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Unbekannte beschädigen "Visbeker Braut"

Die Täter haben Runen und Symbole in Steine der Megalith-Grabanlage in Wildeshausen geritzt. Denkmalschützer sind fassungslos.

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Sichtbarer Schaden: Grabungstechniker Julian Schierenbeck dokumentiert die Runen auf den Findlingen. Foto: Bornholt

Sichtbarer Schaden: Grabungstechniker Julian Schierenbeck dokumentiert die Runen auf den Findlingen. Foto: Bornholt

Die Polizei ermittelt. Unbekannte haben Runen und Symbole in zwei Steine der Megalith-Grabanlage "Visbeker Braut" in Wildeshausen geritzt. Die Bezirksarchäologin Dr. Jane Fries vom Oldenburger Landesamt für Denkmalpflege ist entsetzt: "In meinen 13 Dienstjahren habe ich so etwas noch nicht erlebt", sagt sie der Wildeshauser Zeitung. Das sei eine gemeinschädliche Sachbeschädigung und werde als Straftat eingestuft.

Fries lässt jetzt prüfen, ob die Steine restauriert werden können. Das Großsteingrab an der Ahlhorner Straße an der Grenze zur Gemeinde Großenkneten ist mehr als 5000 Jahre alt. "Die Anlage ist richtig prominent unter den Megalithgräbern, die wir in der Wildeshauser Geest haben", sagt Jana Fries.

Bei einem Vor-Ort-Termin machten sich die Bezirksarchäologin sowie ihr Kollege, der Grabungstechniker Julian Schierenbeck, Dr. Svea Mahlstedt vom Förderverein Urgeschichtliches Zentrum und Birte Hogeback von der Stadtverwaltung ein Bild von den Schäden.

Unbekannte haben große Symbole in Stein eingearbeitet

Schierenbeck nahm Maß und fotografierte die Runen, die sich auf zwei Steinen im hinteren Bereich der 80 Meter langen Anlage befinden.

Die Steine dienten früher vermutlich als Abdeckung für das Grab, wurden aber im Laufe der Jahrtausende verstellt. Auf dem linken Findling ist ein Kreis mit Kreuz zu sehen, der mit einem unbekannten Werkzeug eingearbeitet wurde. Den rechten Stein verunstalten drei ebenfalls etwa 60 Zentimeter große Runen. Über die Bedeutung der Schriftzeichen kann auch Fries nur spekulieren.

Unklare Botschaft: Die Zeichen haben die Unbekannten mit einem Werkzeug in den Findling geritzt. Foto: BornholtUnklare Botschaft: Die Zeichen haben die Unbekannten mit einem Werkzeug in den Findling geritzt. Foto: Bornholt

Auch der Tatzeitpunkt ist unklar. Am abgelegenen Standort des Denkmals dürften der oder die Verursacher genug Zeit gehabt haben, um die Runen einzuritzen. Passanten hatten den Fall bei der Polizei gemeldet. Die Ermittler konnten den Tatzeitraum nur auf die Zeit zwischen dem 1. und dem 22. Juni eingrenzen. Die Polizei bittet um Hinweise. Hilfreich wären auch Anhaltspunkte, um den Zeitpunkt der Tat genauer eingrenzen zu können.

Fries hofft, dass sich noch jemand meldet. Sie will jetzt aber erst einmal das Gespräch mit den Restauratoren des Landesamts für Denkmalpflege suchen. "Es geht darum, ob und wie man die Schäden unsichtbar machen kann." Das solle unbedingt versucht werden, denn die Runen befinden sich an prominenter Stelle: Sie sind aus der Entfernung vom Parkplatz der "Visbeker Braut" zu erkennen.

"Visbeker Braut" hat hohe Bedeutung für Forscher

Dass diese Anlage eine hohe Bedeutung für die Archäologen hat, hängt vor allem an der Phase ihrer Entstehung. "Es war ein Kollektivgrab für eine ganze Gruppe mit der Grabkammer im Zentrum", berichtete Fries. "Über all dem war ein großer Erdhügel", zeigte sie auf die kleinen Findlinge, die den sieben bis neun Meter breiten Damm säumen, der immer noch zu sehen ist. Da das Großsteingrab in vielerlei Hinsicht noch gut erhalten ist, sei es hier möglich, zu sehen und zu erleben, was frühere Kulturen fertig gebracht haben.

Dr. Svea Mahlstedt vom Förderverein Urgeschichtliches Zentrum ist sicher: "Es war eine große Baumaßnahme." Dieser Aufwand habe möglicherweise dazu gedient, die Gemeinschaft zusammenzuhalten. "Als eine Art ideologischer Überbau." Die Menschen nördlich der Alpen seien schließlich spät sesshaft wurden. Erst als sich die sogenannte Trichterbecherkultur im heutigen Niedersachsen ausbreitete, wurde mehr Landwirtschaft betrieben. Die "Visbeker Braut" sei eines der steinernen Denkmale eben dieser Kultur, erklärt Mahlstedt.


  • Info: Zeugen, die Angaben zu den Tätern oder zum Tatzeitpunkt machen können,  werden gebeten, sich unter Telefon 04431/9410 zu melden.

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