigte hier die Beetrose „Rosengräfin Marie Henriette“ und präsentierte eine Fülle an bunt blühenden Sommerblumen.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Von besonderen Rosen und grünen Welten beim „Tag der offenen Gartenpforte“ - OM online