Über Mockturtle, Kröten und Asteoriden
Kolumne: Die Mockturtle-Suppe ist für viele Cloppenburger ein Stück Heimat. Dabei passt der Name so gar nicht zu uns.
Friedrich Niemeyer | 26.01.2026
Kolumne: Die Mockturtle-Suppe ist für viele Cloppenburger ein Stück Heimat. Dabei passt der Name so gar nicht zu uns.
Friedrich Niemeyer | 26.01.2026

Zugegeben: Appetitlich sieht die braune Fleischbrühe auf den ersten Blick nicht gerade aus. Gesund scheint sie auch nicht zu sein, wie ein Blick auf die nicht enden wollende Zutatenliste verrät. Aber wenn Mockturtle auf den Tisch kommt, geht es doch auch um was ganz anderes: Die „Spezialität aus Cloppenburg“ ist schnell zubereitet, schmeckt immer gleich (gut), macht satt und ist ewig haltbar. Pragmatisch eben. Und die „Schlömer´s Suppe“ kommt sogar aus der Region. Serviert mit einem Stück Brot oder einem Teller Nudeln ist sie quasi das Ur-Cloppenburger Fastfood. Mockturtle ist zu einem ein Stück Heimat geworden. Dabei passt der Name so gar nicht zu unserer Heimat. Warum das nahrhafte Gericht eigentlich „Mockturtle“ heißt, habe ich nie hinterfragt, bis ich anfing, diesen Text zu schreiben. Der Name kommt ursprünglich aus dem Englischen: „Mock turtle soup“ steht für „unechte Schildkrötensuppe“. Ob das Gericht unter diesem Namen wohl jemals ein Stück Cloppenburger Heimat geworden wäre? Wer isst schon gerne eine Suppe, in der die Wörter „unecht“ und „Kröte“ stecken. Also lieber verschleiern und es einfach „Mockturtle“ nennen, haben sich die Köche vielleicht gedacht. Wer konnte damals schon Englisch?! „Wer isst schon gerne eine Suppe, in der die Wörter „unecht“ und „Kröte“ stecken.“ Erfunden wurde Mockturtle wohl Mitte des 18. Jahrhunderts. Damals gab es eine Personalunion zwischen den Königreichen Großbritannien und Hannover. Der König von Großbritannien war also gleichzeitig der König von Hannover. Und so schwappte die „mock turtle soup“ über die Nordsee in die Landesküche Niedersachsens, bis nach Cloppenburg. Die echte Schildkrötensuppe schien früher übrigens eine echte Delikatesse zu sein, die sich nicht jeder leisten konnte. Denn Mockturtle wurde ursprünglich als preiswerter Ersatz erfunden: Statt Schildkrötenfleisch nahm man damals einfach Rindfleisch (In der Cloppenburger Variante steckt heute natürlich Schweinefleisch, wie soll es auch anders sein). Das Fleisch der grünen Meeresschildkröte war selten und teuer. Später war die Art vom Aussterben bedroht. Heute ist die Jagd international weitgehend verboten. Fun fact: Mockturtle hat es sogar ins Weltall geschafft. Es gibt einen Asteoriden, der den Namen „(8889) Mockturtle“ trägt. Einem Wikipedia-Eintrag zufolge wurde er nach der Figur des Schildkrötensupperich aus dem Kinderbuch „Alice im Wunderland“ benannt.Lesen Sie außerdem:
Zur Person:
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