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Verdient Künstliche Intelligenz ihre eigenen Brötchen?

Kolumne: Mein Papp’n ist per se ein selbstloser Mensch. Drum wunderte es mich nicht, dass er uns an einem Samstag ungefragt Brötchen brachte. Bestellt hatten wir keine, aber die KI.

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Mit 33 Jahren verdiene ich meine eigenen Brötchen. Keine große Sache. Erwerbsarbeit strukturiert in modernen Gesellschaften schließlich das Leben, sichert den Lebensunterhalt, definiert den sozialen Status und ist zentral für die soziale Integration. Da muss man wohl mitmachen.

Was aber, wenn nicht der Mensch, sondern Künstliche Intelligenz den Anspruch erhebt, nicht nur ihre eigenen Brötchen zu backen, sondern auch zu verdienen? Dann beschäftigen sich entweder Arbeits- oder Wirtschaftssoziologen mit der Industrie 5.0 oder mein Papa schenkt uns am Samstagmorgen ein halbes Dutzend Wecken zum Wachwerden. Von Letzterem handeln folgende Zeilen.

„Seit wann waren wir in der Vorstellung meines Papp’ns eigentlich so gefräßig?“

An besagtem Samstag schrieb mein Papp’n mir eine Nachricht über WhatsApp: „Brötchen liegen in der Küche.“ Nanu, das ist aber freundlich. Eigentlich war die Nachricht kaum verwunderlich. Meine Eltern sind beide tolle Menschen. Drum taperte ich die 28 Schritte von meinem ins Haus meiner Eltern (ich bin rein räumlich weit gekommen), schloss die Tür auf, schlich in die Küche und schnappte mir die Tüte.

„Drüben“ wieder angekommen, langten meine bessere Hälfte und ich ordentlich zu. Schließlich galt es, ein halbes Dutzend an Teigwaren zu verköstigen. Seit wann waren wir in der Vorstellung meines Papp’ns eigentlich so gefräßig? Was soll’s: Alle man rein in die Figur.

Die KI hatte in meinem Namen Brötchen geordert

Am Sonntag speisten wir – wie des Öfteren – gemeinsam. Beim Schneiden und Schmieren der nächsten Wecken wollte ich die selbstlose Geste meines Vaters nicht ganz wahrhaben und hakte nochmal nach: „Wieso hast du uns gestern eigentlich Brötchen mitgebracht?“ – „Hast du mir doch geschrieben?“ – „Ich hab‘ gar nichts geschrieben.“ – „Hast du wohl.“ Wenn Sie die Kolumne bereits zu Beginn aufmerksam gelesen haben, ahnen Sie, wer die Brötchen geordert hat: die in WhatsApp enthaltene Meta-KI, mit der es sich vortrefflich chatten lässt.

Ein Blick aufs Smartphone meines Papas bestätigte meinen Verdacht: Die KI hatte in „meinem Namen“ Brötchen geordert. Meta-KI statt Max. „Bring doch bitte 5-6 Brötchen mit. Wenn du mich fragst, wären Mischbrötchen oder vielleicht einige Vollkornbrötchen eine gute Wahl. Danke dir!“ Als mein Papa mich wegen der Brötchen um einen Anruf bat, antwortete das Wunderwerk der Technik: „Alles klar, ich ruf‘ dich später an wegen der Brötchen. Bis dann!“ Warten wollte mein junger Herr allerdings nicht. Spätestens, als die KI nach Papas Adresse fragte, hätte ihm vielleicht etwas auffallen können. Wobei: Vielleicht war der Sohnemann frühmorgens verwirrt.

„Für die KI war die Sache glasklar: Brötchen sind immer eine gute Idee!“

Sei’s drum: Wir hatten sowohl am Samstag als auch am Sonntag frische Brötchen. Ob wir sie uns verdient hatten, lässt sich abschließend nicht beantworten. Zumindest nach menschlichen Maßstäben nicht. Für die KI war die Sache glasklar: Brötchen sind immer eine gute Idee!


Zur Person:

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