Er ist 96 Jahre alt – und einer der letzten lebenden Zeitzeugen der Handballgründung in Lohne. Als Nicolaus „Klaus“ Kaulen am Dienstag im Ratssaal des Lohner Rathauses die Große Stadtmedaille in Gold entgegennahm, war das mehr als eine persönliche Ehrung: Es war ein Stück Stadtgeschichte.
Zusammen mit Christoph Barkhoff, Stefanie Kathmann und Uwe Moormann wurde Kaulen von Erstem Stadtrat Gert Kühling im Namen der Stadt ausgezeichnet. Bürgermeisterin Dr. Henrike Voet ließ sich entschuldigen und herzliche Grüße ausrichten.
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Foto: Timphaus
Musikalisch begleitet wurde die Zeremonie vom Saxophonquartett der Musikschule Lohne unter der Leitung von Raimund Moritz: Matilda Höhle, Ida Mählmann, Jasper Fluck und Leni Steinkamp. Kühling stellte den Einsatz der Geehrten heraus – oft seit Jahrzehnten. „Gerade in einer Zeit, in der vieles schneller und unverbindlicher wird, ist dieses dauerhafte Engagement von unschätzbarem Wert."
Ein Zeitzeuge des Lohner Handballsports
1945, als Deutschland in Trümmern lag, gehörte Kaulen zu jener Gruppe von rund 20 jungen Männern, die sich im damaligen Café Kröpke am Markt trafen, um den Handballsport in Lohne aufzubauen. Ohne feste Sportplätze, ohne Trikots – aber mit Leidenschaft. Trainiert wurde unter freiem Himmel, umgezogen unter Bäumen, zu Auswärtsspielen ging es mitunter im Viehtransporter. Kaulen war Spieler, Trainer und Organisator zugleich und prägte den Turn- und Sportverein Blau-Weiß Lohne über Jahrzehnte. Kühling hob besonders seinen Einsatz für Begegnungen über die innerdeutsche Grenze hinweg hervor: Die Verbindung zu einer Mannschaft aus Wusterwitz hielt bis in die Zeit der Altherren. „Ohne Menschen wie Sie gäbe es diesen Sport in Lohne heute so nicht“, sagte Kühling in der Laudatio.
Christoph Barkhoff aus Brockdorf steht für eine weniger sichtbare, aber unverzichtbare Form des Ehrenamts. Seit 2007 engagiert er sich bei Grün-Weiß Brockdorf, zunächst als Jugendbetreuer in verschiedenen Mannschaften, später auch als Co-Trainer und seit 2010 im Vorstand als stellvertretender Jugendleiter und Vereinsspielleiter. Er koordiniert Spielbetrieb, vergibt Hallenzeiten, organisiert Fußballcamps in den Osterferien – und ist seit 2008 Betreuer im Zeltlager, das jährlich rund 230 Kindern offensteht. Während der Corona-Pandemie übernahm er die Rolle des Hygieneschutzbeauftragten, aktuell wirkt er am Kinderschutzkonzept des Vereins mit.
Eine Frau, die verbindet
Seit 2013 ist Barkhoff zudem Ehrenamtsbeauftragter – eine Rolle, die zu ihm passt, wie Kühling betonte: „Wer selbst so viel leistet, der weiß auch, wie wichtig es ist, andere zu motivieren und wertzuschätzen.“ Sein Fazit fiel knapp aus: „Ohne diese Arbeit läuft im Hintergrund nichts – und vorne auch nicht.“
Stefanie „Steffi“ Kathmann engagiert sich seit den 1980er Jahren in der katholischen Kirchengemeinde St. Gertrud – als Lektorin, Kommunionhelferin und über viele Jahre in der Sterbe- und Hospizbegleitung. Letzteres ist das vielleicht stillste ihrer Engagementfelder: kein Amt, keine Sitzung – sondern Nähe zu Menschen in ihren letzten Stunden. Als Religionslehrerin an der Stegemannschule begleitet sie zudem Kinder und Jugendliche in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung. Ihr Lebensmotto? Das Peter-Pan-Prinzip: Im Herzen jung bleiben.
Ihre Astronomie-Nachmittage, bei denen sie Kindern und Eltern den Sternenhimmel näherbringt, gehen auf eine Leidenschaft zurück, die sie von ihrem Vater geerbt hat: dem kürzlich verstorbenen Nieberding-Schild-Preisträger Reinhold Kotte (1938-2026), der selbst bereits die Stadtmedaille in Gold erhalten hatte. „Heute steht sie selbst hier. Und man spürt: Sie führt diese Familientradition des Engagements auf ganz eigene Weise fort", sagte Kühling. Es war ein emotionaler Moment. Zu Kathmanns weiteren Projekten zählen der „Friedhofstreff“ als niedrigschwelliges Begegnungsangebot sowie ihr langes Engagement im Pfarreirat. „Sie sind ein Glücksfall für unsere Stadt“, konstatierte Kühling.
10 Jahre Präsident – und ein besonderer Tag
Den Abschluss bildete Uwe Moormann, 10 Jahre lang Präsident des Schützenvereins Lohne – eines Vereins mit rund 2800 Mitgliedern und dem größten Schützenfest der Region. Als Adjutant, Kassenwart und schließlich als Präsident lernte er den Verein von Grund auf kennen und prägte ihn. Als Meilenstein seiner Amtszeit gilt der Neubau der Schießsporthalle. Im März übergab er den Staffelstab bewusst an seinen Nachfolger – mit den Worten: „Ein Verein lebt davon, dass Verantwortung weitergegeben wird.“
Kühling würdigte Moormanns Führungsstil: „Klar in der Sache, kooperativ im Miteinander – aber immer entschieden. Kein Herumeiern, keine langen Schleifen – sondern: ansprechen, klären, entscheiden.“ Der Abend hatte für Moormann noch eine zweite Bedeutung: Er und seine Frau Marion feierten am selben Tag ihren 25. Hochzeitstag. Kühling gratulierte auch persönlich – und erinnerte an Moormanns eigene Worte: „Ohne sie wäre es nicht gegangen.“