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Vestruper Kirche ist 250 Jahre alt

Das Kirchweihjubiläum soll am 23. Oktober mit Bischof Genn gefeiert werden. Auf einen großen Empfang wurde aus zweierlei Gründen verzichtet.

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Die Vestruper St.-Vitus-Kirche prägt die Ortsmitte seit 250 Jahren. Foto: C. Meyer

Die Vestruper St.-Vitus-Kirche prägt die Ortsmitte seit 250 Jahren. Foto: C. Meyer

Es sollte mehr als 100 Jahre dauern, bevor der Ort Vestrup eine neue Kirche erhielt. Schon Mitte des 17. Jahrhunderts hieß es in Visitationsprotokollen über das Gotteshaus in der Bauerschaft, es sei „hässlich“ (1651), „von allen Seiten miserabel“ (1652) und „verfallen“ (1669). 1769 wurde schließlich um die Genehmigung eines Neubaus gebeten, der am 25. Oktober 1772 feierlich eingeweiht wurde. Dieses 250-jährige Kirchweihjubiläum der St.-Vitus-Kirche Vestrup soll am 23. Oktober (Sonntag) gefeiert werden.

Los geht es an diesem Tag um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Vestruper Kirche, wie Bernd Holtkamp, Pfarrer der Pfarrei St. Johannes Baptist, zu der die Gemeinde St. Vitus Vestrup seit April 2008 gehört, wissen lässt. Dr. Felix Genn, Bischof des Bistums Münster, wird das Pontifikalamt feiern. Musikalisch begleitet wird der Gottesdienst vom Chor Einigkeit Vestrup. Zu der Messe seien neben der Vestruper Bevölkerung auch Vertreterinnen und Vertreter aller Vereine und Verbände der Gemeinde Bakum eingeladen, so Holtkamp.

Vestruper Kirche ist die älteste in der Gemeinde Bakum

Da es sich bei dem Kirchweihjubiläum um ein „Fest der Begegnung“ handeln soll, werde es danach einen lockeren Empfang vor der Kirche oder – je nach Wetterlage – im Pfarrheim geben, sagt der Pastor. Die Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, ein Mittagsessen einzunehmen und sich auszutauschen. Das lockere Beisammensein wird vom Musikverein Vestrup musikalisch umrahmt.

Bereiten das Fest vor: Andrea Meyer (von links), Pfarrer Bernd Holtkamp, Margareth Weber und Christof Lamping. Foto: C. MeyerBereiten das Fest vor: Andrea Meyer (von links), Pfarrer Bernd Holtkamp, Margareth Weber und Christof Lamping. Foto: C. Meyer

Tatsächlich habe man sich relativ schnell – die Planungen laufen seit Anfang des Jahres – dafür entschieden, die Feierlichkeiten kleinzuhalten, sagt Christof Lamping vom Festausschuss. Zum einen habe man die Corona-Lage nicht einschätzen können, erklärt Bernd Holtkamp. Zum anderen stehe die katholische Kirche aktuell in der Öffentlichkeit nicht gut da, gibt er zu. „Das macht demütiger.“ Eine große Feier, da stimmen auch die Mitglieder des Festausschusses zu, hätte sich nicht richtig angefühlt.

Nichtsdestoweniger halten Margareth Weber, Andrea Meyer, Christof Lamping und Bernd Holtkamp das 250-jährige Bestehen der ortsbildprägenden Vestruper Kirche für einen Grund zum Feiern – wenn auch eben in einem kleineren Rahmen. Von allen der vier Kirchen innerhalb der Gemeinde Bakum – Carum, Lüsche, Vestrup und Bakum – handele es sich bei der St.-Vitus-Kirche um die älteste, sagt Holtkamp.

Älteste Kanzel in der Region

Die katholische Kirchengemeinde in Vestrup wurde 1208 erstmalig in einer Urkunde erwähnt, wie aus der Chronik, die zum 800-jährigen Bestehen der Kirchengemeinde 2008 herausgegeben wurde, hervorgeht. Bis zum Kirchenneubau 1772 soll das frühere Gotteshaus ein „höchst primitiver Fachwerkbau“ gewesen sein, der im 30-Jährigen-Krieg (1618 bis 1648) zunehmend verfiel, dessen Sanierung aber aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht gelang.

Nachdem der Neubau der St.-Vitus-Kirche schließlich genehmigt wurde, sind als Baumaterialien unter anderem Steine aus der Vechtaer Zitadelle verwendet worden, erzählt Christof Lamping. Der Hochaltar stand zuvor in der Zitadell-Kirche in Vechta. Aus der Vorgängerkirche ist der Taufbrunnen erhalten geblieben, der 1993 gereinigt, renoviert und wieder in der Kirche aufgestellt wurde. Die Kanzel wurde 1591 angefertigt und stammt wahrscheinlich aus der alten Krapendorfer (Cloppenburg) St.-Andreas-Kirche. Bei der Kanzel handele es sich um die älteste im Münsterland, ergänzt Margareth Weber.

Mehr als 80 Jahre später erhielt die Kirche im Jahr 1856 einen neuen Kirchturm, nachdem 1835 sogar für den alten Turm der Befehl gegeben wurde, das Läuten einzustellen, wie es in der Chronik heißt. In den 1970er Jahren sind umfangreiche Renovierungen vorgenommen worden, zuletzt noch einmal Mitte der 1990er Jahre. Seit einigen Wochen herrscht bei Zusammenkünften in der und um die Kirche zudem mehr Ruhe, seitdem die Ortsdurchfahrt saniert worden ist. Der Krach, der von der Buckelpiste ausging, sei insbesondere bei Beerdigungen „grauenvoll“ gewesen, sagt Pfarrer Holtkamp, weshalb so manches Mal die Trauerfeier kurz unterbrochen werden musste.

Gibt es die Kirche in 50 Jahren noch?

Die katholische Kirche steht in der Kritik, die Mitgliederzahlen sind rückläufig. Die Gemeinde Bakum hat vier katholische Kirchen. Die St.-Vitus-Kirche in Vestrup ist vergleichsweise klein – wird es in 50 Jahren noch eine Feier zum 300-jährigen Bestehen geben? Margareth Weber, Andrea Meyer, Christof Lamping und Bernd Holtkamp sind der Meinung: Ja. Die Menschen in Vestrup und Hausstette hätten nach wie vor einen Bezug zu „ihrer“ Kirche, sagt Lamping, ob Taufen, Trauungen oder Beerdigungen. Dreimal die Woche werden noch Gottesdienste vor Ort abgehalten, sagt Pfarrer Holtkamp. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher sei auch hier rückläufig, sagt er, aber angesichts der Bevölkerungszahlen in Vestrup und Hausstette und im Vergleich zu anderen Gemeinden könne sich das noch sehen lassen, ergänzt Margareth Weber. Sie selbst feiere den Gottesdienst gerne in der St.-Vitus-Kirche.

Die Vestruper Kirche sei nicht nur ortsbildprägend, sondern hätte auch einen kunsthistorischen Wert, sagt Bernd Holtkamp. Es sei eine „Generationenverantwortung“, die Kirche zu erhalten, sagt Christof Lamping. Damit das gelingt, wünscht sich Margareth Weber von der katholischen Kirche, dass die Gläubigen vor Ort in ihrem Engagement gestärkt werden. „Kirche lebt von der Begegnung der Menschen.“

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